Tax Freedom Day 2026
Erst ab jetzt arbeiten die Österreicher für sich selbst

| Tobias Seifried 
| 16.08.2026

227 Tage für den Staat: Bis zum 16. August arbeiteten Beschäftigte hierzulande rechnerisch für Steuern und Abgaben. Interessenvertreter:innen von Wirtschaft und Industrie sehen darin erheblichen Reformbedarf.

In Österreich wurde der sogenannte Tax Freedom Day heuer am 16. August erreicht. Bis zu diesem Tag arbeiteten Steuerzahler:innen rein rechnerisch für den Staat – 2026 waren das 227 Tage –, seitdem für das eigene Einkommen. 2025 war der Stichtag auf den 17. August gefallen. Für die Junge Wirtschaft (JW) und die Junge Industrie (JI) ist die minimale Verbesserung gegenüber dem Vorjahr jedoch kein Grund zur Entwarnung. 

Stichtag müsse dauerhaft nach vorne

Die langfristige Entwicklung fällt deutlich weniger günstig aus: In den 1970er-Jahren wurde der Tax Freedom Day noch Anfang Juli erreicht, seit 2008 lag er durchgehend im August. JW und JI sahen darin einen Beleg dafür, dass eine nachhaltige Trendwende bei der Steuer- und Abgabenbelastung bislang ausgeblieben sei.

"Ob der Tax Freedom Day ein oder zwei Tage früher oder später stattfindet, darf nicht unser Maßstab sein", sagt Verena Eugster, Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft. Ziel müsse es vielmehr sein, den Stichtag dauerhaft nach vorne zu verschieben. Wer arbeite, Verantwortung übernehme oder ein Unternehmen aufbaue, brauche Rahmenbedingungen, die Leistung und Initiative stärker belohnten.

62 Prozent der Arbeitskosten gehen an den Staat

Wie hoch die Belastung ausfällt, zeigt eine Berechnung des Hayek Instituts. Für einen Median-Vollzeitbeschäftigten mit einem monatlichen Bruttogehalt von 3.977 Euro ergeben sich demnach jährliche Arbeitskosten von 72.206 Euro. Nach Berücksichtigung der untersuchten Steuern und Abgaben blieben 27.349 Euro übrig.

Insgesamt beziffert das Institut die Belastung mit 44.857 Euro beziehungsweise 62,12 Prozent der Arbeitskosten. Einbezogen werden dabei neben Lohnsteuer und Sozialversicherung unter anderem Lohnnebenkosten, Umsatzsteuer, Verbrauchsabgaben und zugerechnete Unternehmensabgaben.

Ruf nach Strukturreformen

Für JW und JI ist eine niedrigere Belastung eng mit Reformen auf der Ausgabenseite verbunden. Eduard Fröschl, Bundesvorsitzender der Jungen Industrie, fordert effizientere staatliche Strukturen: "Eine nachhaltige Entlastung lässt sich nicht über einzelne Maßnahmen erreichen. Wir müssen bei den staatlichen Strukturen ansetzen und uns die Frage stellen, wo wir effizienter werden können."

Eine moderne Verwaltung und langfristig tragfähige Reformen seien aus seiner Sicht Voraussetzung, um dauerhaft finanziellen Spielraum für Entlastungen zu schaffen. Eugster stellt wiederum die Auswirkungen auf jüngere Generationen in den Mittelpunkt. "Wir müssen das Aufstiegsversprechen für unsere und die kommenden Generationen erneuern: Wer mehr leistet und Verantwortung übernimmt, soll nicht ausgebremst, sondern stärker entlastet werden."

JW und JI sehen den diesjährigen Tax Freedom Day daher weniger als Erfolg aufgrund der Verschiebung um einen Tag, sondern als neuerlichen Auftrag für Strukturreformen. Ziel müsse eine dauerhaft niedrigere Steuer- und Abgabenbelastung sein.

Das Hayek Institut fordert seinerseits unter anderem eine verbindliche Ausgabenbremse, mehr Kostentransparenz auf Lohnzetteln und eine über Einsparungen finanzierte Abgabenentlastung.

www.wko.at

www.jungeindustrie.iv.at

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