Der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in der österreichischen Industrie schreitet voran. Laut einer Untersuchung der Unternehmensberatung McKinsey haben die befragten Betriebe ihren KI-Reifegrad innerhalb eines Jahres deutlich verbessert. Gleichzeitig wächst der Abstand zwischen Unternehmen, die bereits weit fortgeschritten sind, und jenen mit Aufholbedarf.
Grundlage ist eine Befragung von Mitgliedsunternehmen der KI-Task-Force der Industriellenvereinigung (IV). Die branchenübergreifende Initiative umfasst mittlerweile rund 140 Unternehmen und fördert den Austausch über praktische Anwendungen, Datenstrategien und Fachkräfteentwicklung.
Von der Strategie zum wirtschaftlichen Nutzen
Die Untersuchung zeigt Fortschritte in allen sechs erfassten Dimensionen der KI-Reife. Besonders deutlich fallen diese bei der strategischen Ausrichtung sowie der Einführung und Skalierung von Anwendungen aus. Mehr als 90 Prozent der befragten Betriebe haben demnach ein klares Verständnis davon, wie KI ihr Geschäftsmodell beeinflusst. Auch verfügen inzwischen deutlich mehr Unternehmen über konkrete Ansätze für einen breiteren Einsatz.
IV-Präsident Georg Knill fordert, diese Fortschritte wirtschaftlich zu nutzen: "Wir müssen erfolgreiche Anwendungen rasch verbreiten und die Dynamik in Produktivitätsgewinne, neue Geschäftsmodelle und zusätzliche Wertschöpfung übersetzen."
Die Umsetzung bleibt allerdings anspruchsvoll. Einzelne KI-Projekte in einen stabilen Regelbetrieb zu überführen, stellt viele Unternehmen vor Herausforderungen. Häufig fehlen zudem Kennzahlen, um die Auswirkungen auf Umsatz, Kosten oder Risiken zu messen. Weiteren Handlungsbedarf sieht die Untersuchung bei Daten- und Prozessstandards, Zuständigkeiten sowie Finanzierungs- und Steuerungsstrukturen.
Der künftige ÖBAG-Chef Thomas Arnoldner, Deputy CEO der A1 Group und Co-Vorsitzender der Task Force, wertet die stärkere Verankerung von KI auf Führungsebene als wichtigen Schritt. Nun brauche es konkrete wirtschaftliche Anwendungsfälle, klare Verantwortlichkeiten und ausreichende Mittel. "Jetzt müssen aus technologischer Reife nachhaltiger Unternehmenserfolg und skalierbare Lösungen im Regelbetrieb werden", so Arnoldner.
Fachkräfte bleiben ein Engpass
Nachholbedarf besteht auch beim Talentmanagement. Christoph Knogler, CEO der Keba Group und ebenfalls Co-Vorsitzender der Task Force, sieht Potenzial in der Verbindung von KI mit dem branchenspezifischen Wissen heimischer Industriebetriebe. Damit ließen sich Produktionsprozesse effizienter gestalten, Innovationen vorantreiben und neue Geschäftsmodelle entwickeln.
Voraussetzung seien entsprechend qualifizierte Beschäftigte und laufende Weiterbildung. "Talente sind in vielen Unternehmen nach wie vor der zentrale Engpass", betont Knogler. Die Betriebe müssten daher gezielt in die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter:innen investieren.
IV fordert bessere Rahmenbedingungen
Für einen breiteren KI-Einsatz fordert die Industriellenvereinigung auch wirtschafts- und bildungspolitische Maßnahmen. Dazu zählen mehr angewandte Forschung, ein rascherer Technologietransfer und ein stärkerer Risikokapitalmarkt für KI- und Deep-Tech-Unternehmen. KI- und Datenkompetenzen sollten nach Vorstellung der IV vom Kindergarten bis zur Universität vermittelt werden.
Bei der Regulierung plädiert die Interessenvertretung für praxistaugliche KI-Reallabore und eine innovationsfreundliche Umsetzung des EU AI Acts. Diese müsse Rechtssicherheit schaffen, ohne neue Anwendungen durch zusätzliche Bürokratie auszubremsen.
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