Jetzt sind die personellen Weichen für die kommende Geschäftsführungsperiode des ORF endgültig gestellt. Der ORF-Stiftungsrat hat am Dienstag die vier Direktor:innen der Zentrale sowie die neun Landesdirektor:innen für die Jahre 2027 bis 2031 bestellt. Sie treten ihre Funktionen gemeinsam mit dem designierten ORF-Generaldirektor Clemens Pig am 1. Jänner 2027 an. Wie der neue Chef Österreichs größtes Medienunternehmen künftig führen will, können Sie hier nachlesen.
Große Überraschungen blieben bei der Sitzung aus: Pig hatte sein gewünschtes 13-köpfiges Führungsteam bereits im Vorfeld den Mitgliedern des Stiftungsrats präsentiert (LEADERSNET berichtete). Insgesamt hatten 105 Personen 142 Bewerbungen abgegeben.
Drei neue Gesichter in der ORF-Zentrale
In der ORF-Zentrale kommt es zu mehreren personellen Veränderungen. Michael Krön übernimmt die Direktion "Programm und Brands", Angelika Simma-Wallinger verantwortet künftig "Audience und Plattformen". Silvia Lieb wechselt von der Tiroler Moser Holding zum ORF und übernimmt "Finanzen und Verwaltung". Für Kontinuität sorgt Harald Kräuter, der weiterhin die technische Direktion führt, deren Zuständigkeitsbereich künftig unter "Technologie und Innovation" firmiert.
Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer bestätigte am Dienstagnachmittag, dass 30 von 34 Stiftungsrät:innen für das von Clemens Pig vorgeschlagene Führungsteam gestimmt haben. Laut ihm gab es zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen (wegen Befangenheit). Pig sagte im Anschluss an die Wahl: "Ich habe nach einem professionellen Auswahlprozess mit Begleitung durch externe Recruiting-Fachleute die besten Köpfe für die ausgeschriebenen Funktionen vorgeschlagen und freue mich sehr über die große Mehrheit im Stiftungsrat, mit der nun mein Team bestellt wurde. Gemeinsam mit den hochkompetenten Mitarbeiter:innen des Hauses werden mein Direktorium und ich den ORF in eine starke Zukunft führen. Ich freue mich auf eine gute und fruchtbare Zusammenarbeit im Sinne unseres Souveräns, des Publikums."
Damit setzt der künftige ORF-Chef in seinem vierköpfigen Direktorium auf drei neue Besetzungen und einen bisherigen Direktor. Gemeinsam mit den neun Landesdirektor:innen bilden sie ab Anfang 2027 die Führungsebene unter dem neuen Generaldirektor.
Das sagen die neuen Zentraldirektor:innen
Lieb sieht eine ihrer zentralen Aufgaben darin, die wirtschaftliche Stabilität des öffentlich-rechtlichen Medienunternehmens zu sichern. Sie wolle sich "mit voller Kraft dafür einsetzen, die wirtschaftliche Stabilität und Handlungsfähigkeit des ORF nachhaltig zu sichern". Dies sei aus ihrer Sicht auch eine wesentliche Voraussetzung für dessen publizistische Unabhängigkeit und gesellschaftliche Wirkung.
Der künftige Programm- und Brands-Direktor Krön stellt wiederum das Vertrauen des Publikums in den Mittelpunkt. Der ORF gehöre "allen Österreicher:innen, nicht nur jenen, die sich am lautesten Gehör verschaffen". Auf die Vertrauenskrise dürfe seiner Ansicht nach nicht mit Rückzug oder Verkleinerung reagiert werden, sondern mit Qualität, Verantwortung und Nähe zum Publikum.
Für Simma-Wallinger wird insbesondere die digitale Transformation eine wesentliche Rolle spielen. Angesichts von Desinformation und Filterblasen komme dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk ihrer Ansicht nach eine wichtige Funktion für das demokratische Zusammenleben zu. Damit der ORF auch künftig relevant bleibe, müssten seine Produkte "dort auffindbar sein, wo das Publikum sie sucht".
Kräuter will unterdessen den bereits eingeschlagenen technologischen Transformationskurs fortsetzen. Er freue sich, "die begonnene Transformation der Technischen Direktion in eine Direktion für 'Technologie und Innovation' konsequent fortsetzen zu dürfen". Die kommenden Herausforderungen könnten laut Kräuter sowohl innerhalb der ORF-Geschäftsführung als auch im europäischen Verbund mit der EBU nur gemeinsam bewältigt werden.
Mehrere Wechsel in den Landesstudios
Bei den neun ORF-Landesstudios bleibt die Führung in fünf Bundesländern unverändert. Edgar Weinzettl in Wien, Alexander Hofer in Niederösterreich, Werner Herics im Burgenland, Klaus Obereder in Oberösterreich und Esther Mitterstieler in Tirol bleiben an der Spitze ihrer jeweiligen Landesstudios.
Neue Landesdirektor:innen gibt es hingegen in Kärnten, Salzburg, der Steiermark und Vorarlberg. Martin Weberhofer übernimmt das Landesstudio Kärnten, Gerd Schneider jenes in Salzburg und Sigrid Hroch jenes in der Steiermark. In Vorarlberg übernimmt Julia Ortner die Leitung.
Auch die vorgeschlagenen Landesdirektor:innen erhielten am 11. August eine breite Mehrheit im 34-köpfigen ORF-Stiftungsrat. Hier gab es zwei Gegenstimmen und eine Enthaltung. Damit stehen insgesamt fünf Frauen und acht Männer an der Spitze der vier zentralen Direktionen und neun Landesstudios.
Das sind die vier Direktor:innen der ORF-Zentrale
- Technologie und Innovation
Harald Kräuter ist seit 1990 für den ORF tätig und durchlief dort zahlreiche technische Führungsfunktionen. Unter anderem leitete er ab 2013 die ORF-Gebührentochter GIS. Unter Roland Weißmann wurde er Direktor für Technik und Digitalisierung. Unter Clemens Pig setzt er seine Tätigkeit mit dem künftig als "Technologie und Innovation" bezeichneten Ressort fort.
Michael Krön kam 2000 zum ORF und war zunächst als Produzent in der Programmwirtschaft des ORF-Sports tätig. Später übernahm er Führungsaufgaben unter anderem in Information, Bildung und Zeitgeschehen sowie Programmentwicklung und Qualitätsmanagement. Seit 2022 ist er Chefproducer, zuletzt verantwortete er als Executive Producer den Eurovision Song Contest (ESC) in Wien. Nun steigt er zum Direktor für Programm und Brands auf.
Silvia Lieb kommt von der Tiroler Moser Holding zum ORF. Die Wirtschaftswissenschafterin begann dort 1998 und stieg über verschiedene Managementfunktionen bis in den Vorstand auf, dessen Vorsitz sie 2024 übernahm. Darüber hinaus ist sie unter anderem im Präsidium des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) und als Vizepräsidentin der Österreichischen Auflagenkontrolle (ÖAK) tätig. Beim ORF verantwortet sie künftig Finanzen und Verwaltung.
Angelika Simma-Wallinger arbeitet seit 1999 mit Unterbrechung für den ORF. Zu ihren Stationen zählen Ö3, das Konsumentenmagazin "konkret" und die Fernsehdirektion. Nach mehreren Jahren außerhalb des Unternehmens kehrte sie 2022 zurück und ist derzeit Chefredakteurin im Landesstudio Vorarlberg. Künftig leitet sie die Direktion Audience und Plattformen.
Das sind die neun Landesdirektor:innen
Edgar Weinzettl startete 1996 bei Radio Wien und übernahm in den folgenden Jahren mehrere redaktionelle Führungsfunktionen. 2012 wurde er Ressortleiter der Radio-Innenpolitik. Seit Anfang 2022 leitet er das ORF-Landesstudio Wien und setzt diese Tätigkeit auch in der kommenden Periode fort.
Alexander Hofer begann 1992 im Aktuellen Dienst des ORF Niederösterreich. Später leitete er unter anderem die "Seitenblicke", war Channelmanager von ORF 2 und übernahm 2019 die ORF-Unterhaltungsleitung. Seit April 2023 steht er an der Spitze des Landesstudios Niederösterreich.
Werner Herics verfügt über langjährige Erfahrung im ORF und im internationalen Medienbereich. Unter anderem leitete er das ORF-Korrespondentenbüro in Belgrad, war für die OSZE im Kosovo und in Mazedonien tätig und übernahm später Managementfunktionen bei WAZ und RMA. Seit 2016 ist er Landesdirektor im Burgenland und geht nun in eine weitere Amtsperiode.
Martin Weberhofer ist seit vielen Jahren im ORF-Landesstudio Kärnten tätig. Nach ersten journalistischen Tätigkeiten während seines Studiums wurde er 2004 fest angestellt und übernahm Anfang 2007 die Programmleitung von Radio Kärnten. Als Landesdirektor folgt er auf Karin Bernhard, die in Pension geht.
Klaus Obereder begann 1989 als freier Mitarbeiter im ORF-Landesstudio Oberösterreich und arbeitete anschließend in unterschiedlichen Funktionen für Radio und Fernsehen. 2021 stieg er zunächst zum Chefredakteur und anschließend zum Landesdirektor auf. Nun beginnt für ihn eine weitere Amtsperiode an der Spitze des Landesstudios.
Gerd Schneider begann seine ORF-Laufbahn 1988 mit einem Praktikum im Landesstudio Salzburg und blieb diesem seither beruflich verbunden. Seit 2012 ist er dort Chefredakteur und zugleich stellvertretender Landesdirektor. Nun übernimmt er die Leitung des Landesstudios.
Sigrid Hroch kam Ende der 1980er-Jahre über die ORF-Lehrredaktion zum Landesstudio Steiermark. Seither war sie unter anderem als Reporterin, Moderatorin und Beitragsgestalterin in Radio und Fernsehen tätig. Zuletzt fungierte sie als Programmchefin von Radio Steiermark, nun übernimmt sie die Leitung des Landesstudios.
Esther Mitterstieler blickt auf eine lange Karriere im Wirtschaftsjournalismus zurück. Sie arbeitete unter anderem für Dolomiten, Standard, Wirtschaftsblatt und News und übernahm dabei auch mehrere Führungsfunktionen. 2019 wechselte sie zum ORF, seit 2022 leitet sie das Landesstudio Tirol. Diese Funktion setzt sie in der kommenden Periode fort.
Julia Ortner war im Laufe ihrer journalistischen Karriere unter anderem für Die Presse, Falter und News tätig. Beim ORF arbeitete sie unter anderem für die "ZIB 2", die "Pressestunde" und das Politikmagazin "Report". Seit April 2024 leitet sie die Redaktion von orf.at. Mit Jahresbeginn 2027 übernimmt sie die Führung des Landesstudios Vorarlberg.
Neue Führungsperiode startet 2027
Die neu bestellten Direktor:innen treten ihre Funktionen am 1. Jänner 2027 an. Damit startet zeitgleich auch die Amtsperiode von Clemens Pig als ORF-Generaldirektor. Bestellt ist die neue Geschäftsführung für fünf Jahre und damit für die Periode 2027 bis 2031.
Westenthaler wollte Abstimmung verschieben
Der von der FPÖ entsandte Stiftungsrat Peter Westenthaler übte indessen scharfe Kritik am Bestellungsverfahren für das neue Direktorium. Er sprach im Vorfeld von einer "Bestellungsfarce". Aus seiner Sicht würden die vorgeschlagenen vier Zentral-Direktor:innen dem direkten Einflussbereich der ÖVP zugerechnet. Zudem kritisierte Westenthaler mangelnde Transparenz bei der Auswahl. Von insgesamt 140 Bewerbungen seien dem Stiftungsrat lediglich jene der vier vorgeschlagenen Direktor:innen vorgelegt worden. Auch die Bewertungsunterlagen ("Scorecards") sowie Informationen zu den beauftragten Personalberater:innen seien den Mitgliedern nicht zugänglich gemacht worden. Westenthaler beantragte deshalb eine Verschiebung der Abstimmung, scheiterte damit jedoch.
LEADERSNET war bei der Pressekonferenz nach der Bestellung. Fotos sehen Sie in Kürze in der Galerie.
www.orf.at
Kommentar veröffentlichen