Außenhandel
Österreichs Agrarexporte legen zu, Handelsdefizit deutlich reduziert

| Wolfgang Zechner 
| 27.10.2026

Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Exporte auf 8,73 Milliarden Euro, während die Importe zurückgingen. Besonders Rindfleisch, Käse und Äpfel verzeichneten deutliche Zuwächse. 

Österreichs Agraraußenhandel entwickelt sich trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen vergleichsweise stabil. Laut vorläufigen Daten der Statistik Austria, die von der AMA-Marketing ausgewertet wurden, erhöhte sich der Wert der Agrarexporte im ersten Halbjahr 2026 um ein Prozent auf 8,73 Milliarden Euro. Da gleichzeitig die Importe zurückgingen, verringerte sich das Handelsdefizit gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp 394 Millionen Euro. Die Exportmenge blieb mit rund 5,17 Millionen Tonnen nahezu unverändert.

Deutschland bleibt wichtigster Handelspartner

Mehr als 80 Prozent der österreichischen Agrarexporte gingen im ersten Halbjahr 2026 in die Europäische Union. Deutschland behauptete mit einem Exportwert von 3,35 Milliarden Euro und einem Anteil von 38,4 Prozent seine Spitzenposition. Dahinter folgten Italien mit rund 931 Millionen Euro sowie Ungarn, die Niederlande, die Schweiz und Tschechien.

Während die Ausfuhren nach Deutschland leicht um 0,5 Prozent zurückgingen, entwickelten sich andere europäische Absatzmärkte positiv. Italien verzeichnete ein Plus von 4,3 Prozent, die Niederlande legten um sechs Prozent und Tschechien um 9,9 Prozent zu.

Bemerkenswert ist auch die Handelsbilanz mit Deutschland: Da die Einfuhren aus dem Nachbarland um vier Prozent auf 3,07 Milliarden Euro sanken, erzielte Österreich hier einen Überschuss von 283 Millionen Euro.

"Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich Österreichs Agrar- und Lebensmittelwirtschaft auch in einem herausfordernden Umfeld auf internationalen Märkten gut behauptet", erklärt Christina Mutenthaler-Sipek, Geschäftsführerin der AMA-Marketing. Die zunehmende Nachfrage in anderen europäischen Ländern eröffne zusätzliche Absatzchancen.

Rindfleisch, Geflügel und Käse legen zu

Zu den wertmäßig wichtigsten tierischen Exportprodukten zählen Wurstwaren und Speck mit 478 Millionen Euro, Käse mit 459,3 Millionen Euro sowie Rindfleisch mit 366,3 Millionen Euro. Besonders kräftig entwickelten sich die Rindfleischexporte. Ihr Wert stieg um 12,2 Prozent, die ausgeführte Menge um 3,8 Prozent auf rund 45.500 Tonnen. Auch Geflügelfleisch legte zu: Die Exportmenge erhöhte sich um 10,2 Prozent, der Warenwert um 9,2 Prozent auf 194,7 Millionen Euro. Bei Käse stiegen die Ausfuhren mengenmäßig um 13 Prozent, während der Exportwert um 2,7 Prozent auf 459,3 Millionen Euro zunahm. Noch dynamischer entwickelte sich fermentierte Milch, darunter Joghurt und Sauerrahm. Hier erhöhten sich die Mengen um 22,2 Prozent und die Erlöse um 20,5 Prozent auf 180,3 Millionen Euro.

Nicht alle Produktgruppen profitierten gleichermaßen. Bei Milch stieg die Exportmenge zwar um 6,7 Prozent, der Warenwert sank jedoch aufgrund niedrigerer Preise um 7,4 Prozent. Auch bei Eiern zeigt sich eine gegenläufige Entwicklung: Trotz rückläufiger Mengen erhöhten sich die Exporterlöse um 9,3 Prozent.

Apfelexporte steigen um mehr als 60 Prozent im Wert

Auch bei Obst und Gemüse verzeichnete Österreich deutliche Zuwächse. Die Gemüseexporte legten mengenmäßig um 19,6 Prozent und wertmäßig um 5,2 Prozent auf 128,3 Millionen Euro zu. Bei Obst stiegen die ausgeführten Mengen um 17,8 Prozent, die Erlöse um 13,9 Prozent auf 161,1 Millionen Euro. Besonders auffällig ist die Entwicklung bei Äpfeln. Nach einem schwächeren ersten Halbjahr 2025 erhöhte sich die Exportmenge um 56,1 Prozent auf knapp 24.800 Tonnen. Der Warenwert stieg sogar um 63,5 Prozent auf 25,3 Millionen Euro.

Die unterschiedlichen Entwicklungen zeigen allerdings auch, dass steigende Exportmengen nicht automatisch höhere Erlöse bedeuten. Während etwa Käse und Obst sowohl mengenmäßig als auch wertmäßig zulegen konnten, führten niedrigere Preise bei Milch und Getreide trotz größerer Ausfuhrmengen zu rückläufigen Exportwerten.

www.amainfo.at

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