Ergebnisse der ORF-Umfrage
Mehrheit mit eigenem Leben zufrieden, Blick in die Zukunft bleibt jedoch verhalten

| Janet Teplik 
| 29.07.2026

Die dritte "ORF fragt"-Umfrage zeigt, dass die Mehrheit persönlich zufrieden ist, aber pessimistisch auf die Zukunft von Österreich und der Welt blickt. Größte Sorgen sind Kriege, Demokratie, Klimawandel und gesellschaftlicher Zusammenhalt.

Wie steht es um die Stimmung in Österreich? Dieser Frage ging der ORF mit seiner dritten Ausgabe der Online-Umfrage "ORF fragt" nach (LEADERSNET berichtete). Zwischen 24. Juni und 15. Juli 2026 beteiligten sich mehr als 60.000 Menschen an der Befragung, die sich mit Themen wie Teuerung, Gesundheit, Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und Mediennutzung beschäftigte. Begleitet wurde das Projekt vom Meinungsforschungsinstitut Integral. Die Ergebnisse wurden am 28. Juli in der Sendung "ORF fragt: Wie geht's Österreich?" präsentiert und zeichnen ein Stimmungsbild, das Zufriedenheit im privaten Umfeld mit Sorgen über gesellschaftliche Entwicklungen verbindet. 

Erfreulich hohe Beteiligung

ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher zeigte sich über die große Beteiligung erfreut: "Der ORF hat gefragt, und Österreich hat geantwortet! Es freut mich sehr, dass zehntausende Menschen unserer Einladung gefolgt sind und bei 'ORF fragt' 2026 mitgemacht haben. Mein Dank gilt allen Bürger:innen, die sich die Zeit für das Ausfüllen des Fragebogens genommen und damit zu einer konstruktiven Debatte beigetragen haben."

Weiter heißt es: "Gemeinsam ist es gelungen, das Meinungsklima in Österreich einzufangen und einen Überblick über die Anliegen, Sorgen und Wünsche der Bevölkerung zu verschaffen. Mit solch partizipativen Formaten werden wir unserer Rolle als Plattform der Gesellschaft gerecht. Die Rückmeldungen des Publikums dienen als wichtige Quelle für die multimediale Berichterstattung im ORF, das Feedback zum ORF-Programmangebot werden wir in den kommenden Wochen und Monaten auch in die Diskussion um die Neugestaltung des öffentlich-rechtlichen Auftrags einbringen."

Persönliche Zufriedenheit hoch, Zukunftsaussichten gedämpft

Die Ergebnisse zeigen, dass 77 Prozent der Teilnehmenden mit ihrer persönlichen Lebenssituation zufrieden sind. Deutlich zurückhaltender fällt hingegen die Einschätzung der allgemeinen Stimmung im Land aus. Gerade einmal 56 Prozent glauben, dass die Bevölkerung derzeit insgesamt zufrieden ist. 

Auch der Blick in die Zukunft bleibt verhalten. Während 44 Prozent ihrer eigenen Zukunft optimistisch entgegensehen, sind es hinsichtlich der Entwicklung Österreichs nur noch 30 Prozent. Für eine weltweite Entwicklung zeigen sich lediglich 15 Prozent optimistisch. Hoffnung schöpfen viele vor allem aus dem privaten Umfeld. Familie und das soziale Umfeld gelten für 78 Prozent als wichtigste Quelle der Zuversicht. Fortschritte in Wissenschaft, Medizin und Technik sowie die eigene Gesundheit und finanzielle Situation werden ebenfalls häufig als positive Faktoren genannt. 

Kriege und Demokratie

Als größte Sorgen nennen die Befragten internationale Konflikte und Kriege (77 %), gefolgt vom Zustand der Demokratie weltweit (60 %). Aber auch der Klimawandel, der gesellschaftliche Zusammenhalt, die Inflation und die Gesundheitsversorgung beschäftigen jeweils mehr als die Hälfte der Teilnehmenden. Außerdem zeigte sich, dass obwohl 91 Prozent Österreich als sicheres Land wahrnehmen, 60 Prozent überzeugt sind, dass die Kriminalität in den vergangenen Jahren zugenommen hat.

Diese subjektive Wahrnehmung deckt sich in Teilen mit der realen Statistik, denn die Zahlen zeigen für das Jahr 2025 tatsächlich einen leichten Anstieg der Gesamtkriminalität um 0,8 Prozent auf den Zehnjahreshöchstwert von 538.656 Anzeigen. Allerdings relativiert ein genauerer Blick diese gefühlte Wahrheit. Während das starke Wachstum bei Cybercrime und die Zunahme bei der Gewaltkriminalität die Verunsicherung in der Bevölkerung speisen, ist die klassische Eigentumskriminalität im langfristigen Trend rückläufig. 

Integration bereitet Sorgen

Besonders kritisch wird zudem die Integration von Zuwandernden beurteilt. Nur knapp ein Viertel hält sie für gelungen. Als wichtigste Voraussetzungen für erfolgreiche Integration werden gute Deutschkenntnisse (77 %), das Einhalten österreichischer Gesetze (61 %) sowie Arbeit oder Ausbildung (58 %) genannt. 

Dieser kritischen Haltung lässt sich jedoch eine differenziertere Realität entgegensetzen, denn aktuelle Daten zeigen beachtliche Fortschritte in genau diesen Schlüsselbereichen. Die Erwerbstätigkeit unter Zuwandernden steigt kontinuierlich, wodurch sie eine tragende Säule gegen den heimischen Arbeitskräftemangel bilden, während gleichzeitig die Absolvierung von Deutsch- und Integrationskursen Rekordwerte erreicht. Zudem verhält sich die überwältigende Mehrheit der Migrant:innen vollkommen gesetzeskonform, sodass die Kriminalstatistik nicht repräsentativ für die gesamte Gruppe ist. Dass Integration keine Einbahnstraße ist, bestätigt sich außerdem in der Praxis. Wo der geforderten Leistungsbereitschaft mit der von der Jugend betonten Offenheit begegnet wird, gelingt das Zusammenleben nachweislich am besten.

Wirtschaftliche Unsicherheit und Skepsis

Die steigenden Lebenshaltungskosten bleiben für viele Menschen ebenfalls ein zentrales Thema. Fast zwei Drittel fühlen sich von der Teuerung stark betroffen. Zwar geben 79 Prozent an, ihre laufenden Kosten zumindest weitgehend decken zu können, ein Fünftel sieht sich dazu jedoch nicht in der Lage. Auch die wirtschaftlichen Erwartungen sind verhalten. Nur elf Prozent rechnen innerhalb des kommenden Jahres mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in Österreich, während 38 Prozent von einer weiteren Verschlechterung ausgehen. 

Skeptisch beurteilen viele zudem die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf die Arbeitswelt. Lediglich 19 Prozent erwarten positive Folgen, fast die Hälfte geht von negativen Auswirkungen aus. 

Gesundheitssystem unter Druck, Klimawandel spürbar

Mit dem österreichischen Gesundheitssystem sind zwar 61 Prozent der Befragten zufrieden, gleichzeitig sind jedoch 65 Prozent überzeugt, dass sich dieses in den vergangenen Jahren verschlechtert hat. Die medizinische Versorgung im eigenen Bundesland bewerten die meisten dennoch positiv, wobei regionale Unterschiede deutlich werden.

Die Folgen des Klimawandels nehmen viele Menschen bereits persönlich wahr. 59 Prozent fühlen sich von Hitzewellen oder Starkregen betroffen. Ebenso viele geben an, selbst aktiv zum Umwelt- und Klimaschutz beizutragen. Die Hälfte der Teilnehmenden ist überzeugt, dass sich der Klimawandel mit geeigneten Maßnahmen noch aufhalten lasse. Weitere 18 Prozent sind zudem der Meinung, dass die Folgen der Klimaveränderungen in der Öffentlichkeit übertrieben dargestellt werden.

Digitalisierung verändert den Alltag

Die digitale Entwicklung stellt viele Menschen vor Herausforderungen. 43 Prozent fühlen sich von den technischen Entwicklungen überfordert – insbesondere ältere Befragte. Gleichzeitig nutzen bereits zwei Drittel zumindest gelegentlich Anwendungen der Künstlichen Intelligenz. Auch das Smartphone prägt den Alltag. Rund ein Drittel verbringt regelmäßig mehr Zeit am Handy als ursprünglich geplant, bei den unter 30-Jährigen trifft dies sogar auf knapp sechs von zehn Personen zu.

Soziale Medien werden dabei überwiegend kritisch gesehen. Mehr als die Hälfte meint, dass sie die Gesellschaft spalten. 68 Prozent sprechen sich dafür aus, Kinder möglichst lange von sozialen Netzwerken fernzuhalten, während 78 Prozent sich wünschen, dass Menschen wieder häufiger direkt miteinander kommunizieren.

Fake News als Herausforderung, hohes Vertrauen in heimische Medien

Der Umgang mit Falschinformationen beschäftigt viele Menschen. 83 Prozent halten Fake News im Internet für schwer erkennbar, und 65 Prozent geben an, selbst schon einmal Falschinformationen geglaubt zu haben. Besonders häufig trifft dies auf jüngere Menschen zu. Verantwortung im Kampf gegen Fake News sehen die Befragten vor allem bei den Nutzer:innen selbst, gefolgt von Medien und sozialen Netzwerken. Politik und Staat werden deutlich seltener genannt.

Gleichzeitig genießen österreichische Medien großes Vertrauen. Vier von fünf Teilnehmenden vertrauen den Nachrichten und Informationen heimischer Medien.

Wunsch nach mehr Informationen und Dokumentationen im ORF

Beim ORF steht für die Teilnehmenden vor allem Information im Mittelpunkt. 74 Prozent interessieren sich besonders für Informationsangebote, gefolgt von Wissenschaft und Bildung (50 %), Sport (42 %), Unterhaltung (40 %) und Kultur (29 %). Auf Formatebene wünschen sich 64 Prozent mehr Dokumentationen und Reportagen, 48 Prozent ausführlichere Berichte und Analysen sowie 34 Prozent mehr Filme und Serien. Ebenfalls gefragt sind Live-Sportübertragungen (32 %), Interviews und Diskussionssendungen (30 %), Kurzinformationen (26 %), Comedy- und Kabarettformate (22 %) sowie Live-Kulturübertragungen (19 %). Unter den jüngeren Befragten sprechen sich 29 Prozent zudem für mehr ORF-Inhalte auf Social Media aus.

Auch inhaltlich formulieren die Teilnehmenden klare Erwartungen an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. 48 Prozent wünschen sich einen stärkeren Ausbau lokaler und regionaler Berichterstattung, 41 Prozent eine intensivere Förderung österreichischer Filme und Serien und 36 Prozent zusätzliche Angebote für junge Zielgruppen. Als wichtigste Qualitätsmerkmale der ORF-Nachrichten nennen 67 Prozent eine sorgfältige Recherche und konsequente Faktenprüfung. Für 54 Prozent stehen Neutralität und Sachlichkeit im Vordergrund, während 45 Prozent kompetente Journalist:innen als entscheidenden Faktor für glaubwürdige Berichterstattung sehen.

Wie steht es um die Stimmung in Österreich?

Die Ergebnisse der dritten Ausgabe von "ORF fragt" zeichnen ein vielseitiges Bild der Stimmung im Land. Während die persönliche Lebenszufriedenheit überwiegend hoch ist, dominieren beim Blick auf gesellschaftliche und globale Entwicklungen Sorgen und Unsicherheit. Zugleich machen die Rückmeldungen deutlich, welche Erwartungen die Bevölkerung an Medien und insbesondere den öffentlich-rechtlichen Rundfunk stellt. 

Da die Teilnahme an der Umfrage freiwillig war und keine repräsentative Stichprobe nach wissenschaftlichen Kriterien gezogen wurde, versteht der ORF die Ergebnisse ausdrücklich als aktuelles Stimmungsbild und nicht als repräsentative Erhebung für die gesamte österreichische Bevölkerung. 

www.orf.at

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