Editorial des Herausgebers
Der härteste Wettbewerb des Landes

| Wolfgang Zechner 
| 12.05.2026

Die aktuellen Marktanteilszahlen für das erste Quartal 2026 zeigen eine Entwicklung, die sich seit Jahren abzeichnet: Spar baut seinen Vorsprung im österreichischen Lebensmittelhandel weiter aus. Doch wer daraus vorschnell mangelnden Wettbewerb ableitet, verkennt die Realität eines Marktes, der härter umkämpft ist als fast jede andere Branche im Land.

Auf KEYaccount/LEADERSNET lesen Sie vieles, was Sie anderswo nicht lesen. Dazu gehört auch ein Thema, an dem sich viele Medien nicht die Finger verbrennen wollen und das ich gerade deshalb seit Jahren mit feuerfesten Handschuhen begleite: die Entwicklung der Marktanteile im österreichischen Lebensmittelhandel.

Kein anderes Wirtschaftsmedium berichtet so regelmäßig und ausführlich darüber. Und ja, nach vielen Jahren Beschäftigung mit diesem Markt maße ich mir durchaus an, hier eine gewisse Expertise aufgebaut zu haben. Auch in dieser Ausgabe beschäftigen wir uns wieder mit den aktuellen Zahlen. Das erste Quartal 2026 spricht auf den ersten Blick eine klare Sprache: Spar zieht weiter davon. Die Story dazu lesen Sie hier

Man muss es klar sagen: Der Salzburger Marktführer macht seit Jahren vieles richtig. Vor allem in der Sortimentspolitik arbeitet Spar ausgesprochen konsequent und erfolgreich. Dazu kommt eine bemerkenswerte Stabilität im Management. Eine personelle Kontinuität, die sich seit der Gründung der Spar Österreichische Warenhandels-AG im Jahr 1970 durchzieht und in dieser Form in Österreich selten geworden ist. Auch die über viele Jahrzehnte gewachsene Kaufleute-Struktur der Tanne trägt einen wichtigen Beitrag zur Erfolgsgeschichte bei. 

Trotzdem gehört zur Wahrheit auch ein zweiter Blick. Spar kommt historisch aus dem Westen Österreichs und war im Osten des Landes lange deutlich schwächer vertreten. Erst mit der Übernahme der Meinl-Filialen vor rund 25 Jahren änderte sich das nachhaltig. Seit damals investiert der Konzern massiv in den Ausbau seiner Präsenz im Osten. Genau dort liegt heute ein wesentlicher Wachstumsvorteil.

Denn Rewe, der größte Mitbewerber, war traditionell immer schon stark im Osten positioniert. Deshalb sind die Expansionsmöglichkeiten hier naturgemäß auch begrenzt. Richtung Westen wiederum werden die Wachstumsperspektiven deutlich schmäler. Oder anders gesagt: Spar hat geografisch schlicht die besseren Karten für weiteres Wachstum.

Das schmälert die Leistung des Marktführers keineswegs. Im Gegenteil. Spar hat sich diese Position redlich verdient, auch wenn die Marktanteile teuer erkauft sind. Denn der Wettbewerb im österreichischen Lebensmittelhandel ist beinhart. Und genau deshalb kann ich die ständigen Beschwerden über angeblich mangelnden Wettbewerb längst nicht mehr ernst nehmen.

Denn das Gegenteil ist der Fall.

Täglicher Preiskampf, enorme Investitionen, aggressiver Expansionsdruck und permanente Konkurrenz um Kund:innen, Standorte und Marktanteile prägen diesen Markt. Und dabei habe ich noch gar nicht die Diskonter Hofer und Lidl erwähnt, die ebenso erfolgreich mitmischen. Nein, der österreichische Markt ist hoch kompetitiv. Wer hier dauerhaft erfolgreich sein will, braucht Strategie, Kapital, Konsequenz und vor allem eines: einen langen Atem.

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