Schwerpunkt Sekt und Schaumweine
Auf dem Sektmarkt prickelt es wieder

| Johannes Lau 
| 14.10.2026

Man bringe den Spritzwein: Das Geschäft mit Prosecco, Champagner, Sekt und Co. hat sich zuletzt wieder etwas erholt, auch weil die Branche inzwischen verstärkt auf die Nachfrage nach alkoholfreien Produkten reagiert.

Ballsaison, Vorweihnachtszeit, Silvester: Für die Schaumweinhersteller naht die "Crunch Time" in einer aktuell schwierigen Spielzeit. "Für uns beginnt jetzt die wichtigste Saison des Jahres", sagt Florian Czink, Geschäftsleiter bei Schlumberger in Wien-Döbling. "Das Marktumfeld bleibt anspruchsvoll. Inflation und hohe Kosten belasten weiterhin die Branche. Dennoch hoffen wir auf ein solides Weihnachtsgeschäft. Hochwertiger Schaumwein gehört zum Jahreswechsel einfach dazu."

Vor allem Geschenkpackungen seien weiterhin sehr gefragt, da Spirituosen und Sekt nach wie vor zu den beliebten Weihnachtsgeschenken gehören. Hoffnung macht darüber hinaus der Blick auf die jüngste Vergangenheit: "2025 war ein herausforderndes Jahr, insbesondere im Spirituosenbereich. Der Sektmarkt zeigte sich hingegen weitgehend stabil. Erfreulich ist, dass wir unsere starke Marktposition behaupten konnten."

So bleibt Schlumberger die umsatzstärkste und Hochriegl die absatzstärkste österreichische Sektmarke. Selbstverständlich ist das allerdings nicht: "Die Krise im Spirituosenmarkt hat bereits bei einigen Mitbewerbern deutliche Spuren hinterlassen. Für uns bedeutet das, bestehende Geschäftsmodelle zu hinterfragen, neue Wege zu gehen und Chancen zu nutzen. Wir bleiben nicht stehen, sondern gehen mit innovativen Produkten und der Erschließung neuer Geschäftsfelder neue Wege für weiteres Wachstum."

Mit der Gründung von Next Spirit Brands habe man eine Plattform geschaffen, die insbesondere mittelgroßen Getränkemarken ein Zuhause bietet. "Damit stärken wir unser Portfolio und sind auch für weitere Markenpartnerschaften offen."

Trotz dieser breiten Aufstellung sieht Czink zusätzliches Potenzial, vor allem angesichts des veränderten Konsumverhaltens: "Wir sehen eine steigende Nachfrage nach alkoholfreien Alternativen, Produkten mit reduziertem Alkoholgehalt und unkomplizierten Ready-to-Drink-Lösungen für unterwegs."

Deshalb habe man kürzlich mit Sparkling Verjus & Tea 0,0 % eine alkoholfreie Schlumberger-Sorte auf den Markt gebracht. "Trends greifen wir gezielt auf und entwickeln unser Portfolio laufend weiter. Unsere Innovationspipeline ist jedenfalls gut gefüllt und einige spannende Neuheiten stehen bereits in den Startlöchern."

Allerdings droht der Branche neues Ungemach: "Eine der größten Herausforderungen ist die geplante Erhöhung der Alkoholsteuer auf Spirituosen um 30 Prozent ab 1. Jänner 2027. Ich bezweifle, dass der Staat damit die erhofften Mehreinnahmen erzielen wird. Vielmehr wird eine ohnehin stark unter Druck stehende Branche zusätzlich belastet."

Dry January und Sober October

Der Gesamtmarktführer der österreichischen Branche, Henkell Freixenet, stammt wiederum aus Wiesbaden. Das Österreich-Geschäft wird vom zehnten Wiener Gemeindebezirk aus gelenkt. Mit einem Absatzmarktanteil von 33,6 Prozent und einem Umsatzmarktanteil von über 40 Prozent, verbunden mit einem Zuwachs von 47 Prozent gegenüber dem Vorjahr, ist das Unternehmen die klare Nummer eins. Im österreichischen Sektmarkt konnte sich Henkell Freixenet deutlich stärker als der Gesamtmarkt entwickeln und seinen wertmäßigen Marktanteil auf 30 Prozent ausbauen.

"Unter anspruchsvollen Rahmenbedingungen erneut die Marktführerschaft zu behaupten, ist für uns ein starkes Signal", freut sich Geschäftsführer Philipp Gattermayer. "Es bestätigt, dass wir mit konsequenter Qualitätsorientierung, Innovationskraft und einem breit aufgestellten Portfolio die Erwartungen der Konsumenten treffen."

Erfreulich ist das vor allem deshalb, weil auch der Sektmarkt im vergangenen Jahr unter der angespannten Wirtschaftslage, einem zurückhaltenden Konsumklima, hohen Kosten entlang der Lieferkette und einem veränderten Konsumverhalten litt.

Nach dem Rückgang 2024 erholte sich der Prosecco-Markt zuletzt jedoch deutlich. Einer Umfrage des Market Markttest zufolge ist ein wesentlicher Treiber dafür die wachsende Aperitivo-Kultur: Drei Prozent der Befragten konsumieren Aperitivo-Getränke mehrmals pro Woche, neun Prozent einmal wöchentlich und 15 Prozent monatlich. Tendenz steigend.

Auch Henkell Freixenet beobachtet eine besonders dynamische Entwicklung im alkoholfreien beziehungsweise alkoholreduzierten Sortiment. "Mindful Drinking", "Dry January" oder "Sober October" lauten die bekannten Schlagworte in diesem Zusammenhang.

Da das Unternehmen diesen Trend frühzeitig erkannt und bereits 2015 sein Sortiment entsprechend erweitert hat, kann es die steigende Nachfrage gut bedienen. Die Zahl der verfügbaren alkoholfreien Produkte ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Ein wesentlicher Schritt war die Umstellung von Henkell Alkoholfrei auf Henkell 0,0 % im vergangenen Jahr. Dabei wurde nicht nur der Markenauftritt verändert, sondern auch die Rezeptur überarbeitet. Gegenüber dem Vorgängerprodukt sank der Zuckergehalt um 30 Prozent.

"Alkoholfreier Schaumwein ist längst keine kurzfristige Bewegung mehr, sondern ein wachsendes Segment mit klarer Zukunft. Wir freuen uns, dass wir in diesem Bereich 2025 nicht nur unsere Führungsposition halten, sondern weiter ausbauen konnten", erklärt Gattermayer.

So steigerte Henkell 0,0 % seinen Umsatz um 20,9 Prozent, während Mionetto 0,0 % seinen Umsatz sogar vervierfachte. Mit seinen alkoholhaltigen Produkten legte Mionetto um 42 Prozent zu. Auch die Marke Freixenet entwickelte sich positiv.

Parallel dazu zeigt sich ein Wachstum im Premiumbereich: Champagner, Crémant und andere Qualitätsschaumweine werden beliebter. So ist Gratien Meyer Crémant mit einem Absatzmarktanteil von 18,5 Prozent klarer Spitzenreiter im Crémant-Segment. Auch bei den Kleinformaten kommt mit Henkell Piccolo ein starker Platzhirsch aus dem eigenen Haus: Im Segment der 0,2-Liter-Flaschen erreicht die Marke einen Absatzmarktanteil von 42,4 Prozent.

Gattermayer: "Unser Anspruch bleibt klar: Wir wollen nachhaltiges Wachstum sichern, unsere führende Rolle im alkoholfreien Segment weiter stärken und unseren Kunden hochwertige, zeitgemäße Schaumweine bieten. Qualität, Innovation und Kundennähe bilden dabei weiterhin die Basis unseres Erfolgs."

Aktionitis und Gerede

Während die heimischen Sektschwergewichte in der Hauptstadt residieren, sitzt nicht weit entfernt im burgenländischen Gols mit Szigeti ein weiterer bekannter Player der Branche.

Eigentümer Peter Szigeti ist ebenfalls guter Dinge und erwartet heuer ein leichtes Wachstum von drei bis fünf Prozent. Zuletzt hatten sich die steigenden Kosten in Form eines Gewinnrückgangs ausgewirkt, weil die Verkaufspreise unverändert blieben. "Wir können und wollen nicht noch weiter reduzieren, wir konzentrieren uns auf das gehobene Mittelpreissegment und die Premiumprodukte."

Die laufend steigenden Kosten seien eine große Herausforderung. Genauso schwierig sei es allerdings, die Menschen wieder zum Feiern und Konsumieren zu animieren. Auf die Frage, wo sich die Konsumzurückhaltung derzeit bemerkbar mache, verweist Szigeti auf die "Aktionitis" des Lebensmittelhandels, etwa 1+1-Aktionen, sowie auf den südländischen Mitbewerb.

Dennoch laufe das Geschäft gut. Vor allem die Premiumprodukte seien sehr gefragt, auch der Markt für alkoholfreie Alternativen wachse. "Wir haben einen Non Alcoholic im Programm und ein zweites Produkt wird bald folgen. Ich glaube aber, dass hier oft mehr geredet als vom Konsumenten gekauft wird." Schließlich haben seine Bestseller Grüner Veltliner, Welschriesling, Cuvée Prestige, Rosé und Muskat Ottonel doch noch etwas Wumms.

 

gruppe.schlumberger.at

www.henkell-freixenet.at

www.szigeti.at

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