Erna Rosenstein erstmals in Österreich
Erna Rosensteins Kunst zwischen Trauma und Widerstand im Belvedere

| Gerhard Krispl / LEADERSNET-ART Herausgeber 
| 12.08.2026

Das Untere Belvedere widmet der polnischen Nachkriegsavantgardistin Erna Rosenstein die erste umfassende Retrospektive in Österreich.

Eine zentrale Stimme der polnischen Nachkriegsavantgarde

Erna Rosenstein, eine zentrale Protagonistin der polnischen Nachkriegsavantgarde, wird erstmals in Österreich in einer umfassenden Retrospektive gewürdigt. Vor dem Hintergrund der Shoah und der historischen Umbrüche in Polen zeugen ihre Werke von der Widerständigkeit einer Künstlerin, die unbeirrt an ihren politischen und künstlerischen Idealen festhält. Über sechs Jahrzehnte hinweg entwickelt Rosenstein einen multimedialen Werkkosmos, der die enge Verflechtung von Gegenwart und Erinnerung, von kollektivem und persönlichem Erleben sichtbar macht.

Erna Rosenstein, Jenseits der Stille, 1962 National Museum in Warsaw
Erna Rosenstein. Jenseits der Stille, 1962, National Museum in Warsaw. © The Estate of Erna Rosenstein – courtesy of Foksal Gallery Foundation and Hauser & Wirth.

Zwischen Verfolgung und künstlerischer Eigenständigkeit

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs findet Rosenstein zu einer expressiven Bildsprache, um kollektive Gewalterfahrungen und Fragen von Mittäter:innenschaft zu artikulieren. In der Zeit des Stalinismus in Polen widersetzt sie sich der Doktrin des sozialistischen Realismus und hält an einer vom Surrealismus geprägten Kunstauffassung fest. Als Form der Erinnerung thematisiert sie über Jahrzehnte hinweg den gewaltsamen Tod ihrer Eltern, bleibt dabei einem figürlichen Ausdruck verpflichtet – selbst als ihre Bildsprache ab den späten 1950er-Jahren durch biomorphe, abstrakte Kompositionen bestimmt wird.

Ausstellungsansicht, Erna Rosenstein. Jenseits der Stille, Unteres Belvedere
Ausstellungsansicht "Erna Rosenstein. Jenseits der Stille", Unteres Belvedere. © Foto: Johannes Stoll/Belvedere, Wien.

Poesie zwischen Wort und Bild

Rätselhaft-poetische Werktitel eröffnen Raum für Erinnerung, Trauma und persönliche Erzählung und zeugen von der engen Verbindung, die Wort und Bild für die Malerin und Dichterin eingehen. In ihren Assemblagen entfaltet sich eine Poesie des Alltäglichen, indem Rosenstein gefundene, gebrauchte und weggeworfene Objekte zu unerwarteten, teils ironischen Konstellationen fügt.

Erna Rosenstein, Triptychon der Stille und des Feuers, 1974 National Museum in Warsaw
Erna Rosenstein. Triptychon der Stille und des Feuers, 1974 National Museum in Warsaw. © The Estate of Erna Rosenstein – courtesy of Foksal Gallery Foundation and Hauser & Wirth.

Resilienz als roter Faden

Die in der Ausstellung versammelten rund 80 Werke – Gemälde, Zeichnungen und Assemblagen sowie ausgewählte Gedichte – erzählen von Verfolgung und Flucht, von Verlust und Trauer, zugleich aber von Resilienz, künstlerischer Unabhängigkeit und der beharrlichen Suche nach neuen Ausdrucksformen.

Erna Rosenstein. Jenseits der Stille
Unteres Belvedere, Wien
3. Juli 2026 bis 10. Jänner 2027
www.belvedere.at

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Herausgeber von LEADERSNET-ART ist Gerhard Krispl.

 

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