Fotos & Video vom "Schiefer Talk"
"Sicherheit ist ein Thema, das uns alle angeht"

Im neuen "Schiefer Talk" diskutierten Klaudia Tanner (Bundesministerin für Landesverteidigung), Martin Graf (CEO Energie Steiermark), Monika Köppl-Turyna (Direktorin EcoAustria), Harald Kräuter (Technischer Direktor ORF) und Martin Schiefer (Rechtsanwalt und Ausschreibungsexperte) u.a. darüber, warum Resilienz längst nicht mehr allein eine Frage des Bundesheeres ist und was Österreich dabei ausgerechnet von der Ukraine lernen könnte.

Im Rahmen des zweiten "Schiefer Talks" drehte sich alles um das Thema "Wer schützt unser Land? Wie steht es um die Verteidigungsmoral der Österreicher:innen?". Dazu sprach Paul Leitenmüller (CEO, Opinion Leaders Network) mit seinen Gästen Klaudia Tanner (Bundesministerin für Landesverteidigung), Martin Graf (CEO Energie Steiermark), Monika Köppl-Turyna (Direktorin EcoAustria), Harald Kräuter (Technischer Direktor ORF) und Martin Schiefer (Rechtsanwalt und Ausschreibungsexperte). Gedreht wurde die aktuelle Folge im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien.

Sicherheit beginnt bei der Eigenverantwortung

Wie sicher Österreich ist, lässt sich für Klaudia Tanner nicht ohne einen Blick zurück beantworten. "Wir haben uns eine sehr lange Zeit auf einer Insel der Seligen gefühlt und vieles als selbstverständlich hingenommen", meint die Verteidigungsministerin. Inzwischen rückten die Krisen näher, umso zentraler sei die geistige Landesverteidigung als Grundlage der umfassenden Landesverteidigung. Erst wer wisse, welche Werte zu verteidigen sind, könne dazu auch eine Haltung entwickeln. Bei der Bereitschaft, das Land notfalls mit der Waffe in der Hand zu verteidigen, liegt Österreich international allerdings nicht an der Spitze, die Werte bewegen sich laut Tanner seit Jahren zwischen 28 und 33 Prozent. Positive Signale ortet sie bei den jungen Männern, von denen sich mittlerweile 57 Prozent für den Grundwehrdienst entscheiden. "Angst ist immer ein falscher Ratgeber. Richtiger ist es, sich vorzubereiten", so die Ministerin.

Dass es dabei längst nicht mehr nur um das Bundesheer geht, machte Tanner an der Debatte über kritische Infrastruktur fest, die vom Lebensmittelbereich über die Energieversorgung bis zu den Kommunikationswegen reicht. Rückhalt sieht sie auch bei der Finanzierung, das Doppelbudget für das Bundesheer ist abgesichert. Dass Investitionen ins Heer wirtschaftlich wirken, belegt für sie der Radpanzer Pandur, an dessen Fertigung in Österreich mehr als 220 kleine und mittelständische Unternehmen beteiligt sind. Das sei ein doppelter Nutzen, weil damit Sicherheit und Arbeitsplätze zugleich abgesichert werden.

Kritische Infrastruktur reicht vom Stromnetz bis zum Sender

In der Energieversorgung läuft diese Debatte schon länger, wie Energie-Steiermark-CEO Martin Graf ausführt. Nach der langen Abhängigkeit von russischem Erdgas gehe es darum, Quellen und Transportrouten zu diversifizieren und parallel die Elektrifizierung voranzutreiben. "Jedes Investment in Netzinfrastruktur, jedes Investment in erneuerbare Energie senkt die Abhängigkeit von Importen und macht uns resilienter", ist Graf überzeugt. Die Debatte sei damit keine ideologische mehr, sondern eine wirtschafts- und industriepolitische. Beim Blick auf die eigene Ausgangslage plädierte er für mehr Selbstbewusstsein, immerhin habe Österreich als eines der ersten Länder eine Erdgasbevorratung eingeführt, und die Ausfallzeiten im Stromnetz lägen bei gerade einmal rund 20 Minuten pro Jahr. "Wir sind viel besser, als wir uns selbst eingestehen", so der CEO.

Für den Technischen Direktor des ORF Harald Kräuter gehört zur Verteidigungsmoral auch die Frage, wie im Ernstfall informiert wird. Der ORF habe seine Infrastruktur von den Sendeanlagen bis zur Leitungstechnik so aufgebaut, dass die Bevölkerung über mehrere Tage versorgt werden kann, Ö3 ist rund um die Uhr besetzt und in die Alarmketten der Bundesländer eingebunden. Aus dem Austausch mit der European Broadcasting Union nimmt der Sender vor allem die Erfahrungen der baltischen Staaten mit, die ihre Infrastruktur bewusst über das Land verteilen. Die Ukraine wiederum konnte ihren öffentlich-rechtlichen Rundfunk nur deshalb aufrechterhalten, weil sie auf eine Cloudinfrastruktur außerhalb des eigenen Landes zugriff. Ebenso wichtig seien ihm die Inhalte selbst. "In Zeiten von KI muss ich noch dreimal so genau hinschauen, ob das, was ich der Bevölkerung weitergebe, auch wirklich stimmen kann", so Kräuter, der zudem für mehr Mut beim Einsatz neuer Technologien und ganz praktisch für das Kurbelradio als Eigenvorsorge wirbt.

Standortfaktor Sicherheit entscheidet über Investitionen

Sicherheit ist für EcoAustria-Direktorin Monika Köppl-Turyna ein handfester Standortfaktor. "Kurzfristig braucht es Sicherheit, damit Konsumentscheidungen überhaupt getroffen werden", schwerer wiege aus ihrer Sicht aber noch der Blick der Investor:innen. Rechtssicherheit sowie wirtschaftliche und sicherheitspolitische Stabilität zählen zu den wesentlichen Gründen, warum in ein Land investiert wird, andernfalls steigen Risikoprämien und Kapitalkosten. Tanners eingänglichen Befund, der Wohlstand habe die Verteidigungsmoral erodieren lassen, widersprach sie – vielmehr "wurde einfach politisch nicht priorisiert", erklärt Köppl-Turyna mit Verweis auf die Friedensdividende und die parallel ausgeweiteten Sozialausgaben. Vor einer falschen Antwort auf die entstandenen Abhängigkeiten warnte sie ausdrücklich: "Autarkie ist keine Resilienzlösung, Diversifizierung ist eine Resilienzlösung."

Wie stark der Staat solche Abhängigkeiten selbst mitbestimmt, führte Rechtsanwalt Martin Schiefer am Vergaberecht vor. Rund 70 Milliarden Euro würden in Österreich jährlich über Beschaffung ausgegeben, dazu kämen zwölf Milliarden Euro im Rahmen der Mission Vorwärts. "Bereits in der Ausschreibung treffe ich meine Entscheidungen", so der Rechtsanwalt, denn wer ausschließlich auf den günstigsten Anbieter setze, lande beim Billigstprinzip. Mitzudenken seien die militärische Mobilität, also Brücken und Bahntransporte, die schweres Gerät tragen können, ebenso wie die digitale Souveränität. Als Warnsignal nannte er den jüngsten Fall einer KI-Anwendung, die nur mehr amerikanischen Staatsbürger:innen zugänglich war. Vor einem patriotischen Vergaberecht warnte er dennoch, denn es gehe darum, den Industriestandort in internationale Lieferketten zu bringen. "Wir können im Bereich der Cybersecurity, im Bereich der Hardware und im Bereich der Zulieferindustrie ein unverzichtbarer Partner werden", meinte Schiefer. 

Was Österreich von der Ukraine lernen kann

Ein Vorbild sieht Schiefer ausgerechnet in der Ukraine, über die hierzulande aus seiner Sicht aus dem falschen Blickwinkel diskutiert wird. Das Land werde vor allem als Hilfsempfänger wahrgenommen, obwohl es sich bis 2030 unter den Top drei der Digitalisierungsnationen positionieren will und mittlerweile Drohnen in die USA exportiert. "Wir könnten davon wahnsinnig viel lernen", sagte er mit Blick auf Organisationsabläufe, Start-up-Szene und Wehrfähigkeit. Gerade beim Wehrwillen habe die Ukraine Europa einiges vorgezeigt.

Zum Abschluss appellierte Klaudia Tanner an die Zusammenarbeit von zivilen und militärischen Organisationen sowie Wissenschaft und Forschung: "Am Ende des Tages geht es um das Bewusstsein, dass jede:r Einzelne etwas dazu beitragen kann, dass unser Land jeden Tag ein Stück weit sicherer wird."

Was Klaudia Tanner, Martin Graf, Monika Köppl-Turyna, Harald Kräuter und Martin Schiefer zum Thema "Wer schützt unser Land? Wie steht es um die Verteidigungsmoral der Österreicher:innen?" sonst noch sagen, sehen Sie im LEADERSNET.tv-Video.

Fotos vom Dreh sehen Sie in unserer Galerie.

www.schiefer.at

www.bmlv.gv.at

www.e-steiermark.com

www.ecoaustria.ac.at

www.orf.at

Sollten Sie das Video nicht abspielen können, klicken Sie bitte hier!

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV