Ex-Skistar Lizz Görgl im Interview
"Man kann den 'Flow' nicht erzwingen"

In ihrem neuen Buch widmet sich Lizz Görgl dem Thema "Flow". Im LEADERSNET.tv-Interview erklärt die Doppelweltmeisterin, wie Spitzenleistungen in Sport und Wirtschaft entstehen, welche Erkenntnisse Wissenschaftler:innen zu ihrer legendären WM-Abfahrt gewonnen haben und wie Unternehmen von den Erfahrungen aus dem Spitzensport profitieren können.

Nach ihrer erfolgreichen Karriere als Skirennläuferin ist Lizz Görgl heute unter anderem als Sängerin, Keynote-Speakerin und Autorin tätig. In ihrem neuen Buch "Die Magie des Flows" (LEADERSNET berichtete) beschäftigt sie sich mit dem Phänomen des "Flow"-Zustands – jenem Moment, in dem Höchstleistungen scheinbar mühelos gelingen. Im LEADERSNET.tv-Interview spricht sie mit Opinion Leaders Network-CEO Paul Leitenmüller über die wissenschaftlichen Hintergründe, Parallelen zwischen Sport und Wirtschaft sowie darüber, warum sie trotz herausfordernder Zeiten optimistisch in die Zukunft blickt.

"Flow ist das Gegenteil von Kampf"

Für Görgl beschreibt Flow einen Zustand, "wo alles leicht geht, ohne Widerstand". Man könne ihn zwar nicht erzwingen, sehr wohl aber die Voraussetzungen schaffen, damit er wahrscheinlicher werde. Im Flow gehe man vollständig in einer Tätigkeit auf, die Zeit scheine stillzustehen und das eigene Potenzial könne sich bestmöglich entfalten. "Es ist das Gegenteil von Kampf", bringt sie es auf den Punkt.

Ein zentrales Kapitel ihres Buches widmet sich ihrer letzten Weltmeisterschaftsabfahrt – einem Rennen, das sie selbst rückblickend als nahezu magisch beschreibt. "Es hat mich gefahren", sagt Görgl. Sie habe während der Fahrt kaum bewusst eingegriffen, vielmehr habe sich alles wie von selbst entwickelt.

Um dieses Erlebnis besser zu verstehen, sprach sie für ihr Buch unter anderem mit Wissenschaftler:innen. Diese hätten ihr erklärt, dass während der Abfahrt sämtliche Hirnareale synchron gearbeitet hätten. Dadurch seien Ressourcen freigesetzt worden, die sich allein mit bewusstem Denken oder Willenskraft nicht aktivieren ließen. Für Görgl war dieser Moment "fast wie in Trance".

Was Unternehmen vom Spitzensport lernen können

Auf die oft gezogene Parallele zwischen Spitzensport und Wirtschaft angesprochen, sieht Görgl durchaus zahlreiche Gemeinsamkeiten. Sportler:innen entwickelten Eigenschaften, die auch im Berufsleben entscheidend seien – darunter Disziplin, Fokus, Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, nach Rückschlägen immer wieder aufzustehen.

Gerade der Leistungssport konfrontiere Athlet:innen ständig mit Herausforderungen, für die Lösungen gefunden werden müssten. Hinzu komme die besondere Situation, unter ständiger Beobachtung Höchstleistungen abrufen zu müssen. "Die ganze Welt schaut zu. Es ist so schonungslos. Man kann sich nirgends verstecken", beschreibt sie den Druck im Spitzensport.

Diese Erfahrungen könnten ihrer Ansicht nach einen wertvollen Beitrag für Unternehmen leisten.

Drei Bühnen, ein gemeinsamer Antrieb

Ob auf der Skipiste, als Musikerin oder als Keynote-Speakerin – für Görgl verbindet alle drei Tätigkeiten derselbe Kern. "Es geht um Performance. Und es geht darum, das, was ich im tiefsten Innern gerne mache, umzusetzen."

Besonders ihre Vorträge seien für sie eine Möglichkeit, Menschen zu inspirieren und eigene Erfahrungen weiterzugeben. Dabei lege sie großen Wert auf Offenheit und Authentizität. Sie wolle ihrem Publikum einen ehrlichen Einblick in ihre persönliche Geschichte geben, weil sie überzeugt sei, dass sich viele Menschen darin wiederfinden könnten.

Warum Freude stärker ist als Angst

Auch mit Blick auf die Zukunft plädiert Görgl für Zuversicht. Unsicherheit und Sorgen seien zwar nachvollziehbar, dennoch halte sie Freude und Dankbarkeit für die stärkeren Begleiter.

"Freude ist grundsätzlich etwas, was uns Menschen besser steht als Angst", sagt sie. Entscheidend sei, Herausforderungen Schritt für Schritt anzugehen – ein Prinzip, das sie bereits während ihrer aktiven Sportkarriere begleitet habe. Statt sich von der Größe einer Aufgabe überwältigen zu lassen, gehe es darum, die Situation zu analysieren, Veränderungen vorzunehmen und anschließend konsequent weiterzumachen.

Dieses Denken ist aus ihrer Sicht eine der wichtigsten Lektionen, die sich auch außerhalb des Sports anwenden lässt.

Das gesamte Gespräch mit Lizz Görgl, das im Rahmen des Crif Business Breakfast 2026 in Salzburg aufgezeichnet wurde, sehen Sie im LEADERSNET.tv-Video.

Fotos von der Veranstaltung gibt es in unserer Galerie.

www.lizz.at

www.lizz.at/die-magie-des-flows

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