Businessfestival
Burning Hen in Schladming zeigte, dass Betriebsnachfolge auch cool sein kann

Statt über Hofsterben und Landflucht zu klagen, ging es beim Festival der Medienplattform hektar um Zahlen, Fehler und Lösungen. Mehr als 1.000 junge Menschen waren mit dabei.

Rund 51.500 Betriebe mit knapp 692.000 Arbeitsplätzen suchen in Österreich bis 2029 eine Nachfolge - das sind laut einer Studie der KMU Forschung Austria im Auftrag der WKÖ 23 Prozent aller Arbeitgeberbetriebe, Land- und Forstwirtschaft nicht eingerechnet. Ein Teil jener Generation, die diese Lücke füllen könnte, kam am 10. Oktober in Schladming zusammen. Mehr als 1.000 junge Menschen besuchten dort das Business- und Inspirationsfestival der Medienplattform hektar unter dem Titel "Burning Hen", das heuer zum vierten Mal stattfand. Ob Hof, Werkstatt, Gasthaus oder Hotel, die meisten von ihnen wollen einen Betrieb übernehmen oder selbst gründen und holten sich in der Hohenhaus Tenne und im Planai-Stadion das nötige Rüstzeug dafür.

Betriebsübergabe mit Imagepflege

Dass die Nachfolge in vielen Betrieben stockt, liegt aus Sicht von hektar-Geschäftsführer und Festivalinitiator Karl Royer auch an der Art, wie darüber gesprochen wird. "Wer einen Betrieb übernimmt, gründet ein Start-up. Nur klingt das nicht cool, und deshalb feiert das keiner. Wir schon", meint Royer und betont: "Betriebsübernahmen brauchen einen Imagewechsel und die Wertschätzung, die sie verdienen."

Elisabeth Grießler, die hektar gemeinsam mit Royer führt, erklärt, dass man beim Festival auf Vortragende aus dem Berufsalltag setze: "Wer hier sitzt, steht am Montag wieder im Stall, in der Werkstatt oder in der Küche. Für Theorie hat da niemand Zeit. Deshalb stehen bei uns Leute aus der Praxis auf der Bühne und reden über Zahlen, Fehler und Lösungen, egal ob Rinderzüchterin, Handwerker, Notfallsanitäter oder TV-Moderatorin."

Von Data Farming bis Schinkenmanufaktur

Über 30 Speaker:innen standen auf der Bühne, in Deep Dives und Master Classes ging es anschließend ins Detail. Behandelt wurden etwa die Schritte von der Übernahme bis zur Rolle als Chef:in, der Einsatz von KI am Hof, energieautarke Bauernhöfe und die Frage, welchen Ertrag der Wald abseits des reinen Holzverkaufs bringen kann. Zu den Keynote-Speaker:innen zählten unter anderem Foodtrend-Forscherin Hanni Rützler mit einem Ausblick auf die Ernährung von morgen, Fabian Butzenlechner von der Innovation Farm Wieselburg über den Wert von Betriebsdaten, Rinderzüchterin Daniela Wintereder von der BOA-Farm sowie Para-Schwimmer und Gründer Andreas Ernhofer. Ebenfalls unter den Vortragenden war Franz Habel, Gründer der Vulcano Schinkenmanufaktur.

Überdies widmete sich ZIB-Moderatorin Nadja Bernhard in ihrem Vortrag der Frage, wie man Gegenwind und Besserwissern standhält. "Seit 25 Jahren sind Worte mein Beruf. Und ich weiß inzwischen: Eine gute Idee allein reicht nicht. Entscheidend ist, ob es gelingt, andere dafür zu begeistern. Genau da beginnt gute Kommunikation", erläutert die Journalistin.

Zwischen Werkbank und Bühne

Abseits der Vorträge verwandelte sich das Planai-Stadion in einen Dorfplatz, auf dem zwölf Partner-Areas zum Ausprobieren einluden, von der Säge bis zum Fahrrad-Ergometer. Verpflegt wurden die Gäste mit regionaler Küche und dem obligatorischen Grillhendl. "Sich mit Gleichaltrigen und Gleichgesinnten zu vernetzen, ist immer gut. Aber der Austausch von praktischen Erfahrungen in einem cool verpackten Festival ist einfach ein tolles Rezept für ein geiles Event", meint Markus Holzschuster, Land- und Gastwirt, Influencer und einer der Speaker.

Am Abend übernahm Musiker Oimara die Tenne, danach ging das Festival nahtlos in die After-Show über. Gerade dort wurden viele jener Kontakte geknüpft, die im Betriebsalltag später noch nützlich sein dürften.

Ab 2027 an zwei Tagen

Seit der Premiere 2023 hat das Burning Hen bei jeder Ausgabe zugelegt. Im kommenden Jahr wird es deshalb erstmals auf zwei Tage ausgedehnt und findet am 8. und 9. Oktober 2027 wieder in Schladming statt.

"Die Erfahrung der letzten drei Jahre zeigt: Wer nach dem Burning Hen nach Hause fährt, will am Montag das Gelernte gleich in die Tat umsetzen, anpacken und Vollgas geben", sagt Royer. Angesichts von über 50.000 anstehenden Übergaben dürfte es dem Festival an Zielpublikum so bald jedenfalls nicht mangeln.

www.hektar.com/burning-hen

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