Fotos und Videos rund um die IV-Veranstaltung 2026
Top-Entscheider gaben sich beim Salzburg Summit ein Stelldichein

Drei Tage lang wurde auf Einladung der IV im Kongresshaus der Mozartstadt über Europas Platz in einer neu geordneten Welt verhandelt. Unter den zahlreichen hochkarätigen Speaker:innen fanden sich auch zwei Gastredner aus Übersee, die hart mit der aktuellen US-Regierung ins Gericht gingen.

Wenn sich die geopolitischen Gewichte verschieben, rückt die Frage nach verlässlichen Partnerschaften ganz nach oben auf die Agenda. Genau darum drehte sich heuer der von der Industriellenvereinigung (IV) ausgerichtete Salzburg Summit, der von 22. bis 24. Juli 2026 zum bereits siebten Mal im Salzburger Kongresshaus stattfand. Unter dem Motto "Alliances in a New Global Order" kamen drei Tage lang hochkarätige Vertreter:innen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen, um über die Zukunft des Standorts Europa zu beraten. Eröffnet wurde die Konferenz von IV-Präsident Georg Knill, Festspielpräsidentin Kristina Hammer und der Salzburger Landeshauptfrau Karoline Edtstadler.

Blinken sah Trump in einer "Eskalationsfalle"

Begonnen hatte der Gipfel am Mittwochabend mit dem Welcome Gala Dinner im Hangar-7, ehe die eigentliche Konferenz am Donnerstag und Freitag im Salzburger Kongresshaus über die Bühne ging. Durch beide Tage führte Corinna Milborn, Nachrichtenchefin von Puls 4 und Puls 24. Aufgebaut war das Programm in drei Ebenen, nämlich der Hauptbühne für die großen Linien, den Zeitgeist Sessions zu tagesaktuellen Entwicklungen und den Deep Dives, die in kleiner Runde und ohne Mitschrift stattfanden.

Eines der Highlights des Summits war der Vortrag des prominenten Gastredners Antony Blinken am Donnerstag zum Thema "Amerika, Europa und die neue Geopolitik der Macht". Für den ehemaligen US-Außenminister, der von 2021 bis 2025 unter US-Präsident Joe Biden an der Spitze des State Department stand, war es der erste Auftritt in Österreich seit dem Ende seiner Amtszeit. Im Krieg gegen den Iran ortete er den amtierenden Präsidenten Donald Trump in einer "Eskalationsfalle". Zwei Faktoren bestimmten dessen Kurs, so Blinkens Analyse, er sei "getrieben von Märkten und Munition". Das unter Barack Obama ausverhandelte Atomabkommen habe Trump "eingerissen und durch Nichts ersetzt".

Die Weltlage insgesamt beschrieb Blinken als "tiefgreifenden historischen Moment" und als eine Art "perfekten Sturm" aus hohem Veränderungstempo, wachsender Frustration junger Menschen und neuen, nicht mehr zwingend staatlich organisierten Machtzentren. Für den Kontinent zog der Demokrat ein wenig schmeichelhaftes Bild. Europa drohe "zwischen den innovativen USA und dem industriellen China" aufgerieben zu werden, gegensteuern lasse sich das nur über eine Bündelung der europäischen Kapitalmärkte. An Ressourcen mangle es ohnehin nicht: "Es gibt reichlich Geld und brillante Menschen, das muss kanalisiert werden." Politisch forderte er mehr Kohäsion und eine deutlich offensivere Industriepolitik. Dass viele Menschen mit der Unübersichtlichkeit der Gegenwart nicht mehr zurechtkommen, fasste Blinken in einem Satz zusammen. "Viele fühlen sich, als hätten sie ihren Nordstern verloren."

Ungewöhnlich offen fiel sein Rückblick auf die Monate vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine aus. Washington habe damals noch auf ein stabiles Verhältnis zu Moskau gesetzt, und als die Geheimdienste die russischen Angriffspläne auf den Tisch legten, habe im Weißen Haus zunächst Ratlosigkeit geherrscht. "Wir sahen das, aber es ergab keinen Sinn. Warum sollte er (Putin) das tun?", schilderte Blinken die Stimmung. Der entscheidende Denkfehler sei gewesen, "unsere eigene Logik auf jemand anderen anzuwenden". 

Trudeau drängte auf ein rasches Ende des Iran-Kriegs

Ebenfalls heiß erwartet war der Auftritt des ehemaligen kanadischen Premierministers Justin Trudeau, der zum Krieg gegen den Iran ähnlich scharfe Worte fand. "Donald Trump muss jeden Deal annehmen, den er bekommen kann, um den Konflikt mit dem Iran zu beenden", so Trudeau im Kongresshaus. Weil kaum noch Energie aus dem Persischen Golf abfließe, träfen die Folgen längst die weltweiten Lieferketten und vor allem Menschen in den ärmsten Regionen. Diese Auswirkungen nannte er "katastrophal".

Das Ziel eines Regimewechsels in Teheran sei nicht eingetreten, so Trudeau weiter. Washington werde am Ende ein Abkommen unterschreiben müssen, das deutlich schlechter ausfalle als das einst aufgekündigte Atomabkommen JCPOA. Selbst wenn nur ein Bruchteil der damaligen Zugeständnisse herauskomme, solle der US-Präsident zugreifen. "Die Menschen werden wissen, dass das ein massiver, massiver Fehler der amerikanischen Regierung war", betonte der Kanadier. Innenpolitisch werde ein Abschluss in den USA mit Blick auf die Midterms wohl trotzdem als Sieg verkauft werden. Sein Fazit fiel entsprechend nüchtern aus, der Westen werde ein gestärktes iranisches Regime und ein schwaches Abkommen als bestmögliches Ergebnis akzeptieren müssen.

Diversität als knallharte Geschäftsstrategie

Ebenso pointiert äußerte sich Trudeau zur Frage, was gute Führung ausmacht. "Führung ist dann am wirksamsten, wenn sie die Menschen, die man führt, befähigt, das Beste zu sein und zu leisten, wozu sie imstande sind", sagte er. Es gehe weder darum, mehr zu wissen als das eigene Team, noch darum, Anweisungen zu erteilen. Entscheidend seien der Blick auf das große Ganze und ein realistisches Gespür dafür, was Bürger:innen oder Kund:innen tatsächlich beschäftigt. Auf die Frage, was es bedeute, die klügste Person im Raum zu sein, habe er stets dieselbe Antwort gegeben: "Für mich heißt das, dass ich im falschen Raum bin."

Ein zentraler Punkt seiner Ausführungen war die Zusammensetzung des engsten Umfelds. "Es geht nie darum, Leute um sich zu scharen, die einem sagen, wie großartig man ist, sondern Leute, die einen jeden Tag herausfordern", so Trudeau. Genau daraus leitet er seinen Zugang zu Vielfalt ab. Sein Kabinett habe er zur Hälfte mit Frauen besetzt, weil zehn Männer mit ähnlicher Schulbildung und ähnlichem Werdegang am Ende immer dieselbe Lösung präsentieren würden. In Kanada legte seine Regierung zudem eigene Förderprogramme für Unternehmerinnen sowie für indigene und schwarze Gründer:innen auf, weil diese Gruppen schwerer an Kapital kommen. "Das ist keine nette Geste, um ein guter Mensch zu sein. Es ist eine knallharte, wirksame Geschäftsstrategie", fasste er zusammen. Dass Kanada dem Populismus vergleichsweise wenig Angriffsfläche biete, führt er nicht zuletzt auf dieses Vertrauen in die eigenen Institutionen zurück.

Von der neuen Geoökonomie bis zur Quantentechnologie

Darüber hinaus stand ein Gespräch zwischen OeNB-Generalratspräsident Johannes Hahn und Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Mauderer über die neue Geoökonomie am Programm, ehe Sven Smit vom McKinsey Global Institute seinen Impuls "A Century of Plenty" setzte. Danach diskutierten Europaministerin Claudia Bauer und ihr deutscher Amtskollege Gunther Krichbaum über Europas nächste Schritte, und Karl Nehammer skizzierte in seiner Funktion als EIB-Vizepräsident, wie sich Europas Rolle in der Ukraine vom Krisenmanagement zum Wiederaufbau verschieben muss.

Der Donnerstagnachmittag gehörte den Zeitgeist Sessions. CNN-Chef Mark Thompson und Gerhard Zeiler von Warner Bros. Discovery International blickten aus Medienperspektive auf die USA im Umbruch, EU-Kommissar Magnus Brunner widmete sich dem Dreieck aus Sicherheit, Migration und politischer Stabilität, und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer warb für ein industrielles Comeback Österreichs. Im Life-Sciences-Panel diskutierten Steffen Lang von Novartis, IMBA-Direktorin Elly Tanaka und PMU-Rektorin Annemarie Weißenbacher über Innovation unter neuen globalen Vorzeichen, bevor der frühere Bild-Chefredakteur Kai Diekmann und die Journalistin Julia Ruhs über Medien und Mindset debattierten. Den Abschluss bildeten sieben parallele Deep Dives, unter anderem zur europäischen Verteidigungsindustrie mit Christoph Alexander Müller (Rheinmetall MAN Military Vehicles), Bernhard Quendt (Thales) und Enrico Savio (Leonardo), zu Energie mit Markus Beyrer, Reinhard Florey und Monika Köppl-Turyna, zur Frage, ob Europa zwischen den USA und China Regelsetzer oder Regelnehmer ist, mit Othmar Karas, Präsident des Europäischen Forums Alpbach, dem EU-Abgeordneten Lukas Mandl und Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, sowie zu einem Exclusive Talk mit Sascha Bosezky, dem Leiter des Heeres-Nachrichtenamtes.

Der Freitag startete mit einem Technology Breakfast zur Frage, wie viel Regulierung Europa verträgt, an dem Thomas Arnoldner und Alejandro Plater von der A1 Group, RBI-Chef Michael Höllerer und Monika Köppl-Turyna teilnahmen. Nach Trudeaus Keynote und dem anschließenden Gespräch mit David Bach von der IMD Business School und Hannelore Veit legte Verbund-Chef Michael Strugl dar, warum Energie zur Brücke für Europas strategische Souveränität werden muss. Es folgten ein Verteidigungspanel mit Markus Beyrer und Sabine von der Recke von OHB System sowie eine Runde zu Künstlicher Intelligenz und Quantentechnologie, in der Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner, Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll, sein deutscher Amtskollege Markus Richter, Anja Schneider von SAP und Viktoria Tollinger von ParityQC auf dem Podium saßen. Zum Abschluss zog Georg Knill um kurz nach zwölf mit dem Salzburg Summit Statement Bilanz.

Rotarisches Mittagessen am Rande des Gipfels

Aber nicht nur im Kongresshaus wurde genetzwerkt – der Rotary Club Wien Donau lud am 23. Juli erstmals zu einem rotarischen Mittagessen am Rande des Salzburg Summit. Der Einladung folgten Gäste aus mehr als 25 Rotary Clubs und zwei Rotaract Clubs, darunter der EU-Abgeordnete Lukas Mandl, ORF-Technikdirektor Harald Kräuter, IV-Chefökonom Christian Helmenstein, FFG-Geschäftsführerin Henrietta Egerth, EcoAustria-Direktorin Monika Köppl-Turyna, Susanne Kraus-Winkler, Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich, Martin Resel, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von A1 Österreich, PwC-Österreich-Chef Rudolf Krickl, Lindlpower-Gründerin Manuela Lindlbauer, respACT-Vorstand Gabriela-Maria Straka und Arrow-Manager Heinz Stiastny. Möglich gemacht hatte das Zusammentreffen das rotarische Mitglied Markus Schindler.

IV-Generalsekretär Christoph Neumayer, ebenfalls Rotarier, war verhindert, ließ den Gästen aber Grußworte ausrichten. Organisiert wurde das Side-Event von Anna Careen Schmid und Nicolai Descovich vom RC Wien Donau. Im Mittelpunkt standen der persönliche Austausch und die Gespräche zwischen Rotary-Netzwerk, Politik und Wirtschaft.

LEADERSNET war vor Ort. Einen Eindruck vom Rotary Club Wien Donau - Mittagessen können Sie sich hier machen. 

www.salzburgsummit.com

www.iv.at

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