Fotos & Video "Peter & Paul"
"Leitbetriebe jammern und raunzen nicht"

In der neuen "Peter & Paul"-Sendung sprechen Monica Rintersbacher (Geschäftsführerin Leitbetriebe Austria), Erich Steinreiber (CEO ISS Österreich) und Wolfgang Hagn (Geschäftsführer Weingut Hagn) u.a. darüber, wie heimische Unternehmen trotz schwieriger Wirtschaftslage erfolgreich bleiben können, welche Rolle KI und Automatisierung dabei spielen und warum der Faktor Mensch auch künftig nicht an Bedeutung verlieren wird.

Die neue Folge "Peter & Paul" dreht sich dieses Mal rund um das Thema "Erfolg, Verantwortung, Zukunft – die Werte von Leitbetrieben". Dazu spricht Paul Leitenmüller (CEO Opinion Leaders Network) mit seinen Gästen Monica Rintersbacher (Geschäftsführerin Leitbetriebe Austria), Erich Steinreiber (CEO ISS Österreich) und Wolfgang Hagn (Geschäftsführer Weingut Hagn). Gedreht wurde die aktuelle Folge in den Räumlichkeiten von DLA Piper in der Wiener Innenstadt, in denen Gastgeber Christoph Mager (Country Managing Partner DLA Piper Österreich) die Gäste persönlich willkommen hieß.

Was einen Leitbetrieb ausmacht

Rund 200 österreichische Unternehmen tragen aktuell den Titel "Leitbetrieb", vom kleineren Mittelstandsbetrieb bis zum Großkonzern. Vergeben wird er von Leitbetriebe Austria, einer unabhängigen, branchenübergreifenden Exzellenz-Plattform, die seit 36 Jahren nach einem festgelegten Verfahren zertifiziert. Geprüft wird von einem eigenen Institut, das quantitative und qualitative Kriterien in einem Scoring-Verfahren bewertet, alle zwei Jahre steht die Rezertifizierung an. Monica Rintersbacher, die die Plattform seit 15 Jahren als Geschäftsführerin verantwortet, lege dabei großen Wert darauf, dass sich diese Auszeichnung nicht kaufen lässt. "Die Unternehmen müssen sich bei uns qualifizieren, um ein Leitbetrieb zu sein. Es sind Vorbildunternehmer:innen, es sind die Exzellenzen des Landes", stellte sie klar. Messbar sei das auch in den jeweiligen Unternehmensbilanzen: Die Eigenkapitalquote der zertifizierten Betriebe liege im Schnitt bei 44 Prozent und damit deutlich über dem österreichischen Durchschnitt, gemeinsam würden sie 17 Prozent des heimischen BIP abbilden.

Was sämtliche zertifizierte Unternehmen aus ihrer Sicht verbindet, beschreibt Rintersbacher als das Gehen der "Extrameile". Leitbetriebe würden reinvestieren, statt auf schnelle Gewinne zu schauen, sie hätten ihr soziales und ökologisches Umfeld im Blick und Verantwortung übernommen, lange bevor es entsprechende EU-Vorgaben gab. "Es zahlt sich aus, ganzheitlich nachhaltig zu agieren", betonte die Geschäftsführerin.

Vom Großkonzern bis zum Familienbetrieb

Wie unterschiedlich das in der Praxis aussehen kann, zeigten die beiden weiteren Gäste, die beide zertifizierte Leitbetriebe unterschiedlicher Größenordnungen führen. Erich Steinreiber steht seit 15 Jahren an der Spitze von ISS Österreich, dessen Wurzeln in einem vor 70 Jahren gegründeten Reinigungsbetrieb liegen. Heute ist das Unternehmen Teil eines global tätigen Konzerns, zählt rund 7.000 Mitarbeiter:innen und stützt sein Geschäft auf drei Kernservices: Gebäudereinigung, technische Betriebsführung samt Instandhaltung und Errichtung sowie eine eigene Cateringmarke. "Unser Portfolio ist riesig, aber nicht zu riesig, um alles managen zu können", erklärte Steinreiber.

Wolfgang Hagn wiederum führt mit dem Weingut Hagn einen Familienbetrieb im niederösterreichischen Mailberg. Als seine Familie das Weingut übernahm, arbeiteten dort gerade einmal sieben Personen, heute sind es rund 60, sechs davon aus der Familie. Rund um den Wein, der mittlerweile in 15 Ländern verkauft wird, ist inzwischen ein umfangreicher Tourismusbetrieb gewachsen, vom Restaurant Weindomizil über die Weinerlebniswelt bis zu den Chalets im Weinberg.

Wo Technologie hilft und wo der Mensch entscheidet

Eines der wichtigsten Kriterien, an denen sich ein Leitbetrieb messen lassen muss, ist Innovation – sie ist kein nettes Extra, sondern Voraussetzung für die Zertifizierung. ISS beschäftigt sich daher unter anderem verstärkt mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz, die bereits punktuell dort Verwendung findet, wo sie die Arbeit erleichtert. An einer umfassenden KI-Strategie werde aktuell gearbeitet, erklärte Steinreiber, betonte aber zugleich: "Unser Businessmodell wird sich mittelfristig verändern, aber der Mensch wird die wichtigste Ressource bleiben." Gerade weil diese Ressource in seiner Branche zunehmend knapper werde, müsse man sich überlegen, wo Robotik, Digitalisierung und KI die Prozesse unterstützen können, ohne dass die Qualität der Dienstleistungen darunter leidet. Umso wichtiger sei es, jene zu halten und zu motivieren, die diese Dienstleistungen erbringen. Faire Entlohnung sei dabei ohnehin Pflicht, den Unterschied mache allerdings die Wertschätzung. "Sich Zeit zu nehmen, zuzuhören, ein Bitte, ein Danke – das schätzen die Mitarbeiter:innen extrem", so der ISS-Chef.

Auch beim Weingut Hagn spielt Innovation eine zentrale Rolle, allerdings dort, wo sie die Qualität des Weins absichert. Digitalisierung komme etwa bei der Temperaturüberwachung während der Gärung zum Einsatz. "Die Qualität wächst immer in der Natur. Im Keller kann ich sie nur halten, besser machen kann ich sie aber nicht", sagte Hagn. Bei der Weinlese ist die Automatisierung inzwischen deutlich stärker spürbar, was auch mit den zunehmend heißen Sommern zu tun hat. Bei Temperaturen um die 40 Grad könne es nämlich vorkommen, dass beispielsweise statt 70 nur noch rund 25 Lesehelfer:innen zur Arbeit erscheinen. Auch wenn Technik in solchen Situationen einspringt, sieht Hagn seinen Wettbewerbsvorteil gegenüber Großkonzernen woanders, nämlich in der Familienstruktur. Die Führungsfunktionen seien innerhalb der Familie klar verteilt, dahinter stehe ein eingespieltes Team, in dem jede Person die passende Rolle übernimmt. "Das Wichtigste ist, dass jede:r so positioniert ist, dass er:sie viel Arbeit hat und auf keine schlechten Gedanken kommt", meinte er mit einem Augenzwinkern.

Zuversicht als Teil der Unternehmenskultur

Im aktuellen Konjunkturumfeld zählt für Steinreiber vor allem die Haltung. Statt sich von den Rahmenbedingungen lähmen zu lassen, brauche es Mut, neue Wege zu gehen. "Leitbetriebe jammern und raunzen nicht", so der ISS-Chef. Wichtig seien die Nähe zu den Kund:innen, finanzielle Stabilität und ein starker Teamgeist. In Marktveränderungen sieht er dabei auch Chancen. "Das, was hinter uns ist, sollten wir ein bisschen reflektieren, aber vielmehr nach vorne schauen", appellierte er.

Ähnlich sieht das Rintersbacher und betonte: "Was mich besonders freut, ist, dass die Leitbetriebe sehr aktiv sind, und zwar nicht nur für ihren eigenen Erfolg, sondern auch mit Blick auf das große Ganze." Verglichen mit anderen Ländern gehe es Österreich wirtschaftlich nach wie vor gut, selbstverständlich sei dieser Wohlstand deshalb aber nicht. Um ihn langfristig zu halten, brauche es laut Rintersbacher den Beitrag aller, konkret ein "produktives Miteinander" von der Wirtschaft über die Politik bis zur Gesellschaft.

Was Monica Rintersbacher, Erich Steinreiber und Wolfgang Hagn zum Thema "Erfolg, Verantwortung, Zukunft – die Werte von Leitbetrieben" noch sagen, sehen Sie in unserem Video und hören Sie in unserem Podcast.

Alle "Peter & Paul"-Folgen zum Nachschauen finden Sie hier.

Fotos vom Dreh sehen Sie in der Galerie.

www.leitbetriebe.at

www.at.issworld.com

www.hagn-weingut.at

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