KSV1870: Corona-Krise ist für jede 7. Firmenpleite verantwortlich

90 Prozent der heimischen Unternehmen müssen sich mit den finanziellen Folgen der Pandemie beschäftigen.

Die Corona-Krise hat Österreichs Wirtschaft seit über einem Jahr fest im Griff: Neun von zehn heimischen Unternehmen müssen sich mit den finanziellen Folgen der Pandemie beschäftigen, trotzdem ist die Corona-Krise in den vergangenen zwölf Monaten nicht zum Auslöser Nummer eins von Firmenpleiten mutiert – das sind weiterhin zu fast 40 Prozent operative Ursachen. Daneben setzt sich ein Trend des Vorjahres fort: In den vergangenen sechs Monaten wurden hierzulande um rund 60 Prozent weniger Firmenpleiten als vor der Krise gezählt.

"Das auf den ersten Blick positive Ergebnis ist für die heimische Wirtschaft alles andere als erfreulich. Langfristig gesehen können dadurch weitaus gravierendere Probleme entstehen als dies zum jetzigen Zeitpunkt ohnehin schon der Fall ist", erklärt Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz.

COVID-19 beschleunigt finanziellen Notstand

Unbeeindruckt von der anhaltenden Weltwirtschaftskrise sind operative Ursachen (39 Prozent) trotz eines kleinen Minus von 3,5 Prozent gegenüber 2019 nach wie vor der mit Abstand häufigste Auslöser einer Firmenpleite in Österreich. Zu den operativen Mängeln zählen Absatz- und Finanzierungsschwächen, eine schlechte Kostenstruktur aufgrund einer fehlerhaften Organisation, mangelndes Controlling und Fehler in der Auswahl oder Führung von Mitarbeitern.

Auf Platz zwei rangieren mit 19 Prozent "Unbeherrschbare Umstände" – zu dieser Kategorie zählt auch die Corona-Krise mit knapp 14 Prozent. Darüber hinaus tritt die Pandemie zum Teil auch als Beschleuniger von Insolvenzen in Erscheinung, deren ursächliche Gründe eigentlich andere sind.

"Es ist zu erwarten, dass der Faktor Corona ab jenem Moment steigen wird, in dem die staatlichen Hilfsgelder ein Ende finden. Spätestens ab diesem Zeitpunkt müssen auch jene Unternehmen der finanziellen Realität ins Auge blicken, die aktuell künstlich am Leben gehalten werden", so Götze. Dann werde für viele Betriebe der Schuldenberg nicht mehr zu stemmen sein und es bestehe vielerorts die Gefahr einer vollständigen Liquidation. Das auch deshalb, weil seitens der Unternehmen häufig zu lange mit einer Sanierung gewartet werde und in einem späten Stadium mitunter nicht einmal mehr die Gerichtskosten gedeckt werden können.

Rechtzeitige Sanierung als Ausweg

Der KSV1870 appelliert an finanziell gefährdete Unternehmen, sich frühzeitig mit den Möglichkeiten einer Sanierung zu beschäftigen, um eine vollständige Liquidation der Firma tunlichst zu vermeiden. "Am Ende des Tages muss das Hauptaugenmerk darauf gerichtet werden, möglichst viele Jobs zu retten, um die Existenzgrundlage der Menschen nicht zu gefährden", so Götze.

Zusätzlich geht es auch darum, dass nicht noch mehr Betriebe in eine finanzielle Instabilität geraten, die aktuell auf wirtschaftlich gesunden Beinen stehen. Das würde aus volkswirtschaftlicher Sicht eine weitere nachhaltige Schwächung des gesamten Wirtschaftsstandortes Österreich bedeuten.

Gründungsfehler treiben Firmen in den Ruin

Ein Faktor, der nach wie vor zahlreiche Betriebe in die Insolvenz schlittern lässt, sind mit etwas mehr als 17 Prozent (gegenüber 20,9 Prozent in 2019) gravierende Gründungsfehler seitens der Unternehmer selbst. Hier sind vor allem fehlendes Branchen-Know-how, das Fehlen jeglicher Eignung als Unternehmer oder zu geringes Eigenkapital zu nennen. Knapp dahinter auf Position vier rangiert mit knapp 15 Prozent persönliches Verschulden bzw. Fahrlässigkeit. Zu dieser Kategorie zählen strafbare Handlungen, die Nachlässigkeit der Geschäftsführung oder zu hohe Entnahmen.

Strategische Fehler eher die Ausnahme
Im Gegensatz zu den Jahren zuvor sind strategische Ursachen mit knapp sechs Prozent im Moment etwas seltener (-4,6 Prozent gegenüber 2019) der Auslöser für eine Firmenpleite. Als Hauptgrund ist hier eine mangelhafte oder zu späte Reaktion auf etwaige Marktveränderungen zu nennen. Darüber hinaus sind externe Vorkommnisse (knapp vier Prozent) in Form von plötzlich auftretenden rechtlichen Änderungen, kurzfristig veränderten Finanzierungsrahmen oder einem zahlungsunfähigen Geschäftspartner weiterhin jene Ursachen, die in den seltensten Fällen zu einer Insolvenz führen.

Ausblick: Anstieg erst im 2. Halbjahr 2021 erwartet

"Der österreichischen Wirtschaft geht es angesichts der anhaltenden Corona-Krise deutlich schlechter als es die aktuellen Insolvenzzahlen vermuten ließen. Dass es nach wie vor eine derart geringe Anzahl an Firmenpleiten gibt – im ersten Quartal 2021 wurde der niedrigste Wert an Firmenpleiten seit 1977 erzielt – und sich darüber hinaus auch die Corona-bedingten Fälle in einem überschaubaren Ausmaß bewegen, ist nicht zuletzt den politischen Kunstgriffen ins heimische Insolvenzsystem geschuldet", gibt der KSV1870 zu bedenken.

Aus heutiger Sicht geht der KSV1870 davon aus, dass sowohl die Zahl der Firmenpleiten als auch jene der Corona-bedingten Insolvenzen frühestens im Herbst 2021 steigen werden. Zudem ist es durchaus vorstellbar, dass am Ende des laufenden Jahres die Zahl der Firmenpleiten nicht dramatisch höher ausfallen könnte als im Vorjahr. (as)

www.ksv.at

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Insolvenzursachen bei Unternehmen

1. Operative Ursachen – 39,1 Prozent

  • Fehler in der Auswahl oder Führung der Mitarbeiter – 0,9 Prozent
  • Absatzschwächen (Werbung, Vertrieb & Kalkulation) – 11,7 Prozent
  • Schlechte Kostenstruktur durch Mangel in der Organisation – 8,4 Prozent
  • Schwächen bei Finanzierung, Liquidität oder Forderungsbetreibung – 10,3 Prozent
  • Schwächen bei Planung bzw. mangelndes Controlling – 7,8 Prozent

2. Unbeherrschbare Umstände – 19,3 Prozent

  • Naturkatastrophen, Kriegshandlungen, Terrorismus oder Pandemien – 13,6 Prozent
  • Krankheit, Probleme oder Unglücksfälle im persönlichen Umfeld – 5,7 Prozent

3. Gründungsfehler – 17, 4 Prozent

  • Zu wenig Eigenkapital bei Gründung – 4,2 Prozent
  • Fehlendes Know-how zu Branche oder Betriebswirtschaft & Unerfahrenheit – 7,4 Prozent
  • Fehlen jedweder Eignung ein Unternehmen zu gründen – 5,7 Prozent

4. Persönliches Verschulden & Fahrlässigkeit – 14,9 Prozent

  • Vernachlässigung der Geschäftsführung – 6,4 Prozent
  • Zu hohe Entnahmen/Einlagenrückgewähr – 1,7 Prozent
  • Spekulation ohne betriebliche Veranlassung – 0,2 Prozent
  • Strafbare Handlungen – 6,6 Prozent

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