Rund 2.500 Teilnehmer:innen beschäftigten sich mit KI, Führung, Recruiting und Vielfalt. Bei der Award-Gala wurden konkrete Ansätze aus der Unternehmenspraxis ausgezeichnet. LEADERSNET.tv fragte nach, was gute Personalarbeit ausmacht und warum es weiterhin Kampagnen gegen Schubladendenken braucht.
Die Arbeitswelt verändert sich, doch wie Unternehmen ihre Mitarbeiter:innen durch diesen Wandel begleiten, bleibt eine Frage der Gestaltung. Genau damit beschäftigte sich der zwölfte HR Inside Summit, der am 14. und 15. Oktober unter dem Motto "Gekommen um zu bleiben" in der Wiener Hofburg stattfand. Nach Angaben der Veranstalterin kamen rund 2.500 Teilnehmer:innen, 120 nationale und internationale Speaker:innen sowie 100 Aussteller:innen.
Während das Konferenzprogramm Entwicklungen in Führung, Recruiting und Technologie aufgriff, rückte die HR Inside Award Gala am ersten Abend konkrete Projekte aus der Unternehmenspraxis in den Mittelpunkt.
Personalarbeit vor den Vorhang geholt
Initiatorin Sindy Amadei holt mit dem Award jene Erfolge vor den Vorhang, die im Unternehmensalltag meist im Verborgenen bleiben. Damit verknüpft sie Wertschätzung für HR-Verantwortliche mit der essenziellen Frage, wie zeitgemäße Mitarbeiterführung gelebt wird. "Den HR Award gibt es seit elf Jahren und es ist so, dass es uns ein Anliegen ist, wirklich die tollen HR-Projekte aus den Unternehmen vor den Vorhang zu holen, ihnen den roten Teppich auszurollen für eine Arbeit, die einfach sehr wertschätzend ist. Denn es geht hier um die Menschen, um das Personal im Unternehmen, die eine gute Leistung bringen sollen, aber auch, dass das Unternehmen ihnen die Menschlichkeit entgegenbringt. Und das merkt man in sehr vielen Projekten", so Amadei gegenüber LEADERSNET.tv.
Wie sich dieser Anspruch in den Einreichungen erkennen lässt, erläuterte Jurymitglied Maria Renz. Für sie kommt es darauf an, mit welcher Haltung ein Projekt entwickelt wird und was es im Arbeitsalltag bewirken kann. "Ein Siegerprojekt erkenne ich daran, dass da wirklich eine Leidenschaft dahinter ist, die Arbeitswelt zu verbessern. Es sind kleine Dinge, die große Wirkung haben auf die Menschen, die in der Organisation, in der Branche arbeiten."
Die Bandbreite der prämierten Arbeiten reichte dabei von Personalentwicklung und Arbeitgeberpositionierung bis zu digitalen Werkzeugen für den Führungsalltag. Begleitet wurde der Award 2026 von EY People Consulting als Titelsponsor und Die Presse als Medienpartner.
Vielfalt sichtbar machen
Wie Unternehmen gesellschaftliche Fragen in ihrer Personalarbeit aufgreifen, zeigte sich unter anderem in der Kategorie "Diversity & Sustainability". Hier belegte die Role-Model-Kampagne von Palfinger den ersten Platz, gefolgt vom Lösungscenter Inclusion & Diversity der ÖBB-Holding. Den dritten Platz erhielt Generali Deutschland für "Challenge your Labels".
Die Generali-Kampagne setzt bei Stereotypen an und stellt ihnen persönliche Geschichten von Mitarbeiter:innen gegenüber. Auf die Frage, warum es auch 2026 noch eine Kampagne gegen Schubladendenken braucht, verwies Astrid Hoffstadt, Employer Branding Generali Deutschland, im Gespräch mit LEADERSNET.tv auf die gesellschaftliche Bedeutung des Themas:
Neue Zugänge zu Lernen und Recruiting
Neben der Sichtbarkeit unterschiedlicher Lebens- und Berufswege beschäftigte die ausgezeichneten Unternehmen auch die Vermittlung von Wissen. Das Hotel Sacher Salzburg setzte dafür auf einen spielerischen Zugang und belegte mit der "LQA Exzellenz Challenge – Escape the Room Edition" den ersten Platz in "Culture & Development".
Mit erzählerischen Mitteln arbeitete wiederum Sutterlüty gemeinsam mit GreatMood. Die in "Employer Branding" erstplatzierte Kampagne "Ländle Detektiv" verbindet Einblicke in unterschiedliche Berufe mit Krimi-Elementen und soll auf diesem Weg Interesse an den Tätigkeiten im Unternehmen wecken.
Wie sich aus Aufmerksamkeit neue Bewerbungen entwickeln lassen, stand bei den Auszeichnungen für "Recruiting" im Mittelpunkt. Hier gewann die JobValueSelling-Kampagne von Man Truck & Bus Vertrieb Österreich und seinen Projektpartner:innen. Auf Platz zwei folgte der ÖBB Job-Erlebnis-Tag, der Interessierten Berufe durch praktische Einblicke näherbringt. Den dritten Platz belegte die Magenta-Lehrlingskampagne "Lehre, wie ich sie mag."
Auch technologische Unterstützung fand sich unter den prämierten Ansätzen. In "People & Technology" ging Gold an die BAUAkademie Wien – Lehrbauhof Ost und Wilhelm Tupy für "Leadwords – Der verlässliche Begleiter im Führungsalltag". Als "Newcomer of the Year" wurde Nejo FlexCo für den KI-Karriere-Agenten Nejo ausgezeichnet. Die persönliche Auszeichnung "HR Person of the Year" erhielt IngridHeschl, HR Lead Austria bei Microsoft und Mitinitiatorin von She goes Digital.
Die Gewinner:innen im Überblick
Platz
Unternehmen und Projekt
Culture & Development
1
Hotel Sacher Salzburg BetriebsgmbH LQA Exzellenz Challenge – Escape the Room Edition
2
Städtische Seniorenheime gGmbH Das Azubi-Haus: Auszubildende managen eine komplette Altenhilfe-Einrichtung
3
ÖAMTC & Lackner & Kabas Balanced Six for business – Selbstreflexion Führung
Diversity & Sustainability
1
PALFINGER AG PALFINGER Role Model Kampagne
2
ÖBB-Holding AG Lösungscenter Inclusion & Diversity
3
Generali Deutschland AG Diversity-Kampagne "Challenge your Labels"
Klinikum Magdeburg & Agentur Blaulicht True Keim – Den Erregern auf der Spur
3
Diakoniewerk & stroblbinder Ein Werk von vielen für viele. Ein Werk mit vielen Möglichkeiten.
People & Technology
1
BAUAkademie Wien – Lehrbauhof Ost & Wilhelm Tupy Leadwords – Der verlässliche Begleiter im Führungsalltag
2
Drees & Sommer SE We Unite You and Dreso: Ein globales, automatisiertes Preboarding- und Onboarding-Erlebnis für eine konsistente Employee Experience
3
Generali Deutschland AG & Paul’s Job AI AI Recruiting Chatbot – GENIE
Recruiting
1
MAN Truck & Bus Vertrieb Österreich GesmbH & lifeCREATOR CONSULTING GmbH & REKUNO & Tripple Internet Content Services MAN JobValueSelling-Kampagne für die Vertrieb- und Service-Niederlassungen
T-Mobile Austria GmbH "Lehre, wie ich sie mag." – Die Magenta Lehrlingskampagne 2026
Newcomer of the Year
Nejo FlexCo Nejo – Der KI-Karriere-Agent
HR Person of the Year
Ingrid Heschl HR Lead Austria & Member of Leadership Board bei Microsoft, Mitinitiatorin von "SGD – SHE Goes Digital"
Technologie verändert die Anforderungen an Führung
Der Einsatz digitaler Werkzeuge bildete zugleich eine Verbindung zum Konferenzprogramm. Dort ging es neben den Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz auch darum, welche Aufgaben und Fähigkeiten weiterhin besondere Aufmerksamkeit brauchen. Tina Ruseva beschäftigte sich damit, wie automatisierte Routinetätigkeiten das Verständnis von Leistung verändern und welche Bedeutung dadurch menschlichen Fähigkeiten zukommt. Robindro Ullah, Geschäftsführer Trendence Institut, ergänzte diese Perspektive um den Gender AI Gap. Er thematisierte, wie unterschiedliche Zugänge zu KI bestehende Ungleichheiten verstärken können und welche Anforderungen sich daraus für die Weiterbildung ergeben.
Mit der technologischen Entwicklung rückte damit auch die Verantwortung von Führungskräften in den Blick. Einen grundlegenden Aspekt hatte bereits Leo Martin in seiner Auftakt-Keynote aufgegriffen – Vertrauen als Voraussetzung für Zusammenarbeit. Wie Transparenz im Unternehmen konkret aussehen kann, erläuterte Gastrounternehmer Manuel Wiesner anhand seines Ansatzes zu offen einsehbaren Gehältern und nachvollziehbaren Regeln für die Entlohnung.
Weitere Perspektiven brachten Benni Raich, der mit Sepp Buttinger, Präsident der HR Lounge, über Leistung und Motivation sprach, sowie Generalmajorin Sylvia Sperandio ein. Sie widmete sich der Frage, wie Führung zwischen gewachsenen Strukturen und neuen Anforderungen gestaltet werden kann.
Leistung und Belastbarkeit hinterfragen
Wo über Leistung gesprochen wird, stellt sich auch die Frage nach den Grenzen der Belastbarkeit. Diesen Zusammenhang griffen Rechtsanwalt Robert Michels und Rugby-Europameister Ben Ellermann im Format "Boys Don’t Cry" auf. Sie diskutierten, wie traditionelle Vorstellungen von Stärke den Umgang mit Überforderung beeinflussen und weshalb es Männern schwerfallen kann, Unterstützung anzunehmen.
Während dieses Gespräch den Blick auf den Umgang mit bestehenden Mitarbeiter:innen richtete, beschäftigte sich Gloria Matlapeng, Head of Talent Acquisition Germany, Siemens Energy, mit der Ansprache neuer Talente. Sie stellte Recruiting-Ansätze vor, die Marketing, Recherche und Geschichten aus dem Unternehmen miteinander verbinden.
Eigene Bühne für kleinere Betriebe
Wie sich solche Personalfragen mit begrenzten Ressourcen bearbeiten lassen, griff erstmals eine eigene KMU Stage auf. Das Angebot richtete sich an kleine und mittlere Unternehmen, die häufig ohne große Personalabteilungen auskommen müssen. Mit Themen wie Recruiting, Arbeitsrecht, Personalkosten und Führung ergänzte die Bühne das Programm um Fragestellungen aus deren betrieblichem Alltag.
Die nächste Ausgabe des HR Inside Summit ist laut Veranstalter:innen für den 13. und 14. Oktober 2027 in der Wiener Hofburg geplant.
Video-Interviewpartner:innen
LEADERSNET.tv holte neben Sindy Amadei (Founder & CEO HR Inside Summit), Astrid Hoffstadt (Employer Branding Generali Deutschland) und Maria Renz (Jurymitglied) auch Andrea Obermühlner (Gewinnerin Kategorie "Employer Branding"), Lukas Binder (Gewinner Kategorie "Employer Branding"), Petra Köstenbauer (ÖBB-Gewinnerin Silber Kategorie "Recruiting"), Martina Hacker (ÖBB – Gewinnerin Silber Kategorie "Recruiting"), Sepp Buttinger (Präsident der HR Lounge), Sandra Oberrauter (HR Voestalpine Team & Jurymitglied) und Monika Dauterive (Strategic workforce Planning – Wiener Stadtwerke) vor die Kamera.
Einen Eindruck von der Veranstaltung können Sie mittels Galerie gewinnen.
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