APA-Talk bei den Medientagen
Warum Medienhäuser ihre Nachrichten für Maschinen neu denken müssen

| Larissa Bilovits 
| 24.09.2026

Im Rahmen der Österreichischen Medientage zeigte die APA, wie KI-Agenten Nachrichten aufbereiten und warum der fertige Artikel damit an Bedeutung verlieren könnte.

Wer morgens die Nachrichten des Tages abruft, hat es immer öfter nicht direkt mit einer Redaktion zu tun, sondern mit einer Software dazwischen. Chatbots und KI-Agenten wählen Meldungen aus, verdichten sie und bereiten sie nach persönlichen Vorlieben auf. Was das für die Herstellung und den Vertrieb journalistischer Inhalte bedeutet, war am Mittwochvormittag Thema einer Breakout-Session der APA im Rahmen der 33. Österreichischen Medientage am Erste Campus in Wien (LEADERSNET berichtete). Dabei nahmen Katharina Schell (stellvertretende Chefredakteurin der APA) und Andreas Mauczka (Chief Digital Officer der APA-Gruppe) zwei Begriffe unter die Lupe, die derzeit in kaum einer Strategiedebatte der Branche fehlen.

Software als neue Leserschaft

Wofür sich KI im redaktionellen Alltag einsetzen lässt, ist aus Sicht von Schell mittlerweile weitgehend ausgelotet, und viele dieser Möglichkeiten seien in den Medienhäusern bereits im Einsatz. Bei der APA, deren Entwicklungsarbeit sie in der Session vorstellte, verschiebe sich der Fokus deshalb: "Wir fragen uns derzeit nicht mehr: 'Wie kommt KI in den Journalismus?', sondern vielmehr: 'Wie kommt Journalismus in die KI?'" Hintergrund sei, dass redaktionelle Informationen immer häufiger über Chatbots und ähnliche Anwendungen ihr Publikum erreichen würden. Für Schell hat das weitreichende Folgen: "Menschliche User:innen werden künftig nicht mehr zwingend die ersten Nutzer einer Nachricht sein, sondern Maschinen."

Wie das aus Sicht der Nutzer:innen aussieht, zeigte Mauczka an einem Beispiel aus dem Bereich Agentic AI, also KI-Systemen, die Aufgaben weitgehend selbstständig erledigen. Sein Agent greift auf die strukturiert und mit Metadaten versehen vorliegenden Meldungen des APA-Basisdienstes zu und lässt sich für den persönlichen Nachrichtenkonsum einrichten. Je nach Einstellung liefert er einen kompakten Überblick am Morgen oder eine eng gefasste Recherche zu einem Spezialthema. Gesteuert wird das über ein sogenanntes Harness, das Mauczka als eines der prägenden Schlagworte der Stunde nannte. Das englische Wort bedeutet Geschirr, gemeint ist ein Rahmen, der dem Modell vorgibt, aus welchen Quellen es schöpft und welches Ergebnis am Ende stehen soll. Bestimmen lasse sich dabei nicht nur, was der Agent liefert: "Auch die Oberfläche, in der die Nachricht erscheint, kann komplett gestaltet werden." Vor allem jüngere Nutzer:innen würden solche Konfigurationen bereits verwenden.

Wenn sich Inhalt und Produkt trennen

Die Kehrseite benannte Mauczka ebenfalls. Medienhäuser müssten akzeptieren, dass ihre Inhalte und deren Funktion auf diesem Weg vom journalistischen Produkt gelöst werden. Schell ging noch einen Schritt weiter und sah damit den Kern des Journalismus berührt: "Werden Facts in Zukunft wichtiger als Stories?"

Hinter dieser Frage steht ein Konzept, das unter dem Namen Liquid Content diskutiert wird. Gemeint sind Inhalte ohne feste Form, die sich laufend an den Kontext der jeweiligen Nutzer:innen und deren Interessen anpassen. Erst KI macht diese Maßarbeit in großem Stil möglich. Für Verlage heißt das nach Schells Worten, weniger in fertigen Artikeln und stärker in flexiblen Inhaltseinheiten zu denken.

Geschichte bekommt eine zweite Ebene

Wie das konkret aussehen kann, skizzierte Schell anhand des Aufbaus journalistischer Texte. Jeder Bericht enthalte eine Reihe von Bausteinen wie Personen, Orte, Aussagen oder Ereignisse. Werden diese Elemente strukturiert aufbereitet, können Maschinen damit arbeiten, und genau darin liege die Chance für Medienhäuser. Konkret wurde sie beim Blick auf das eigene Haus: "Wir sind dabei, das in unserem neuen Redaktionssystem 'First' umzusetzen."

Ihre eigene Frage beantwortete Schell damit selbst. Facts lösen Stories nicht ab, sie kommen als zusätzliche Ebene hinzu, die Redaktionen künftig mitdenken müssen. Das Schlusswort hatte Mauczka: "Es wird auch die anderen Content-Plattformen weiterhin geben. Menschen lesen nach wie vor Print und gehen ins Kino – KI-Plattformen sind aber eine wunderbare Möglichkeit, zusätzlich neue Zielgruppen zu erreichen."

LEADERSNET war bei den 33. Österreichischen Medientagen vor Ort. Eindrücke finden Sie in den Fotogalerien hier, hier, hier, hier und hier.

www.medientage.at

www.apa.at

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