Zu wenig natürliches Licht in Innenräumen kann weitreichende Folgen für die körperliche und psychische Gesundheit haben. Darauf haben Expert:innen bei einem Pressegespräch von Velux hingewiesen. Im Mittelpunkt standen die Fragen, wie die Qualität der Lichtversorgung in Gebäuden besser bewertet werden kann, sowie neue Instrumente, die Planer:innen und Nutzer:innen dabei unterstützen sollen.
Viele Menschen sehen gesundheitliche Auswirkungen
Laut dem Future of Home Report 2026 von Velux (LEADERSNET berichtete) berichten 42 Prozent der Österreicher:innen, dass sich ein Mangel an natürlichem Licht negativ auf ihre körperliche Gesundheit auswirke. 35 Prozent sehen Auswirkungen auf ihr psychisches Wohlbefinden. Zu wenig Tageslicht könne unter anderem das Immunsystem sowie den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflussen.
"Unser Zuhause sollte ein Ort sein, der uns stärkt und nicht schwächt. Mangelndes Tageslicht führt zu negativen gesundheitlichen Folgen und sollte daher bereits bei der Gebäudeplanung unbedingt bedacht werden", sagt Christina Brunner, Tageslichtexpertin bei Velux Österreich.
Fachleute kritisieren bestehende Vorgaben
In Österreich werden die Anforderungen an die natürliche Beleuchtung unter anderem durch die OIB-Richtlinie 3 geregelt. Diese schreibt vor, dass die Architekturlichte von Fenstern mindestens zwölf Prozent der Bodenfläche eines Raumes betragen muss.
Aus Sicht von Expert:innen reiche dieser Ansatz jedoch nicht aus, um die tatsächliche Lichtqualität in Innenräumen zu beurteilen. Neben der Fensterfläche spielten auch Faktoren wie die Position und Höhe der Fenster, die Raumhöhe und Raumtiefe, Verschattungen durch Balkone oder Nachbargebäude, die Rahmenstärke sowie die Lichtdurchlässigkeit der Verglasung eine wesentliche Rolle.
Eine wichtige fachliche Grundlage bildet zudem die europäische Norm ÖNORM EN 17037, die seit 2019 für die Bewertung von Tageslicht in Innenräumen zur Verfügung steht.
Heinz Hackl, Raumklimaexperte bei Velux Österreich, sieht hier Handlungsbedarf. Die OIB-Richtlinie arbeite mit relativen Werten und bilde die tatsächliche Lichtqualität nur eingeschränkt ab. Die Tageslichtnorm EN 17037 sei deutlich aussagekräftiger, werde in der Praxis aber noch zu selten angewandt. Österreich verfüge zwar über gesetzliche Rahmenbedingungen, diese würden jedoch vielfach keine ausreichenden und gesundheitsfördernden Lichtverhältnisse gewährleisten.
Neue Planungshilfe soll Orientierung bieten
Für die Anwendung der ÖNORM EN 17037 sind häufig Tageslichtsimulationen erforderlich. Solche Berechnungen gehören laut den Expert:innen in vielen Planungsbüros bereits zum Alltag.
Beim Pressegespräch wurde darüber hinaus eine neue Planungshilfe vorgestellt, die insbesondere in frühen Planungsphasen oder auch für Gebäudenutzer:innen eine erste Einschätzung ermöglichen soll. Die Grundlage bilden bereits berechnete Beispielräume, wodurch sich die Tageslichtversorgung einfacher und schneller beurteilen lasse.
"Tageslicht ist grundlegend für die Gesundheit, ähnlich wie frische Luft oder Wasser. Umso wichtiger ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse in Planung, Baupraxis und Gebäudenutzung zu übersetzen. Wenn die Tageslichtversorgung einfach berechnet werden kann, können wir ihre Potenziale besser nutzen", sagt Renate Hammer, Geschäftsführerin des Institutes of Building Research & Innovation.
Digitale Werkzeuge unterstützen die Planung
Eine zentrale Rolle spielt aus Sicht der Fachleute die professionelle Tageslichtplanung. Mithilfe digitaler Simulationen, etwa durch den Velux Daylight Visualizer, sollen Lichtverhältnisse bereits in der Entwurfsphase sichtbar gemacht werden können.
Dadurch sollen sich Entscheidungen über Fensterflächen, Raumaufteilung, Gebäudeorientierung und spätere Nutzung fundierter treffen lassen. Gleichzeitig könne dies die Einhaltung fachlicher Vorgaben erleichtern und die Aufenthaltsqualität in Innenräumen verbessern.
Relevanz für Neubau und Sanierung
Nach Ansicht der Expert:innen sollte die Planung natürlicher Belichtung ein fixer Bestandteil nachhaltiger Gebäudekonzepte sein. Das betreffe sowohl Neubauten als auch Sanierungen. Vor allem in Wohngebäuden, Bildungseinrichtungen, Arbeitsumgebungen und anderen Aufenthaltsräumen könne eine gezielte Planung dazu beitragen, den Komfort der Nutzer:innen zu erhöhen.
"Wir möchten dazu beitragen, dass Tageslicht bewusster und gezielter genutzt wird. Die Werkzeuge dafür sind vorhanden. Entscheidend ist, sie in der Praxis konsequent anzuwenden", sagt Hackl abschließend.
Mehr zur Planungshilfe finden Sie hier. Zum Velux Daylight Visualizer geht es hier.
LEADERSNET war beim Pressegespräch. Einen Eindruck können Sie sich hier machen.
www.velux.at
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