Mangelnde Masse als Alarmsignal
Wenn das Geld nicht einmal für das Insolvenzverfahren reicht

| Tobias Seifried 
| 19.04.2026

Trotz eines leichten Rückgangs der Firmenpleiten im ersten Quartal bleibt die Lage am österreichischen Wirtschaftsstandort angespannt. Während Handel und Bau erste Erholungstendenzen zeigen, verschärft sich die Situation anderen Ortes massiv. 

Im ersten Quartal 2026 verzeichnete Österreich laut aktueller KSV1870-Auswertung 1.769 Unternehmensinsolvenzen, was einem leichten Rückgang von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Im Durchschnitt mussten somit täglich fast 20 Betriebe Insolvenz anmelden. Die vorläufigen Passiva sanken deutlich um 17,7 Prozent auf rund 2,16 Milliarden Euro. Dieser Wert wird jedoch maßgeblich durch die Großinsolvenz der Laura Privatstiftung mit rund einer Milliarde Euro beeinflusst; ohne diesen Einzelfall läge der Rückgang der Passiva bei etwa 59 Prozent. 

Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz, sieht darin einen "positiven Funken", betont jedoch: "Die Firmenpleiten liegen weiterhin auf einem hohen Niveau". Für eine nachhaltige Trendumkehr sei es angesichts neuer Krisenherde deutlich zu früh. 

Strukturelle Verschiebungen und "mangelnde Masse"

Ein kritisches Alarmsignal für den Standort ist der Anstieg der mangels Masse nicht eröffneten Verfahren um 9,5 Prozent. Bereits 41 Prozent aller Fälle entfallen auf diese Kategorie, da betroffene Betriebe die Verfahrenskosten von 4.000 Euro nicht mehr aufbringen können. Götze warnt, dass dadurch die finanziellen Verluste der Gläubiger:innen weiter steigen würden, da eine professionelle Aufarbeitung unmöglich sei. Er regt an, über gesetzliche Anpassungen im Umgang mit derartigen Fällen nachzudenken. 

Lichtblick im Handel, Druck auf Gastronomie 

Während der Handel (294 Fälle, minus 4 Prozent) und das Baugewerbe (261 Fälle, minus 7 Prozent) leichte Rückgänge verzeichnen, spitzt sich die Lage in der Gastronomie und Beherbergung mit 230 Fällen und einem Zuwachs von 16 Prozent weiter zu. Laut dem KSV1870-Experten habe sich die Lage hier in den vergangenen Monaten weiter verschärft. Er führt dies auf einen Mix aus hohen Betriebskosten, einer schwachen Gesamtlage sowie strukturellen Problemen wie Personalmangel und geringen Gewinnmargen zurück.

Milliarden-Pleite und das Ranking der Passiva

Ein prägendes Merkmal des ersten Quartals 2026 ist die Konzentration hoher Schulden auf wenige Einzelfälle. Insgesamt wurden 19 Großinsolvenzen mit Passiva von jeweils über zehn Millionen Euro verzeichnet. An der Spitze steht die Laura Privatstiftung (LEADERSNET berichtete), deren vorläufige Verbindlichkeiten mit rund 1,07 Milliarden Euro fast die Hälfte der gesamten österreichischen Passiva ausmachen. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der extremen Großfälle mit über 50 Millionen Euro, Passiva jedoch von neun auf drei Verfahren.

Nachfolgend die zehn größten Insolvenzfälle des ersten Quartals 2026, gereiht nach ihren vorläufigen Passiva:

Rang Unternehmen Sitz 
Passiva (in Mio. Euro)
1 Laura Privatstiftung Innsbruck (Tirol) 1.072
2 LL-resources GmbH Graz (Steiermark) 131
3 Domaines Kilger GmbH & Co KG Gamlitz (Steiermark) 82
4 Mediashop GmbH Neunkirchen (Niederösterreich) 46
5 Essi Helmut Wien 45
6 Wollsdorf International GmbH Wollsdorf (Steiermark) 33
7 Da Vinci Waldgarten GmbH Wien 27
8 Wollsdorf Leder Schmidt & Co. Ges.m.b.H. St. Ruprecht a.d. Raab (Steiermark) 26
9 NeFa Beteiligung und Verwaltung GmbH Wien 25
10 Sieben Dörfer Immobilien GMBH Wien 20

Regionale Unterschiede und Ausblick 

Auf Bundesländerebene zeigt sich ein diverses Bild. Während Vorarlberg einen massiven Anstieg der Fallzahlen um 41,5 Prozent meldet, konnte in Salzburg ein Rückgang von 29,2 Prozent beobachtet werden. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der KSV1870, dass das Vorjahresniveau bei den Insolvenzen eher nicht überschritten werde. Dennoch bleibe eine seriöse Prognose aufgrund globaler Spannungen und der Auswirkungen des neuen Betrugsbekämpfungsgesetzes 2026 (BBKG 2026) schwierig.

www.ksv.at

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