Dreisteste Werbelüge des Jahres
LaVita erhält den "Goldenen Windbeutel" 2026

Über 66.000 Verbraucher:innen wählten das zu einem stattlichen Preis verkaufte Mikronährstoffkonzentrat zur dreistesten Werbelüge des Jahres. 

Die Verbraucherorganisation foodwatch setzt sich für mehr Transparenz auf dem Lebensmittelmarkt ein und deckt nach eigenen Angaben irreführende Werbeversprechen sowie Verbrauchertäuschung auf. Seit 2009 vergibt sie jährlich den Negativpreis "Goldener Windbeutel". Mit dieser Auszeichnung küren Verbraucher:innen in einer Online-Abstimmung jenes Lebensmittel, dessen Werbung sie als besonders irreführend empfinden. 

In diesem Jahr fiel die Wahl auf das Mikronährstoffkonzentrat von LaVita. Das Nahrungsergänzungsmittel erhielt 39,2 Prozent der mehr als 66.000 gültigen Stimmen und wurde damit zur "dreistesten Werbelüge des Jahres" gewählt.

Kritik an Gesundheitsversprechen

Im Mittelpunkt der Kritik steht die Vermarktung des Produkts als natürliches Gesundheitsmittel. Nach Angaben von foodwatch besteht das Mikronährstoffkonzentrat überwiegend aus Fruchtsaftkonzentrat, das mit Vitaminen angereichert wird. Gleichzeitig warb der Hersteller unter anderem mit Aussagen wie "Fit fürs Leben" sowie dem Begriff "Saubertrank". Für das Produkt verlangt LaVita rund 100 Euro pro Liter. foodwatch sieht darin eine erhebliche Diskrepanz zwischen Werbeversprechen, tatsächlicher Zusammensetzung und Verkaufspreis. 

Die Verbraucherorganisation verweist zudem auf den stark wachsenden Markt für Nahrungsergänzungsmittel und vitaminangereicherte Lebensmittel. Aus ihrer Sicht werde dieser Bereich bislang nur unzureichend kontrolliert, wodurch irreführende Gesundheitsversprechen leichter verbreitet werden könnten. 

LaVitas Reaktion

Der Hersteller hat inzwischen auf die Kritik reagiert. Nach Angaben von foodwatch will die LaVita den Werbeslogan "Fit fürs Leben" erneut rechtlich prüfen lassen. Zudem werde der Begriff "Saubertrank" nicht mehr verwendet. Das Unternehmen räumte außerdem ein, dass nicht sämtliche Zutaten vollständig natürlichen Ursprungs seien. An ihrer grundsätzlichen Kritik hält die Verbraucherorganisation dennoch fest. 

Weitere Nominierte

Auf den zweiten Platz der Abstimmung kam das "Airfryer Backin Backpulver" von Dr. Oetker mit 21,9 Prozent der Stimmen. Kritisiert wird, dass der Hersteller es als Spezialbackpulver für die Heißluftfritteuse verkauft, doch Stiftung Warentest fand heraus, dass es keinen Unterschied zum halb so teuren Original Backin gibt. 

Auf den dritten Platz schaffte es der "Bio-Joghurt Matcha Mango" von Andechser Natur mit 20,8 Prozent der Stimmen. Der Hersteller bewirbt das Lebensmittel mit dem Trendprodukt Matcha, doch im 500-Gramm-Glas steckt gerade einmal eine Messerspitze davon – die grünliche Farbe wird daher mit Spirulina nachgefärbt.

Gleich danach reihen sich die Nahrungsergänzungsgummis "Oh Yeah Bear Libido Vitamin" von Beautybears mit 14,4 Prozent der Stimmen. Laut foodwatch bekommen Verbraucher:innen statt einer feurigen Libido einfach Gummibärchen mit mehr Zucker als Haribos, die zusätzlich noch 27-mal teurer sind. Die empfohlene Menge von drei Bärchen am Tag kostet Konsument:innen über 37 Euro im Monat, erzielen aber keine Wirkung, wie die Verbraucherorganisation klarstellt. 

Und zu guter Letzt reiht sich "Airwaves Cool Cassis" von Mars in die Riege der "dreistesten Werbelügen" ein (3,7 %). Das Produkt ist ein Beispiel für Shrinkflation, denn der Hersteller hat den Packungsinhalt von zwölf auf zehn Kaugummis verringert, allerdings blieb der Preis bei vielen Händler:innen gleich oder fast gleich. 

Druck auf Hersteller erhöhen

Mit dem "Goldenen Windbeutel" macht foodwatch seit Jahren auf aus Sicht der Organisation besonders irreführende Werbepraktiken aufmerksam. Nach Angaben der Verbraucherorganisation haben frühere Auszeichnungen mehrfach dazu geführt, dass Hersteller ihre Werbung oder Produkte angepasst haben. Im vergangenen Jahr erhielt die geschrumpfte Milka Alpenmilch Tafel den Negativpreis (LEADERSNET berichtete). Bereits 2022 stellte Rewe nach Kritik eine als irreführend eingestufte "klimaneutral"-Werbung für Hähnchenfleisch ein. 

Mit der heurigen Auszeichnung will foodwatch erneut auf mehr Transparenz bei Gesundheitsversprechen und eine strengere Kontrolle des Marktes für Nahrungsergänzungsmittel aufmerksam machen. 

www.foodwatch.org

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