41,87 Millionen Nächtigungen
Österreichs Sommertourismus erreichte neuen Nächtigungsrekord

| Janet Teplik 
| 25.08.2026

Mit 41,87 Millionen Übernachtungen verbuchte Österreich von Mai bis Juli 2026 den höchsten Wert seit Beginn der elektronischen Aufzeichnungen. Der kräftigere Anstieg der Ankünfte deutet allerdings auf kürzere Aufenthalte hin.

Österreichs Beherbergungsbetriebe haben in der ersten Hälfte der touristischen Sommersaison 2026 einen neuen Höchstwert erreicht. Von Mai bis Juli wurden laut vorläufigen Daten von Statistik Austria 41,87 Millionen Nächtigungen gemeldet. Das waren um 3,2 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres und so viele wie nie zuvor seit Beginn der elektronischen Aufzeichnungen im Jahr 1973. 

Besonders deutlich fiel das Wachstum im Juli aus. So erhöhte sich die Zahl der Übernachtungen gegenüber Juli 2025 um 4,8 Prozent auf 19,46 Millionen. Gleichzeitig stiegen die Ankünfte um 9,3 Prozent auf 5,97 Millionen. 

Ankünfte wuchsen stärker als Nächtigungen

Der deutlich stärkere Anstieg der Ankünfte deutet darauf hin, dass die Gäste im Durchschnitt kürzer blieben. Rechnerisch sank die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von rund 3,39 Nächten im Juli 2025 auf etwa 3,26 Nächte im Juli 2026. 

Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner wertete die Ergebnisse dennoch als positives Signal für den Standort: "Diese Zahlen zeigen eindrucksvoll, wie attraktiv Österreich als Urlaubsland ist. Trotz großer Hitze und herausfordernder Rahmenbedingungen entscheiden sich mehr Gäste für Urlaub in Österreich. Das spricht für die Qualität unserer Betriebe, die Vielfalt unseres Angebots und die Attraktivität unserer Regionen."

Internationale Nachfrage trieb das Wachstum

Das Nächtigungsplus im Juli ging vor allem auf Gäste aus dem Ausland zurück. Ihre Übernachtungen stiegen um 5,9 Prozent auf 14,68 Millionen. Bei Gästen aus Österreich betrug das Wachstum 1,7 Prozent, womit 4,78 Millionen Nächtigungen erreicht wurden. Deutschland blieb mit 7,18 Millionen Übernachtungen und einem Plus von 4,8 Prozent der mit Abstand wichtigste internationale Herkunftsmarkt. Aus den Niederlanden wurden 1,53 Millionen Nächtigungen gemeldet, 11,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders kräftig fiel der Zuwachs aus Tschechien aus: Die Übernachtungen stiegen um 21,8 Prozent auf 740.000. Auf die Schweiz und Liechtenstein entfielen gemeinsam 600.000 Nächtigungen, ein Plus von 3,5 Prozent.

Regional verlief die Entwicklung unterschiedlich. Oberösterreich erreichte im Juli mit einem Nächtigungsplus von 9,3 Prozent den stärksten Zuwachs, während das Burgenland einen Rückgang von einem Prozent verzeichnete. Von Mai bis Juli lagen auch Niederösterreich mit minus 1,1 Prozent und das Burgenland mit minus 0,2 Prozent unter dem jeweiligen Vorjahreswert. Im bisherigen Kalenderjahr setzte sich die insgesamt positive Entwicklung fort: Von Jänner bis Juli 2026 wurden in Österreich 96,46 Millionen Nächtigungen gezählt. Das entsprach einem Zuwachs von 1,8 Prozent.

Nächtigungen allein sagen wenig über die Wertschöpfung aus

Zehetner verwies auf die wirtschaftliche Bedeutung der Branche über Beherbergung und Gastronomie hinaus. "Tourismus schafft Wertschöpfung und Arbeitsplätze weit über Hotellerie und Gastronomie hinaus. Von einer starken Saison profitieren Handel und Handwerk ebenso wie Landwirtschaft, Mobilität, Kultur und Freizeitwirtschaft. Gerade in den Regionen ist der Tourismus ein zentraler Wirtschaftsmotor", so die Staatssekretärin.

An diesem Punkt setzt die neue österreichische Tourismusstrategie "Vision T" an. Sie soll den Erfolg der Branche künftig nicht ausschließlich anhand wachsender Gäste- und Nächtigungszahlen beurteilen.

"Vision T" definiert Ziele bis 2035

Die 2026 vorgestellte Strategie steht unter dem Leitmotiv "Tourismus in Österreich: Wertvoll für alle – 365 Tage im Jahr" und formuliert Zielsetzungen bis 2035. Im Mittelpunkt stehen fünf Handlungsfelder: Wirtschaftskraft und Resilienz, Arbeitsmarkt und Fachkräfte, Innovation und Digitalisierung, Ressourcen und Verantwortung sowie Wertschöpfung und Teilhabe.

"Die starken Sommerzahlen zeigen, wie attraktiv Österreich auch unter veränderten klimatischen Bedingungen bleibt. Mit der Vision T haben wir Klimawandelanpassung deshalb bewusst zu einer strategischen Priorität gemacht. Wir wollen Veränderungen bei Klima und Nachfrage frühzeitig erkennen, unser Angebot weiterentwickeln und die Chancen einer stärkeren ganzjährigen Ausrichtung nutzen", sagte Zehetner.

Fortschritte sollen anhand von neun Indikatoren gemessen werden. Dazu gehören unter anderem die reale touristische Wertschöpfung, internationale Reiseverkehrseinnahmen, die Zahl der ganzjährig Beschäftigten in Beherbergung und Gastronomie, die Zufriedenheit von Gästen sowie die Akzeptanz des Tourismus in der Bevölkerung. Ebenfalls berücksichtigt werden sollen der Anteil der Nächtigungen außerhalb der Hauptsaisonen, die Zahl der Betriebe mit Österreichischem Umweltzeichen und die CO₂-Emissionen der Branche.

"Berge, Seen und kühlere Regionen gewinnen in heißen Sommern zusätzlich an Attraktivität. Gleichzeitig werden klimafitte Infrastruktur, Energieeffizienz und Angebote außerhalb der klassischen Hauptsaisonen wichtiger. Mit der Vision T wollen wir diese Entwicklungen aktiv gestalten – gemeinsam mit den Betrieben und mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts", so Zehetner.

KI und neue Zielgruppen als weitere Schwerpunkte

Wie LEADERSNET bereits berichtete, dient die "Vision T" auch als strategische Grundlage für die stärkere Nutzung Künstlicher Intelligenz und die weitere Internationalisierung des Tourismusmarketings. Die Österreich Werbung wurde mit der Ausarbeitung eines KI-Fahrplans und der Weiterentwicklung ihres Modells zur Bewertung internationaler Märkte beauftragt.

Eine weitere Rolle spielt die Generation Z, die als künftige Gästegruppe ebenso angesprochen werden soll wie als potenzielle Beschäftigte und Unternehmer:innen. Mit dem Beteiligungsformat "GenZ goes GenT" sollen junge Menschen nach Angaben der Verantwortlichen stärker in tourismuspolitische Prozesse eingebunden werden.

Zehetner betonte, dass steigende Nächtigungszahlen nicht der einzige Maßstab sein dürften: "Gute Nächtigungszahlen freuen mich. Entscheidend ist aber, was daraus entsteht. Unser Anspruch mit der Vision T ist ein Tourismus, der wirtschaftlich erfolgreich ist und gleichzeitig Wert für Betriebe, Beschäftigte, Gäste und die Bevölkerung schafft."

www.bmwet.gv.at

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