Fotos von der Studienpräsentation
Jobwechsel verliert für Österreichs Beschäftigte an Reiz

Laut dem aktuellen Arbeitsmarkt-Kompass schätzen Beschäftigte ihre Chancen auf eine neue Stelle zunehmend zurückhaltender ein. Gleichzeitig steigen Jobzufriedenheit und der Wunsch nach Stabilität.

Der heimische Arbeitsmarkt hat seine Richtung geändert. Wer sich derzeit nach einer neuen Position umsieht, muss mit deutlich mehr Aufwand rechnen als noch vor ein paar Jahren. Lediglich 44 Prozent der unselbstständig Erwerbstätigen halten es dementsprechend für einfach, aktuell fündig zu werden. Parallel dazu schrumpft die Bereitschaft, den Arbeitsplatz überhaupt zu wechseln, von rund 38 auf 33 Prozent, während sich 84 Prozent mit ihrer derzeitigen Tätigkeit (sehr) zufrieden zeigen. Diese Kombination aus gedämpfter Erwartungshaltung und gestiegener Verbundenheit zieht sich durch die zweite Ausgabe des Arbeitsmarkt-Kompass im laufenden Jahr, den Marketagent gemeinsam mit Leitbetriebe Austria als Längsschnittstudie erhebt (siehe Infobox) und dessen Ergebnisse am Dienstag präsentiert wurden.

Zufriedenheit ist noch keine Bindung

Auch die finanziellen Ambitionen bewegen sich in engeren Bahnen. Im Schnitt rechnen Beschäftigte bei einem Wechsel mit einem Plus von 23 Prozent beim Gehalt – ein Wert, der die vorsichtigere Grundstimmung widerspiegelt. Der Wunsch nach dem idealen Arbeitsalltag bleibt hingegen bemerkenswert stabil: Gefragt sind im Mittel 33,5 Wochenstunden, ein Home-Office-Anteil von 40,5 Prozent und ein Arbeitsweg von höchstens rund 23 Kilometern.

Studienleiterin Ingrid Fischer von Marketagent warnt allerdings davor, aus den Zahlen voreilige Schlüsse zu ziehen: "Die rückläufige Wechselbereitschaft bei gleichzeitig leicht steigender Jobzufriedenheit deutet darauf hin, dass viele Beschäftigte wieder stärker auf Stabilität setzen. Mit dem eigenen Job zufrieden zu sein, bedeutet allerdings nicht automatisch, langfristig gebunden zu sein: Immerhin bleibt ein Drittel grundsätzlich offen für einen Wechsel. Bindung entsteht erst, wenn das Gesamtpaket auch im Vergleich zu externen Angeboten dauerhaft überzeugt."

Fairness entscheidet über die Arbeitgeberwahl

Bei der Frage, was den Ausschlag für die Job-Entscheidung gibt, führt weiterhin die Bezahlung: 62 Prozent nennen ein faires Gehalt als wichtigstes Kriterium, gefolgt von einem guten Arbeitsklima mit 53 Prozent und flexiblen Arbeitszeiten mit 42 Prozent. Bemerkenswert ist der Blick auf Mehrarbeit – 87 Prozent haben grundsätzlich nichts gegen Überstunden einzuwenden, solange diese angemessen abgegolten werden.

Für die Arbeitgeberseite ergibt sich daraus ein Handlungsfenster, das die Verantwortlichen bewusst nutzen wollen. Monica Rintersbacher, Geschäftsführerin von Leitbetriebe Austria, sieht darin einen Auftrag an die Betriebe: "Der aktuelle Arbeitsmarkt-Kompass zeigt, dass sich die Lage etwas stabilisiert. Unternehmen haben dadurch die Chance, wieder stärker in ihre Mitarbeitenden und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu investieren. Wichtig ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Leistung anerkannt wird und Potenziale bestmöglich zur Entfaltung kommen."

Die Erhebungen fließen übrigens fortlaufend in die Initiative Neue Welt der Arbeit ein, mit der Leitbetriebe Austria gemeinsam mit Unternehmen praxisnahe Ansätze für eine zukunftsorientierte Arbeitswelt entwickelt.

Stimmen aus der Unternehmenspraxis

Wie sich die Ergebnisse der Studie im Betriebsalltag tatsächlich niederschlagen, war Thema einer anschließenden Podiumsrunde. Manuela Lindlbauer, UNIT-Leiterin Arbeit & Beschäftigung bei Leitbetriebe Austria sowie Geschäftsführerin von Lindlpower Personalmanagement und Mit-Initiatorin der Initiative Neue Welt der Arbeit, erzählte dabei aus ihrer jahrelangen Recruiting-Erfahrung: "Die Zeiten, in denen Beschäftigte beinahe täglich von neuen Stellenangeboten umworben wurden, flachen spürbar ab. Jetzt entscheidet sich, welche Unternehmen ihre Mitarbeitenden wirklich langfristig binden können. Gute Führung braucht Nähe, Austausch und gemeinsames Wirken. Kreativität und Innovation entstehen vor allem dort, wo Menschen persönlich zusammenarbeiten. Deshalb bleibt das Büro ein zentraler Ort für Zusammenarbeit und Unternehmenskultur."

Aus Sicht eines produzierenden Betriebs meldete sich David Machanek, Geschäftsführer von Pilz, zu Wort. Ihm zufolge lasse sich Leistung nicht an der Anzahl der Arbeitsstunden messen, sondern an den Ergebnissen. "Erfolgreiche Mitarbeitermotivation braucht Flexibilität und Teamgeist. Denn genau diese Verbindung schafft die Grundlage für nachhaltige Produktivität", so Machanek.

Mehr Informationen zur Studie finden Sie hier.

LEADERSNET war bei der Studienpräsentation dabei. Eindrücke finden Sie in unserer Galerie.

www.leitbetriebe.at

www.marketagent.com

Über den Arbeitsmarkt-Kompass

  • Längsschnittuntersuchung zur Stimmung am Arbeitsmarkt
  • Auftraggeber: Eigenstudie Marketagent in Kooperation mit Leitbetriebe Austria
  • Methode: Mobile Research Tool via Smartphone App
  • Erhebungszeitraum: 1. April 2026 bis 30. Juni 2026 
  • Sample-Größe: n = 664 Netto-Interviews
  • Kernzielgruppe: Unselbständig Berufstätige im Alter zwischen 18 und 69 Jahren
  • Quotensteuerung: Sample repräsentativ für die erwerbstätige Bevölkerung / gewichtet nach Daten des Mikrozensus 2023 

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Über den Arbeitsmarkt-Kompass

  • Längsschnittuntersuchung zur Stimmung am Arbeitsmarkt
  • Auftraggeber: Eigenstudie Marketagent in Kooperation mit Leitbetriebe Austria
  • Methode: Mobile Research Tool via Smartphone App
  • Erhebungszeitraum: 1. April 2026 bis 30. Juni 2026 
  • Sample-Größe: n = 664 Netto-Interviews
  • Kernzielgruppe: Unselbständig Berufstätige im Alter zwischen 18 und 69 Jahren
  • Quotensteuerung: Sample repräsentativ für die erwerbstätige Bevölkerung / gewichtet nach Daten des Mikrozensus 2023 

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