Privatkundengeschäft erhält größeres Gewicht
RBI will mit neuer Strategie Wachstum und Profitabilität stärken

| Redaktion 
| 05.10.2026

Die Raiffeisen Bank International stellt sich unter ihrem neuen CEO Michael Höllerer strategisch neu auf. Einen besonderen Stellenwert sollen künftig das Privatkundengeschäft und die Rolle als Hausbank einnehmen. Gleichzeitig will Höllerer den Rückzug aus dem Russland-Geschäft weiter vorantreiben.

Die Raiffeisen Bank International (RBI) arbeitet unter ihrem neuen Vorstandschef Michael Höllerer an einer Überarbeitung ihrer Strategie. Laut APA kündigte Höllerer am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten an, die Details im Frühjahr 2027 bei einem Capital Markets Day präsentieren zu wollen. Im Mittelpunkt sollen unter anderem die Profitabilität und weiteres Wachstum stehen. Gleichzeitig will die Bank ihre Position als Hausbank für Unternehmen und Privatkunden stärker betonen.

Zukäufe nur bei strategischem Mehrwert

Auch Übernahmen schließt die RBI grundsätzlich nicht aus. Anorganisches Wachstum komme jedoch nur infrage, "wenn es strategisch passt", sagte Höllerer. Zukäufe allein mit dem Ziel, die Bank größer zu machen, seien nicht vorgesehen.

Nach Einschätzung des RBI-Chefs bieten zudem jene Märkte, in denen das Institut bereits aktiv ist, noch erhebliches Potenzial für organisches Wachstum. Damit setzt die Bank nicht ausschließlich auf mögliche Akquisitionen, sondern sieht auch innerhalb ihres bestehenden Geschäfts Möglichkeiten zur Expansion.

Höllerer sieht Chancen in der Ukraine

Zu den Ländern, denen Höllerer weiteres Wachstum zutraut, zählt die Ukraine. Einen Rückzug der RBI aus dem Land stellte er nicht in Aussicht. "Wir waren immer dort und wollen dort bleiben und eine aktive Rolle im Wiederaufbau spielen", sagte der Vorstandschef.

Die RBI sei aktuell die viertgrößte Bank in der Ukraine und beschäftige dort rund 5.000 Mitarbeiter:innen. Der laufende Krieg und die verschärfte Sicherheitslage würden den Bankbetrieb erschweren. Höllerer hob in diesem Zusammenhang jedoch die Widerstandsfähigkeit der Beschäftigten hervor.

RBI plant Russland-Geschäft weiter zurückfahren

Anders als in der Ukraine verfolgt die RBI in Russland weiterhin das Ziel, ihre Aktivitäten möglichst weit zurückzufahren. Der neue Vorstandschef Michael Höllerer hält damit am bisherigen Kurs der Bank fest und machte gegenüber Medien deutlich, dass er einen Ausstieg möglichst rasch umsetzen würde, sofern sich dafür eine realistische Möglichkeit bietet. Auf Dauer sei es schwierig, in Russland tätig zu bleiben.

Das Russland-Geschäft wurde seit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine bereits deutlich reduziert. Laut Höllerer hat die RBI ihr Kreditvolumen um 80 Prozent und die Einlagen um 60 Prozent zurückgefahren. Ein vollständiger Rückzug lässt sich jedoch nicht ohne Weiteres umsetzen. Dafür sind verschiedene behördliche Genehmigungen notwendig, darunter auch Zustimmungen auf russischer Seite.

Die Gefahr, dass die russische RBI-Tochter unter Zwangsverwaltung gestellt oder enteignet werden könnte, schätzt Höllerer derzeit als gering ein. Der Bank lägen keine entsprechenden Hinweise oder Aussagen russischer Behörden vor. Zugleich betonte der RBI-Chef, dass sich das Institut strikt an die geltenden regulatorischen Vorgaben halte.

Privatkundengeschäft erhält größeres Gewicht

Konkrete Einzelheiten zur neuen Strategie nannte Höllerer noch nicht. Klar sei allerdings bereits, dass das Privatkundengeschäft künftig einen wesentlichen Schwerpunkt bilden werde. Mit der Übernahme der CEO-Funktion hat Höllerer auch die Verantwortung für diesen Geschäftsbereich übernommen.

Darüber hinaus soll sich die strategische Neuausrichtung mit neuen Technologien beschäftigen. Insbesondere der Einsatz von Künstlicher Intelligenz und deren Potenzial für die RBI sollen im Zuge der Strategie näher untersucht werden.

www.rbinternational.com

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