Wie der aktuelle Finanzmonitor 2026 der UniCredit Bank Austria zeigt, legen die Österreicher:innen wieder weniger Geld zur Seite, beschäftigen sich aber zunehmend mit alternativen Möglichkeiten des Vermögensaufbaus. Besonders bei jüngeren Menschen und Frauen gewinnen Wertpapiere demnach an Bedeutung. Gleichzeitig rücke die finanzielle Absicherung der nächsten Generation stärker in den Mittelpunkt.
"Wertpapier-Veranlagung ist zur finanziellen Normalität geworden", sagt Marion Morales Albiñana-Rosner, Vorständin für Wealth Management & Private Banking der Bank Austria. Die Menschen wollten weiterhin die Sicherheit klassischer Sparformen nutzen, gleichzeitig aber auch langfristige Chancen für den Vermögensaufbau wahrnehmen.
Monatlicher Sparbetrag sinkt um 50 Euro
Sparbuch und Bausparen bleiben laut der Umfrage die beliebtesten Anlageformen in Österreich. Allerdings ist der monatliche Sparbetrag im Median von 250 Euro im Jahr 2025 auf aktuell 200 Euro gesunken. Damit liege er wieder auf dem Niveau von 2024. Parallel dazu nehmen die Sorgen um die finanzielle Absicherung im Alter zu. 53 Prozent der Befragten befürchten, ihren gewohnten Lebensstandard in der Pension nicht halten zu können. Im Jahr 2024 lag dieser Anteil noch bei 47 Prozent. Während 68 Prozent klassische Sparformen nutzen, investieren mittlerweile 36 Prozent selbst in Wertpapiere.
Weitere Ergebnisse zeigen, dass das Interesse an Aktien, Fonds und anderen Kapitalmarktprodukten langfristig deutlich gestiegen ist: 43 Prozent interessieren sich aktuell für Wertpapiere, gegenüber 26 Prozent im Jahr 2019. Die tatsächliche Nutzung hat sich im selben Zeitraum von 19 auf 36 Prozent nahezu verdoppelt.
Fast jede zweite Familie spart gezielt für Kinder
Ein wichtiger Beweggrund für den Vermögensaufbau ist die finanzielle Zukunft der eigenen Kinder. 48 Prozent der befragten Haushalte mit Kindern geben an, gezielt für ihren Nachwuchs zu sparen. Unter den Wertpapieranleger:innen mit Kindern zählen 40 Prozent die langfristige Vermögensanlage für die Familie zu ihren wichtigsten Investitionsmotiven. Auch bei Immobilien spielt die nächste Generation eine wesentliche Rolle: 56 Prozent der Haushalte mit Kindern nennen ihren Nachwuchs als Motiv für entsprechende Investitionen.
Vor diesem Hintergrund verweist die Bank Austria auf die Diskussion über ein staatliches Zukunftsdepot für Kinder. Morales Albiñana-Rosner sieht darin eine Möglichkeit, junge Menschen frühzeitig mit dem Kapitalmarkt vertraut zu machen und gleichzeitig ihre Finanzbildung zu stärken. Voraussetzung sei, dass Familien sich dabei auch mit den Risiken unterschiedlicher Anlageformen auseinandersetzen.
Junge Frauen holen bei Wertpapieren auf
Deutliche Veränderungen zeigt die Studie beim Anlageverhalten von Frauen. Während 2019 erst elf Prozent der befragten Frauen Wertpapiere nutzten, sind es mittlerweile 26 Prozent. Besonders dynamisch entwickelt sich die Altersgruppe unter 30 Jahren. Hier stieg der Anteil der Wertpapieranlegerinnen von 18 Prozent im Jahr 2023 auf 31 Prozent im Jahr 2026. Wertpapiere haben bei jungen Frauen damit das Bausparen bereits überholt. Dennoch bleibt der Unterschied zwischen den Geschlechtern beträchtlich. Während 47 Prozent der Männer Wertpapiere besitzen beziehungsweise nutzen, sind es bei Frauen lediglich 26 Prozent.
Auch bei der Generation Z insgesamt gewinnen Kapitalmarktprodukte an Bedeutung. In der Altersgruppe der 16- bis 30-Jährigen besitzen bereits 42 Prozent Wertpapiere. Rund zwei Drittel davon nutzen die Möglichkeit, regelmäßig über Wertpapier-Sparpläne zu investieren.
Klassisches Sparen verliert langfristig an Kaufkraft
Die Bank Austria verweist zudem auf die Auswirkungen der Inflation auf das Geldvermögen der österreichischen Haushalte. Nach Berechnungen der Bank mussten diese 2025 unter Berücksichtigung von Erträgen, Wertzuwächsen und Inflation im Durchschnitt einen realen Vermögensverlust von rund einem Prozent hinnehmen. Seit 2003 habe das Geldvermögen der Haushalte real rund 18 Prozent an Wert verloren, bei Bankeinlagen betrage der Kaufkraftverlust sogar etwa ein Drittel.
Wertpapierveranlagungen erzielten laut Bank Austria hingegen 2025 im Durchschnitt einen realen Ertrag von drei Prozent nach Kapitalertragsteuer. Für den Zeitraum seit 2003 errechnete die Bank einen kumulierten realen Ertrag von 23 Prozent. Dabei handelt es sich um historische Durchschnittswerte, die keine Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung einzelner Anlagen erlauben.
KI-Beratung stößt auf Interesse, Entscheidungen sollen Menschen treffen
Ein weiterer Schwerpunkt der Erhebung betrifft den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Finanzberatung. 48 Prozent der Befragten können sich grundsätzlich vorstellen, KI-gestützte Beratungsangebote zu nutzen. Bei der endgültigen Anlageentscheidung ziehen die meisten jedoch eine klare Grenze: 90 Prozent gehen davon aus, dass diese weiterhin von einem Menschen getroffen werden sollte. Zudem stimmen 73 Prozent der Aussage zu, dass KI den Zugang zu Veranlagungen erleichtern könne, erfolgreicher Vermögensaufbau aber weiterhin kompetente persönliche Beratung erfordere.
Die Bedeutung professioneller Beratung hat laut Studie zuletzt deutlich zugenommen. Während 2024 noch 41 Prozent bevorzugt auf professionelle Unterstützung bei Finanzfragen setzten, sind es 2026 bereits 59 Prozent. Damit zeichnet sich aus Sicht der Bank Austria ein Zusammenspiel digitaler Technologien und persönlicher Beratung ab. KI könne den Zugang zu Finanzprodukten erleichtern, die individuelle Entscheidung und langfristige Betreuung würden aber weiterhin eine wesentliche Rolle spielen.
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