Zusätzliches Exportpotenzial
Österreichs Außenhandel wird vielfältiger, ohne Europa den Rücken zu kehren

| Redaktion 
| 09.08.2026

Expert:innen sehen vor allem in Asien und Afrika zusätzliches Exportpotenzial. Wachstumsstarke Märkte und neue Handelsabkommen dürften die internationale Ausrichtung unserer Exportwirtschaft weiter vorantreiben.

Der Außenhandel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem wichtigen Faktor für Österreichs Wirtschaft entwickelt. Nach dem EU-Beitritt 1995 wies die Warenbilanz zunächst noch ein deutliches Minus auf. Zwischen 1995 und 1999 betrug das durchschnittliche Defizit laut Bank Austria 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. In den vergangenen 25 Jahren entwickelte sich daraus im Schnitt ein leichter Überschuss von 0,2 Prozent des BIP. 2025 lag dieser bei einem Prozent.

"Der österreichische Außenhandel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer tragenden Säule des wirtschaftlichen Erfolgs entwickelt", sagt Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer. Nach Berechnungen der Bank war der Warenhandel in den vergangenen 25 Jahren für rund ein Fünftel des heimischen Wirtschaftswachstums verantwortlich.

Überschüsse mit Amerika und Europa

Besonders positiv entwickelte sich die Handelsbilanz gegenüber Amerika. Der Warenhandelsüberschuss beträgt mittlerweile mehr als zwei Prozent des BIP. Neben den USA hätten zunehmend auch Kanada und Mexiko dazu beigetragen. Gegenüber den Mercosur-Staaten verzeichnet Österreich ebenfalls einen leichten Überschuss.

Auch mit Europa erzielte Österreich 2025 einen Überschuss von 1,2 Prozent des BIP. Als Gründe nennt die Analyse unter anderem die EU-Osterweiterung, die stärkere wirtschaftliche Integration und den Abbau des Handelsungleichgewichts mit Deutschland.

Importabhängigkeit von Asien bleibt hoch

Gegenüber Asien weist Österreich hingegen ein deutliches Handelsdefizit auf. 2025 belief sich dieses auf 2,7 Prozent des BIP und war laut Analyse vor allem auf China zurückzuführen. Die Importe aus Asien erreichten knapp 29 Milliarden Euro beziehungsweise 6,2 Prozent des BIP.

Die Bank Austria bewertet das Defizit nicht grundsätzlich negativ. Preisgünstige Vorleistungen und Konsumgüter hätten zur Wettbewerbsfähigkeit heimischer Unternehmen und zur Dämpfung der Inflation beigetragen. Gleichzeitig gewinnt Asien als Absatzmarkt an Bedeutung: Die Warenexporte in die Region entsprechen mittlerweile rund 3,5 Prozent des BIP.

"Österreich ist ein bedeutender Nettoexporteur in den transatlantischen Wirtschaftsraum und inzwischen auch gegenüber Europa", sagt Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl. Gleichzeitig bestehe eine starke Importabhängigkeit von Asien, insbesondere von China.

Europa bleibt wichtigster Handelspartner

Trotz der stärkeren geografischen Streuung bleibt Europa das Zentrum des österreichischen Außenhandels. 2025 entsprachen die Warenexporte in europäische Länder 28,8 Prozent des BIP, die Importe 27,7 Prozent. Allein auf die EU-Mitgliedstaaten entfielen bei Aus- und Einfuhren jeweils knapp 24 Prozent.

Außerhalb der EU zählen insbesondere die USA und das Vereinigte Königreich zu den wichtigen Exportmärkten. Gleichzeitig habe Asien – vor allem durch China – in den vergangenen Jahren deutlich an Gewicht gewonnen.

Freihandelsabkommen sollen Exportchancen erhöhen

Zusätzliches Potenzial sieht die Bank Austria in weiteren Handelsabkommen der Europäischen Union. Diese würden österreichischen Unternehmen den Zugang zu wachstumsstarken Märkten erleichtern, so Pudschedl.

Die Analyse verweist unter anderem auf Abkommen mit Kanada, Mexiko und den Mercosur-Staaten sowie mehreren asiatischen Partnern. Im März 2026 sei zudem eine politische Einigung über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Australien erzielt worden.

Indien könnte besonders stark zulegen

Eine Simulation der Bank Austria bis 2031 zeigt, wie sich die Exportstruktur bei gleichbleibenden österreichischen Marktanteilen entwickeln könnte. Demnach könnte der Anteil der Ausfuhren nach Asien am österreichischen BIP um beinahe 14 Prozent steigen. Für Indien wird ein Plus von mehr als 35 Prozent erwartet, für die ASEAN-Staaten von rund 15 Prozent und für China von mehr als zehn Prozent. Afrika könnte um zwölf Prozent zulegen.

Von einer Abkehr von Europa könne dennoch keine Rede sein, betont Pudschedl. Zwar dürfte dessen Anteil am Exportvolumen leicht sinken, mehr als 60 Prozent des gesamten österreichischen Exportwachstums bis 2031 würden laut Analyse aber weiterhin auf den europäischen Binnenmarkt entfallen.

Technologie wird zum Faktor für den Exporterfolg

Die Bank Austria erwartet daher weniger eine Verlagerung als eine breitere geografische Aufstellung der heimischen Exportwirtschaft. Europa bleibe das Rückgrat, während wachstumsstarke Regionen zusätzliche Chancen eröffneten.

Für deren Nutzung werde neben neuen Handelsabkommen auch die technologische Entwicklung entscheidend sein. Bruckbauer verweist dabei insbesondere auf Künstliche Intelligenz: "Die Zukunft des Außenhandels entscheidet sich nicht nur an den Grenzen, sondern zunehmend auch in der Fähigkeit von Unternehmen und Beschäftigten, neue Technologien rasch und produktiv einzusetzen."

www.bankaustria.at

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