Die wirtschaftliche Lage bleibt für zahlreiche Unternehmen angespannt. Einer aktuellen Insolvenzstudie von Acredia und Allianz Trade zufolge dürfte die Zahl der Firmenpleiten weltweit 2026 um fünf Prozent zunehmen. Für 2027 prognostizieren die beiden Unternehmen einen weiteren Anstieg um ein Prozent. Damit würde sich der Aufwärtstrend bei den Insolvenzen bereits im fünften Jahr in Folge fortsetzen. Erst 2028 sei mit einem geringfügigen Rückgang von einem Prozent zu rechnen. Als wesentliche Ursachen nennt die Untersuchung die schwache wirtschaftliche Entwicklung, hohe Finanzierungskosten und den anhaltenden Kostendruck.
Österreichische Insolvenzzahlen zeigen erste Stabilisierung
In Österreich deutet sich nach mehreren Jahren mit steigenden Unternehmensinsolvenzen eine Trendwende an. Zwischen Jänner und September 2026 wurden rund 5.100 Firmenpleiten verzeichnet. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum entspricht das einem Rückgang von knapp einem Prozent. Für das gesamte Jahr gehen Acredia und Allianz Trade von einer weitgehend unveränderten Entwicklung aus. 2027 könnte die Zahl der Insolvenzen um drei Prozent sinken.
Trotz dieser Prognose bleibt die wirtschaftliche Situation für viele Betriebe schwierig. Insbesondere die schwache Konjunktur in Deutschland wirke sich auf österreichische Unternehmen aus. Als wichtigster Handelspartner Österreichs hat die deutsche Wirtschaft großen Einfluss auf die heimische Industrie. Vor allem produzierende Betriebe stehen dadurch unter zusätzlichem Wettbewerbsdruck.
Weitere Herausforderungen ergeben sich aus der verhaltenen Konsumnachfrage, hohen Energie- und Personalausgaben sowie erschwerten Finanzierungsmöglichkeiten. Besonders häufig von Insolvenzen betroffen sind laut den Unternehmen das Baugewerbe, der Handel sowie die Gastronomie und Hotellerie. Diese Branchen vereinen rund 40 bis 45 Prozent der österreichischen Unternehmensinsolvenzen auf sich.
"Die Insolvenzzahlen in Österreich zeigen erste Anzeichen einer Stabilisierung. Von einer Entwarnung sind wir aber noch weit entfernt. Hohe Kosten, schwache Nachfrage und die anhaltende Konjunkturschwäche wichtiger Exportmärkte belasten viele Unternehmen. Entscheidend wird sein, ob sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nachhaltig verbessern", sagt Gudrun Meierschitz, Vorständin der Acredia Group.
Insolvenzrisiko sinkt trotz hoher Fallzahlen
Ein differenzierteres Bild ergibt sich beim Blick auf die Insolvenzquote. Diese verringerte sich von 1,18 Prozent im Jahr 2025 auf einen annualisierten Wert von 1,08 Prozent für 2026. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Unternehmen in Österreich deutlich erhöht. Waren 2019 noch rund 225.500 Betriebe registriert, belief sich deren Bestand Anfang 2026 bereits auf etwa 291.000.
Die weiterhin hohe Zahl an Firmenpleiten bedeutet somit nicht automatisch, dass das Insolvenzrisiko für einzelne Unternehmen im gleichen Ausmaß gestiegen ist.
Veränderungen zeigen sich auch bei der Abwicklung der Verfahren. Während weniger Insolvenzverfahren tatsächlich eröffnet werden, nimmt die Zahl jener Anträge zu, die wegen fehlenden kostendeckenden Vermögens abgewiesen werden.
Immobilienkrise wirkt weiterhin nach
Auch die Zusammensetzung der Insolvenzen verändert sich. Die besonders großen Unternehmenszusammenbrüche im Immobiliensektor dürften ihren Höhepunkt mittlerweile überschritten haben. Darauf deutet unter anderem hin, dass die gesamten Verbindlichkeiten insolventer Unternehmen 2026 deutlich unter den außergewöhnlich hohen Werten der vergangenen Jahre liegen.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Immobilienkrise sind allerdings weiterhin spürbar. Neben unmittelbar betroffenen Betrieben geraten auch Zulieferunternehmen unter Druck. Finanzinstitute zeigen sich bei der Kreditvergabe zurückhaltender, während Lieferant:innen verstärkt auf die Zahlungsfähigkeit ihrer Geschäftspartner:innen und vereinbarte Zahlungsfristen achten.
Besonders schwierig sei die Situation für Unternehmen, die stark auf Fremdkapital angewiesen seien und nur über geringe Eigenmittel verfügten.
Meierschitz verweist in diesem Zusammenhang auf die Gefahr finanzieller Engpässe: "Das eigentliche Risiko liegt in der Kombination aus schwacher Nachfrage, hohen Fixkosten und teurer Finanzierung. Wenn Margen schrumpfen und Zahlungen später eingehen, kann rasch ein Liquiditätsengpass entstehen. Umso wichtiger ist es, Geschäftspartner:innen laufend zu bewerten und Forderungsrisiken frühzeitig abzusichern."
Hohe Zinsen erschweren internationale Erholung
Auf globaler Ebene rechnen Acredia und Allianz Trade weiterhin mit einem verhaltenen Wirtschaftswachstum. Für 2026 wird eine Zunahme der weltweiten Wirtschaftsleistung um 2,6 Prozent erwartet, für 2027 um 2,8 Prozent.
Die finanziellen Rahmenbedingungen bleiben dennoch herausfordernd. Insbesondere die Zinsbelastung und hohe Energiekosten schmälern die Ertragskraft vieler Betriebe. Welche Auswirkungen steigende Finanzierungskosten haben können, verdeutlicht eine Berechnung für Westeuropa: Würden sich die Bankkreditzinsen um 100 Basispunkte erhöhen, entstünden zusätzliche Zinskosten zwischen sechs und zehn Milliarden Euro.
Ein weiterer Faktor ist die Entwicklung des Unternehmensbestands. Zwischen 2021 und 2025 nahm die Zahl aktiver Unternehmen weltweit um rund zehn Prozent zu. Gerade jüngere Betriebe verfügen häufig nur über begrenzte finanzielle Rücklagen und sind deshalb gegenüber wirtschaftlichen Schwierigkeiten besonders anfällig. In Europa schaffen es weniger als die Hälfte aller neu gegründeten Unternehmen, länger als fünf Jahre zu bestehen.
Millionen Arbeitsplätze durch Insolvenzen bedroht
Die anhaltend hohen Insolvenzzahlen haben auch erhebliche Auswirkungen auf die Beschäftigung. Laut den Berechnungen von Acredia und Allianz Trade sind 2026 und 2027 weltweit rund 2,7 Millionen Arbeitsplätze unmittelbar durch Unternehmensinsolvenzen gefährdet. Das entspricht einem Anstieg um 180.000 gegenüber 2025.
Besonders stark betroffen sei Europa, wo rund 1,6 Millionen Stellen auf dem Spiel stünden. In Nordamerika seien es etwa 650.000. In beiden Regionen könnte damit der höchste Wert seit 13 Jahren erreicht werden. Die größten Beschäftigungsrisiken konzentrieren sich auf das Bauwesen, den Einzelhandel und den Dienstleistungsbereich, so die Expert:innen.
Künstliche Intelligenz verstärkt Unterschiede zwischen Unternehmen
Neben den klassischen wirtschaftlichen Belastungsfaktoren untersucht die Studie auch mögliche Auswirkungen des technologischen Wandels. Im Mittelpunkt steht dabei der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz.
Die Analyse von acht europäischen Volkswirtschaften zeigt, dass die Nutzung von KI bislang nicht grundsätzlich mit einem Anstieg der Unternehmensinsolvenzen verbunden ist. Allerdings könnte die Technologie bestehende Unterschiede zwischen Betrieben verstärken. Das gelte insbesondere für kleinere und wirtschaftlich weniger breit aufgestellte Märkte.
Unternehmen, die KI erfolgreich in ihre Geschäftsabläufe integrierten, könnten dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Betriebe, die bei technologischen Veränderungen zurückblieben, müssten hingegen mit zunehmendem Konkurrenzdruck rechnen.
"Künstliche Intelligenz führt nicht automatisch zu mehr Insolvenzen, kann aber bestehende Wettbewerbsunterschiede verschärfen. Unternehmen, die neue Technologien erfolgreich einsetzen, stärken ihre Marktposition. Wer notwendige Anpassungen aufschiebt, gerät zunehmend unter Druck", so Meierschitz.
Weltweite Entspannung frühestens 2028 erwartet
Für die kommenden Jahre zeichnet die Studie ein unterschiedliches Bild. Während Österreich 2026 eine Stabilisierung der Insolvenzzahlen erreichen könnte und für 2027 sogar ein leichter Rückgang prognostiziert wird, dürfte sich die internationale Entwicklung zunächst weiter verschärfen.
Hohe Finanzierungsausgaben, eine schwache Konjunktur und geopolitische Unsicherheiten bleiben wesentliche Belastungsfaktoren. Eine erste leichte Verbesserung der weltweiten Insolvenzentwicklung erwarten Acredia und Allianz Trade daher erst für 2028.
Die vollständige Insolvenzstudie von Acredia und Allianz Trade finden Sie im Anhang.
www.acredia.at
www.allianz-trade.de
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