Der Wohnungsneubau in Wien dürfte auch in den kommenden Jahren rückläufig bleiben. Laut dem aktuellen Quartalsupdate des österreichischen Neubauberichts werden 2027 in der Bundeshauptstadt weniger als 10.000 Wohneinheiten fertiggestellt. Besonders auffällig ist die Entwicklung bei gewerblich errichteten Mietwohnungen. In diesem Bereich zeichnet sich gegenüber 2026 ein Rückgang um rund 80 Prozent ab.
Die Zahlen stammen aus dem dritten Quartalsupdate 2026 des ersten österreichischen Neubauberichts (siehe Infobox). Die Untersuchung wurde von Exploreal im Auftrag der Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Wien durchgeführt und ausgewertet. Während für Österreich insgesamt 2026 ein leichter Anstieg der Fertigstellungen prognostiziert wird, entwickelt sich der Wiener Markt in die entgegengesetzte Richtung.
Fertigstellungen könnten 2027 unter 10.000 fallen
Nach 11.404 fertiggestellten Wohneinheiten im Jahr 2025 rechnen die Expert:innen für 2026 mit 10.336 neuen Wohnungen. Bereits im vergangenen Jahr war das Fertigstellungsvolumen gegenüber 2024 um etwa 17 Prozent gesunken. Für das laufende Jahr wird ein weiterer Rückgang von rund neun Prozent erwartet.
Auch für 2027 deutet die Prognose auf eine Fortsetzung dieser Entwicklung hin. Mit voraussichtlich 9.651 fertiggestellten Einheiten würde die Zahl gegenüber 2026 um knapp sieben Prozent zurückgehen. Damit könnte Wien erstmals im betrachteten Zeitraum unter die Schwelle von 10.000 neuen Wohnungen fallen.
Gewerbliche Mietwohnungen besonders stark betroffen
Die größten Veränderungen zeigen sich bei den für den Mietmarkt vorgesehenen Neubauten gewerblicher Anbieter. Während für 2026 noch 2.505 Einheiten erwartet werden, sind für 2027 nach derzeitigem Erhebungsstand lediglich 494 Wohnungen angekündigt. Das entspricht einer Verringerung um etwa vier Fünftel.
Nicole Fürntrath, Obfrau der Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Wien, sieht darin eine problematische Entwicklung. "Wenn in Wien im kommenden Jahr nur rund 500 neue gewerbliche Mietwohnungen fertiggestellt werden, ist das ein Alarmsignal. Was heute nicht gebaut wird, fehlt morgen am Wohnungsmarkt", warnt Fürntrath.
Aus ihrer Sicht seien bessere Voraussetzungen für die wirtschaftliche Umsetzung von Wohnbauvorhaben notwendig. Dazu würden insbesondere verlässliche Planungsbedingungen, kürzere Genehmigungsprozesse und geeignete Finanzierungsmöglichkeiten zählen.
Eigentumswohnungen entwickeln sich gegenläufig
Anders stellt sich die Situation im gewerblichen Eigentumssegment dar. Hier soll die Zahl der fertiggestellten Wohnungen von 3.051 im Jahr 2026 auf 3.961 im Folgejahr steigen. Damit wird in diesem Bereich entgegen dem allgemeinen Trend ein deutliches Plus erwartet.
Bei den gemeinnützigen Mietwohnungen fällt die prognostizierte Veränderung hingegen vergleichsweise gering aus. Ihre Zahl dürfte von 2.740 auf 2.678 Einheiten zurückgehen. Der erwartete Anstieg bei gewerblichen Eigentumswohnungen reiche laut den vorliegenden Zahlen nicht aus, um die rückläufigen Fertigstellungen im Mietbereich auszugleichen.
Fürntrath fordert daher Maßnahmen, die neue Bauprojekte wieder erleichtern würden. "Wir brauchen Rahmenbedingungen, unter denen sich Wohnbauprojekte wieder wirtschaftlich umsetzen lassen", betont die Fachgruppenobfrau.
Angebot an Neubau-Eigentumswohnungen schrumpft
Neben den Fertigstellungsprognosen untersucht der Bericht auch die Entwicklung des verfügbaren Wohnungsangebots und der Verwertung. Österreichweit ist das Angebot an neu errichteten Eigentumswohnungen seit dem dritten Quartal 2024 rückläufig. Damals wurde der bisherige Höchststand erreicht. Seit Mitte 2025 hat sich die Abnahme weiter verstärkt.
Gleichzeitig weisen die vorläufigen Daten für das dritte Quartal 2026 auf eine etwas geringere Zahl an Transaktionen als in den vorangegangenen Quartalen hin.
Auch in Wien zeigt der Verwertungsindex zuletzt eine rückläufige Entwicklung. Nach 59 Punkten im zweiten Quartal 2026 erreichte er im dritten Quartal nur noch 50 Punkte. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte der Wert bei 55 Punkten gelegen.
Damit zeigen die aktuellen Auswertungen sowohl bei den erwarteten Fertigstellungen als auch bei der jüngsten Verwertung eine Abschwächung des Wiener Neubauwohnungsmarktes.
www.wko.at/wien
www.exploreal.at
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