Fotos & Video der Fachkonferenz von Business Circle
Vergabeforum 2026 beleuchtete die Zukunft der öffentlichen Beschaffung

Bei der Fachkonferenz von Business Circle drehte sich alles um das neue Vergaberechtsgesetz. Außerdem standen Vorträge rund um KI, Resilienz und nachhaltige Beschaffung auf dem Programm. LEADERSNET.tv war vor Ort und holte die Verantwortlichen und namhafte Gäste vor die Kamera.

Wenn Bund, Länder, Gemeinden oder öffentliche Unternehmen Bauleistungen, Software oder Dienstleistungen einkaufen, gelten dafür strenge Spielregeln. Das Vergaberecht soll Wettbewerb und Transparenz sichern und für einen sorgsamen Umgang mit Steuergeld sorgen, ist dabei aber ständig in Bewegung. Heuer erlebte Österreich mit dem Vergaberechtsgesetz 2026 eine umfassende Reform. Es ist seit März in Kraft und ändert das Bundesvergabegesetz 2018 in zahlreichen Punkten. Gleichzeitig hat die EU-Kommission bereits einen Vorschlag für eine Neuordnung des europäischen Vergaberechts vorgelegt.

Für Auftraggeber:innen und Bieter:innen bringt das neue Pflichten, aber auch neue Spielräume. Wie diese in der Praxis aussehen, war am 22. und 23. Oktober Thema beim 24. Vergabeforum von Business Circle, für das sich die heimische Vergabe-Community im Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien versammelte.

Eine Community mit vielen Stammgästen

Das Vergabeforum gilt seit mehr als zwei Jahrzehnten als größte Plattform für das öffentliche Auftragswesen in Österreich. Initiiert hat es Gerhard Pichler, CEO von Business Circle, während die fachliche Leitung bei Michael Fruhmann (Leiter der Stabsstelle Vergaberecht im Bundesministerium für Justiz) und Johannes Schramm (Schramm Öhler Rechtsanwälte) liegt.

"Das Besondere am Vergabeforum ist, dass wir – wie auch schon in den letzten Jahren – bereits über 500 Teilnehmende sind und über 70 Prozent davon dieses Forum schon seit vielen Jahren begleiten. Sie machen das Forum zu dem, was es ist, nämlich zu einer starken Community. Hier wird Wissen geteilt, es werden Erfahrungen ausgetauscht und neue Perspektiven gewonnen, und das neben dem Kern des Vergabeforums, dem jährlichen Update im Vergaberecht", erklärte Pichler im LEADERSNET.tv-Video.

An beiden Konferenztagen wechselten sich Plenarveranstaltungen mit parallelen Fachforen ab. Die Fachforen waren jeweils einem von drei Formaten zugeordnet: Kompakte Updates zu aktuellen Entwicklungen gab es ebenso wie Deep-Dives zu Spezialfragen und Praxisberichte aus der Umsetzung. So konnten die Besucher:innen ihr Programm nach den eigenen Schwerpunkten zusammenstellen.

Das neue Vergaberechtsgesetz im Fokus

Den inhaltlichen Auftakt machte traditionell Fruhmann mit seinem Update zu den Neuerungen im österreichischen und europäischen Vergaberecht. Dabei zog er eine erste Bilanz zum Vergaberechtsgesetz 2026. Die Reform betrifft unter anderem die Schwellenwerte, die grüne Beschaffung, das Bestangebotsprinzip, die Eignungsprüfung und die Selbstreinigung von Unternehmen. Außerdem bringt sie ein neues Bekanntmachungs- und ein neues Gebührensystem. Fruhmann analysierte zudem den Vorschlag der EU-Kommission zur Reform des EU-Vergaberechts und gab einen Überblick über weitere Initiativen auf Unionsebene. Dazu zählen etwa der Net-Zero Industry Act, das geplante Kreislaufwirtschaftsgesetz und Fragen der digitalen Souveränität.

Wie gewohnt bekam auch die aktuelle Rechtsprechung viel Raum. Stefan Ullreich (Finanzprokuratur) befasste sich mit Entscheidungen von VwGH und VfGH, Karin Schnabl (Landesverwaltungsgericht Steiermark) mit der Judikatur der Landesverwaltungsgerichte. Hubert Reisner (Bundesverwaltungsgericht) beleuchtete die aktuelle Spruchpraxis seines Hauses und Alice Lea Nikolay-Ullreich (Verfassungsgerichtshof) die jüngsten Urteile des EuGH. Weitere Fachforen widmeten sich unter anderem Schadenersatzansprüchen aus Vergabeverfahren, dem sogenannten Verhandlungsverbot im offenen Verfahren und nachträglichen Vertragsänderungen. Martina Harrer (Weber Harrer Rechtsanwälte) ging dabei etwa der Frage nach, wie viel Änderung ein Bauvertrag verträgt und welche Rolle Optionen und Änderungsklauseln spielen.

Von KI bis Krisensicherheit

Neben den juristischen Grundlagen ging es auch um Zukunftsthemen. Gleich mehrere Vorträge drehten sich um Künstliche Intelligenz (KI). Dabei ging es einerseits darum, wie KI-Lösungen rechtssicher ausgeschrieben werden. Andererseits wurde diskutiert, was KI bei der Prüfung von Angeboten heute schon leisten kann und warum die Verantwortung dafür beim Menschen bleibt. Ein verwandtes Thema behandelten Johannes Stalzer (Schönherr Rechtsanwälte) und Sabine Koller (Bundesrechenzentrum). Sie zeigten, worauf es bei der Beschaffung von Software ankommt, von der Wahl zwischen Cloud und eigenem Server bis zu Lizenzbedingungen und der Abhängigkeit von einzelnen Herstellern.

Um Resilienz und Cybersicherheit im Vergaberecht ging es überdies im Vortrag von Berthold Hofbauer (Heid & Partner Rechtsanwälte). Eng damit verbunden war das Fachforum von Matthias Öhler (Schramm Öhler Rechtsanwälte) und ANKÖ-Geschäftsführer Emir Prcić, die der Frage nachgingen, ob öffentliche Auftraggeber:innen Waren aus China ausschließen dürfen oder sogar müssen. Auch die Nachhaltigkeit kam nicht zu kurz und erstreckte sich thematisch von der grünen Vergabe nach der Novelle bis zu konkreten Kriterien für Bauprojekte.

Mut zu neuen Wegen

Neue Wege in der Beschaffung zeigte Martin Schiefer (Schiefer Rechtsanwälte) auf, der in seinem Vortrag erläuterte, wie öffentliche Auftraggeber:innen gemeinsam mit privaten Partnern neue Einnahmequellen erschließen und Projekte über alternative Finanzierungsmodelle umsetzen können. Wie viel Spielraum das Vergaberecht grundsätzlich lässt, beleuchteten Karlheinz Moick (FSM Rechtsanwälte) und Florian Kromer (ÖBB-Holding) in ihrem Fachforum zur Frage, wo Auftraggeber:innen mutig sein dürfen und wo nicht.

Um Mut ging es auch bei der "Final Inspiration" am ersten Abend: Extremsportler Wolfgang Fasching hat das Race Across America dreimal gewonnen, den Mount Everest bestiegen und die höchsten Gipfel aller Kontinente erklommen – in seiner Keynote erläuterte er nun, wie viele Grenzen eigentlich nur im eigenen Kopf existieren. Ausklingen ließen die Teilnehmer:innen den ersten Konferenztag bei der traditionellen Vergabe-Party. Am zweiten Tag setzte hingegen das "Vergabeplenum" den Schlusspunkt. Christian Gruber und Gregor Stickler von Schramm Öhler Rechtsanwälte präsentierten hierbei die Highlights der Zukunftsstudie "Vergaberadar 2030", bevor sich die Vortragenden den "brennenden Fragen im Vergaberecht" stellten.

Unsere Interviewpartner:innen

Neben Gerhard Pichler (CEO | Business Circle) holte Moderatorin Anna Maria Scherfler (Marketing Managerin | Business Circle) für LEADERSNET.tv auch noch Karlheinz Moick (Partner | FSM RAe), Berthold Hofbauer (Rechtsanwalt und Partner | Heid & Partner RAe), Stefan Ullreich (Leitender Prokuraturanwalt | Finanzprokuratur), Emir Prcić (Geschäftsführung | ANKÖ), Karin Schnabl (Richterin | Landesverwaltungsgericht Steiermark), Gregor Stickler (Partner | Schramm Öhler RAe), Michael Fruhmann (Leiter der Stabsstelle Vergaberecht BMJ) und Wolfgang Fasching (Extremsportler, Akademischer Mentalcoach, Bestseller-Autor) vor die Kamera.

Eindrücke finden Sie zudem in unserer Galerie.

www.businesscircle.at

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