Befristete Mietverträge sind ein wesentlicher Bestandteil des österreichischen Wohnungsmarktes. Rund ein Viertel aller bestehenden Hauptmietverhältnisse ist befristet, bei neu angebotenen Mietwohnungen liegt der Anteil laut ImmoScout24 bei etwa der Hälfte. Vor dem Hintergrund der Diskussion über Wohnsicherheit und Flexibilität hat das Marktforschungsinstitut Integral im Auftrag von ImmoScout24.at im Jänner 2026 1.000 Personen im Alter von 18 bis 69 Jahren zu ihrer Haltung gegenüber befristeten Mietverträgen befragt.
Mehrheit für Beibehaltung, regionale Unterschiede jedoch deutlich
Laut der Erhebung sprechen sich 60 Prozent der Befragten dafür aus, befristete Mietverträge beizubehalten. Ein Viertel lehnt diese Vertragsform ab, während 16 Prozent keine Meinung dazu äußern.
Die Zustimmung fällt zudem regional unterschiedlich aus. In Vorarlberg und Tirol befürworten etwa 72 Prozent der Befragten befristete Mietverhältnisse. In den übrigen Bundesländern liegt die Zustimmung bei rund 60 Prozent. Wien bildet hier wiederum eine Ausnahme. In der Bundeshauptstadt sprechen sich lediglich 48 Prozent für die Beibehaltung aus, während 40 Prozent dagegen sind. Insgesamt zeige sich somit eine höhere Zustimmung in ländlichen Regionen als in städtischen Gebieten.
Mietende eher kritisch
Besonders unter Menschen, die selbst zur Miete wohnen, ist die Ablehnung befristeter Mietverträge ausgeprägter. Vier von zehn Befragten dieser Gruppe sprechen sich gegen ihre Beibehaltung aus.
Auch Personen mit einem monatlichen Einkommen von bis zu 2.000 Euro sowie Bewohner:innen kleiner Wohnungen mit höchstens zwei Zimmern lehnen Befristungen häufiger ab als der Durchschnitt. Unter Bewohner:innen von Gemeindewohnungen spricht sich mit 44 Prozent zudem nahezu jede zweite befragte Person für eine Abschaffung befristeter Mietverträge aus.
Mietabschlag wird unterschiedlich bewertet
Das Mietrecht sieht bei befristeten Mietverträgen einen Abschlag von 25 Prozent auf den Richtwertmietzins vor. Ob dieser Preisnachlass die Nachteile einer Befristung ausgleicht, wird unterschiedlich beurteilt. So halten 42 Prozent der Befragten den Abschlag für ausreichend, 38 Prozent sehen darin keine angemessene Kompensation. Rund ein Fünftel konnte sich dazu nicht festlegen.
Auch unter den Befürworter:innen befristeter Mietverträge bewertet nur etwa mehr als die Hälfte den Abschlag als ausreichenden Ausgleich. Besonders positiv fällt die Einschätzung bei Personen mit höherem Bildungsabschluss und höherem Haushaltseinkommen aus. Kritischer äußern sich hingegen Bewohner:innen von Genossenschaftswohnungen sowie Gemeindebauten, von denen jeweils mehr als die Hälfte den Abschlag für unzureichend hält.
Wohnsicherheit bleibt zentrales Thema
Unabhängig von der grundsätzlichen Haltung zu befristeten Mietverträgen sehen viele Befragte Nachteile für Mieter:innen. Am häufigsten genannt wird die Unsicherheit über die Wohnsituation nach Ablauf des Vertrags. 58 Prozent bewerten diesen Punkt als problematisch.
Mehr als die Hälfte nennt außerdem die fehlende Gewissheit über Vertragsverlängerungen sowie mögliche Mieterhöhungen als Nachteile. Rund jede zweite befragte Person sieht erschwerte Bedingungen für die langfristige Planung von Familie, Beruf und Ausbildung oder fürchtet Schwierigkeiten, nach Vertragsende eine leistbare Wohnung zu finden. Nur vier Prozent der Befragten sehen in befristeten Mietverträgen keine Nachteile.
Geteilte Meinung zur Zukunft befristeter Mietverträge
Die Ergebnisse der Umfrage zeichnen ein differenziertes Bild der öffentlichen Meinung. Während eine Mehrheit die Beibehaltung befristeter Mietverträge unterstützt, bestehen insbesondere bei Mietenden sowie in urbanen Regionen größere Vorbehalte. Zugleich zeigt die Befragung, dass viele Menschen die mit Befristung verbundenen Unsicherheiten als wesentlichen Nachteil wahrnehmen – unabhängig davon, ob sie diese Vertragsform grundsätzlich befürworten oder ablehnen.
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