Im Wirtschaftstalk verraten Ursula Simacek (CEO Simacek Holding) und Gernot Schmidt-Schmiedbauer (Gründer & CEO Artcare) unter anderem, wie man sich Werke namhafter Künstler:innen ins Büro holt, ohne sie kaufen zu müssen, und warum sich das auch steuerlich auszahlt.
Die neue Folge "Peter & Paul" dreht sich dieses Mal rund um das Thema "Bilder, die Ihre Sprache sprechen". Dazu spricht Paul Leitenmüller (CEO Opinion Leaders Network) mit seinen beiden Gästen Ursula Simacek (CEO Simacek Holding) und Gernot Schmidt-Schmiedbauer (Gründer & CEO Artcare). Gedreht wurde die aktuelle Folge in den Räumlichkeiten von Artcare im dritten Wiener Gemeindebezirk.
Kunst als nächste Stufe der Gebäudepflege
Mit Reinigung, Schädlingsbekämpfung, Wäscherei und Verpflegung deckt die Simacek Holding als Facility-Management-Unternehmen ein breites Leistungsspektrum ab und ist in zahlreichen Bürogebäuden, Gesundheitseinrichtungen und Hotels tätig. Für Ursula Simacek, CEO der Simacek Holding, ist der Schritt zur Kunst deshalb ein logischer: "In all unseren Bereichen lautet unser Anspruch, mit Freude Lebensqualität zu schaffen. Die Kunst ist dabei das nächste Level, denn mit Bildern an den Wänden oder schönen Skulpturen lässt sich die Stimmung in einem Bürogebäude, in einer Gesundheitseinrichtung oder wo auch immer verändern." Im eigenen Headquarter etwa setzt die Unternehmerin nicht nur auf Dekoratives, sondern bewusst auch auf Werke, die polarisieren. "Manche Werke regen richtig an, und das merkt man bei den Mitarbeiter:innen. Ich sehe es jeden Tag im Office und führe viele Gespräche darüber. Die Kunst bewegt die Menschen", so Simacek.
Den passenden Pool an Werken liefert Artcare. Das Wiener Unternehmen handelt, versteigert und vermietet zeitgenössische und moderne Kunst, ist eingetragenes Auktionshaus und bietet Sammler:innen zudem eine eigene App zur Digitalisierung und Bewertung ihrer Bestände an. Am Hauptsitz mit seinen zwei Showrooms finden sich arrivierte Namen wie Erwin Wurm neben Arbeiten junger Künstler:innen. Für Gernot Schmidt-Schmiedbauer, Gründer und CEO von Artcare, liegt der Mehrwert für Unternehmen auf der Hand: "Kunst bietet ganz haptische, sinnliche Möglichkeiten, das eigene Unternehmensprofil zu zeigen, etwa mit einem Kunstwerk anstelle einer Werbetafel, das viel mehr über ein Unternehmen aussagt. Wer heute ein Büro betritt, sieht sofort die Kunst und damit auch die Menschen, die dort arbeiten, und ihre Persönlichkeit. Denn Kunst zu sammeln und zu kaufen, ist Ausdruck der Persönlichkeit."
Wie die Galerie ins Büro kommt
Das Geschäftsmodell dahinter ist bewusst einfach gehalten. Die Monatsmiete richtet sich nach dem Umfang des Werks und beginnt laut Schmidt-Schmiedbauer bei rund 20 bis 100 Euro, große oder hochpreisige Arbeiten kosten 200 bis 300 Euro. Nach einer Besichtigung vor Ort stimmt Artcare die Auswahl auf den Unternehmenszweck ab und erstellt mithilfe von KI einen Hängungsvorschlag. Rahmung in der eigenen Werkstatt, Lieferung, Hängung und Versicherung übernimmt das Unternehmen selbst. "Das Schöne an der Kunstmiete ist, dass man wirklich prominenteste Kunst hängen und sie trotzdem jederzeit wieder austauschen kann", meint der Experte.
Ausgestattet wurden auf diese Weise bereits große Beratungsunternehmen, Privatkliniken und Fünf-Sterne-Hotels. "Am Ende dieser Wertschöpfungskette steht Kunst, die steuerlich absetzbar ist, was beim Kauf in Österreich leider nicht der Fall ist", so Schmidt-Schmiedbauer. Für den Einstieg rechnet er vor: "Wer mit drei oder vier Werken für das Büro startet, ist mit 300 bis 600 Euro im Monat dabei. Es spricht also nichts dagegen, das einmal auszuprobieren. Es braucht keine Kaufentscheidung, und auch die Versicherung ist bereits geregelt." Zunehmend nutzen auch Privatpersonen das Angebot, etwa beim Bezug eines neuen Hauses, wenn zunächst fünf bis zehn Werke gemietet werden. "Man lebt mit der Kunst, sieht sie jeden Tag, und sie macht etwas mit einem. Später kann man sich dann immer noch für einen Kauf entscheiden", erklärt der Artcare-CEO.
Bei Simacek hat sich das Angebot bereits bis in die eigene Belegschaft herumgesprochen. "Unsere Mitarbeiter:innen wissen, dass sie Kunst auch privat für zu Hause mieten können. Einige leisten sich um 50 oder 200 Euro im Monat schöne Werke fürs Wohnzimmer und bekommen von Freund:innen und Familie bereits die Frage: 'Wie kannst du dir das leisten?' Simacek und Artcare machen's möglich", erzählt Ursula Simacek. Zuletzt stattete das Unternehmen beispielsweise einen Großkunden in der Steiermark mit Mietkunst aus, der nach der Hängung gleich drei Werke erwerben wollte. "Man merkt, wie schnell vor Ort eine Kaufentscheidung fällt, wenn man das Werk erst einmal ganz unkompliziert in die eigenen Räumlichkeiten geliefert bekommt", erläutert die Unternehmerin.
Transparenz als Wachstumsmotor
Nach jahrelanger Kooperation ist Simacek inzwischen an Artcare beteiligt. Als Familienunternehmen würden beide auf einer Wellenlänge liegen, so die Unternehmerin, die sich von der Beteiligung einiges erwartet: "Wir wollen alle Bereiche weiter ausbauen und stärken. Derzeit sind wir vor allem in Österreich sehr aktiv, durch unsere internationalen Verbindungen haben wir zuletzt aber auch in Deutschland viele Kontakte geknüpft. Unseren regionalen Fokus werden wir daher ausweiten." Was Simacek an Artcare besonders schätzt, ist das Preissystem: "Wer sich nicht mit Kunst auskennt und irgendwo ein Werk ansieht, kann dessen Wert kaum einschätzen. Wer bei uns eine Bewertung anfordert, erfährt hingegen genau, wie hoch Kauf- und Mietpreis sind. Das ist totale Transparenz." Mittlerweile würden sich laut Simacek auch Menschen melden, die gar nicht bei Artcare kaufen, sondern sich lediglich mit einer Bewertung für einen geplanten Kauf absichern wollen.
Dass Artcare Werte so genau beziffern kann, geht auf die Digitalisierung zurück, die Schmidt-Schmiedbauer früh vorangetrieben hat. Mit einer selbst entwickelten App erfasst das Unternehmen seit Jahren Kunstwerke samt Dokumenten und Herkunftsnachweisen. Für den Artcare-Chef ist das weit mehr als Verwaltung: "Allein eine gute Dokumentation und Provenienz können den Wert einer Sammlung meiner Einschätzung nach um zehn bis 20 Prozent steigern, denn sie sind die DNA eines Kunstwerks." Von der Vermietung profitieren aber nicht nur Unternehmen und Sammler:innen, sondern auch die Künstler:innen selbst. Jedes Werk wird mit QR-Code und Erklärungen versehen – gerade lebende Künstler:innen gelangen so in neue Räume und erreichen ein neues Publikum. "Wenn man so will, sind wir wahrscheinlich einer der größten Aussteller Österreichs, weil wir direkt bei den Unternehmen präsent sind, also genau bei jenen, die sich dafür interessieren", so Schmidt-Schmiedbauer.
Zum Abschluss wendet sich Ursula Simacek direkt an die heimischen Unternehmen: "Ich kann jedem Unternehmen nur raten, sich damit zu beschäftigen. Man kann so die eigene Corporate Identity zu den Mitarbeiter:innen und Kund:innen bringen und verstärken, was man als Unternehmen ausdrücken will. Mein Appell lautet daher: anschauen und ausprobieren. Kunst macht große Freude und schafft Lebensqualität für alle, die ins Unternehmen kommen oder sich in dem Raum aufhalten, in dem die Werke hängen."
Was Ursula Simacek und Gernot Schmidt-Schmiedbauer zum Thema "Bilder, die Ihre Sprache sprechen" noch sagen, sehen Sie in unserem Video und hören Sie in unserem Podcast. Zwischen den Themenblöcken gibt es im Video einen Rundgang durch die Räumlichkeiten von Artcare, geführt von Marian Deininger (Artdirector von Artcare).
Alle "Peter & Paul"-Folgen zum Nachschauen finden Sie hier.
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