Am Nationalfeiertag setzte der ORF auf eine neue technische Lösung für seine Live-Berichterstattung aus der Wiener Innenstadt. Anstelle herkömmlicher Übertragungswagen kamen mobile Kamerateams zum Einsatz, die ihre Bildsignale über ein nicht-öffentliches 5G-Netz von Big Blue Marble direkt an den ORF-Mediencampus übermittelten. Damit erprobte der Sender erstmals diese Form der Remote-Produktion bei seiner Berichterstattung zum Nationalfeiertag.
Fünf Kameras für die mobile Live-Produktion
Für die Übertragungen waren insgesamt fünf speziell ausgestattete Kameras im Einsatz. Jede davon verfügte über zwei SIM-Karten für das Mobilfunknetz von Big Blue Marble. Mithilfe von LiveU-Systemen wurden die Videosignale unmittelbar in den ORF-Mediencampus übertragen.
Auf diese Weise realisierten die ORF-Teams unter anderem zwei Live-Schaltungen in die "Zeit im Bild" um 9 und 13 Uhr sowie Beiträge für eine Sondersendung. Übertragungswagen am Veranstaltungsort waren dafür nicht notwendig.
Ein wesentlicher Vorteil der eingesetzten Technologie liegt in der Unabhängigkeit vom öffentlichen Mobilfunk. Besonders bei Großveranstaltungen, bei denen zahlreiche Menschen gleichzeitig ihre Smartphones nutzen, können öffentliche Netze stark beansprucht werden.
"Gerade bei Veranstaltungen mit sehr vielen Menschen und damit einer hohen Auslastung im öffentlichen Mobilfunk zeigt sich eindrucksvoll der Vorteil eines dedizierten, autarken Netzes", sagt Harald Kräuter, ORF-Direktor für Technik und Digitalisierung.
Dadurch könne der ORF auch unter anspruchsvollen Bedingungen wichtige Informationen zuverlässig und in hoher Qualität an sein Publikum übermitteln, so Kräuter.
Technik bereits im Vorfeld getestet
Dem Einsatz am 26. Oktober gingen mehrere technische Erprobungen voraus. Das private 5G-Netz war bereits vor dem Nationalfeiertag eingerichtet und unter anderem beim Tag des Sports am Wiener Heldenplatz getestet worden.
Dabei stand nicht ausschließlich die Übermittlung von Kamerabildern im Mittelpunkt. Auch die interne Abstimmung zwischen den Produktionsteams wurde über die neue Mobilfunkinfrastruktur erprobt. Dafür verwendeten die Beteiligten ein Intercom-System mit zehn eigens ausgestatteten iPhones, die mit SIM-Karten von Big Blue Marble betrieben wurden.
Für Michael Wagenhofer, Group CEO von Big Blue Marble, geht das Vorhaben über den konkreten Einsatz bei einer Fernsehübertragung hinaus. Mit dem nicht-öffentlichen 5G-Netz in der Wiener Innenstadt würden wertvolle Erfahrungen für künftige Rundfunkproduktionen gesammelt. Gleichzeitig entstehe eine offene Innovationsplattform für die gesamte Medienbranche, erklärte Wagenhofer.
Weitere Einsatzmöglichkeiten im Regierungsviertel
Die Zusammenarbeit zwischen dem ORF und Big Blue Marble im Bereich neuer Produktionstechnologien wurde bereits Anfang des Jahres bei den Hahnenkammrennen in Kitzbühel vorangetrieben. Im Rahmen eines Pilotprojekts standen damals vor allem die technischen Anforderungen von Sportübertragungen im Mittelpunkt.
In Wien liegt der Schwerpunkt nun auf weiteren Einsatzbereichen. Das eingerichtete Testgebiet in der Innenstadt bietet die Möglichkeit, unterschiedliche Produktionssituationen unter realen Bedingungen zu untersuchen. Dazu zählen insbesondere Pressekonferenzen und größere Veranstaltungen im Regierungsviertel.
Neben der Übertragung über Mobilfunk beschäftigen sich die gemeinsamen Innovationsaktivitäten auch mit cloudbasierten Produktionsabläufen. Dabei sollen verschiedene technische Lösungen für die Anforderungen künftiger Fernsehproduktionen erprobt werden.
Mehr Bewegungsfreiheit für Nachrichtenteams
Gerade in der aktuellen Nachrichtenberichterstattung spielen kurze Reaktionszeiten und flexible Einsatzmöglichkeiten eine wichtige Rolle. Mobile Produktionssysteme sollen es den Teams erleichtern, rasch auf Ereignisse zu reagieren, ohne dabei auf umfangreiche technische Infrastruktur am jeweiligen Standort angewiesen zu sein.
Sebastian Blaha, Leiter ORF Newsroom Technik, unterstreicht die Bedeutung dieser Entwicklung: "Im Nachrichtenalltag müssen wir schnell vor Ort sein und flexibel auf neue Entwicklungen reagieren können."
Deshalb arbeite der ORF an Produktionsverfahren, die den Teams mehr Bewegungsfreiheit ermöglichen, sich zuverlässig in bestehende redaktionelle Abläufe integrieren lassen und zugleich die Produktionskosten reduzieren sollen, erläuterte Blaha.
www.bigbluemarble.com
www.orf.at
Kommentar veröffentlichen