Editorial des Herausgebers
Stabilität wird zur neuen Währung

| Wolfgang Zechner 
| 25.05.2026

Das Konsumklima in Österreich ist auf den tiefsten Stand seit Jahren abgestürzt. Während bei größeren Anschaffungen bereits massiv gespart wird, bleibt der Lebensmittelhandel vorerst stabil und wird damit einmal mehr zum wirtschaftlichen Sicherheitsanker des Landes.

Die Konsumstimmung in Österreich ist auf den tiefsten Stand seit Jahren gefallen. Laut aktueller IHaM-Analyse – KEYaccount/LEADERSNET berichteten hier – liegt das Konsumklima inzwischen sogar unter dem Niveau des ersten Covid-Lockdowns im Frühjahr 2020. Das allein ist bemerkenswert genug. Fast noch bemerkenswerter ist allerdings, wie rasch sich die Stimmung erneut gedreht hat.

Der Grund ist schnell gefunden. Die Inflation zieht wieder an. Der Krieg im Iran, steigende Ölpreise, höhere Energiekosten und geopolitische Unsicherheit schlagen direkt auf das Sicherheitsgefühl der Konsument:innen durch. Die Teuerung lag im April bereits bei 3,4 Prozent. Und mit jeder neuen Eskalation wächst die Nervosität weiter.

Gerade im Handel zeigt sich nun sehr deutlich, wie sensibel Konsum auf Unsicherheit reagiert. Gespart wird vor allem bei größeren Anschaffungen. Möbel, Elektrogeräte, Sportartikel oder Mode geraten unter Druck. Der tägliche Einkauf bleibt dagegen vergleichsweise stabil. Lebensmittel und Drogeriewaren werden weiterhin gekauft, auch wenn Aktionen und günstigere Produkte wieder massiv an Bedeutung gewinnen.

Das ist kein Zufall.

Der Lebensmittelhandel erfüllt in wirtschaftlich unsicheren Zeiten eine besondere Funktion. Während andere Branchen massive Ausschläge erleben, bleibt der LEH vergleichsweise stabil. Gegessen wird immer. Genau deshalb zeigt sich gerade jetzt einmal mehr, wie wichtig stabile Strukturen im Handel für eine Volkswirtschaft sind.

Die aktuellen Zahlen zeigen außerdem noch etwas anderes. Konsument:innen kaufen nicht nur günstiger ein. Sie suchen Sicherheit. Aktionen werden zur psychologischen Orientierungshilfe in einem Umfeld, das viele Menschen zunehmend als unberechenbar empfinden.

Das Konsumklima ist dabei eine wankelmütige Diva. Es kann sich schnell drehen. Sollten Iran, Israel und die USA doch noch zu einer halbwegs stabilen Lösung finden und die Ölpreise wieder sinken, kann sich die Stimmung genauso rasch wieder aufhellen, wie sie zuletzt abgestürzt ist. Genau darin liegt aber auch die Nervosität der aktuellen Lage. Die Stimmung basiert derzeit weniger auf langfristigen Entwicklungen als auf geopolitischen Schlagzeilen und Inflationsängsten.

Inflation ist deshalb weit mehr als ein statistischer Wert. Sie verändert Verhalten, Konsum und Stimmung. Und sie entscheidet zunehmend darüber, wie Menschen ihren Alltag organisieren.

Für den Handel bedeutet das vor allem eines: Die nächsten Monate werden nicht einfacher. Stabilität wird damit endgültig zur wichtigsten Währung im Markt.

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