Geopolitische Umbrüche, wirtschaftliche Unsicherheit und technologischer Wandel stellen heimische Unternehmen vor große Herausforderungen. Bei einer Veranstaltung der Erste Bank in Wien diskutierten Expert:innen und Unternehmer:innen, wie Österreich wettbewerbsfähig bleiben kann. LEADERSNET.tv war vor Ort und holte Stimmen aus Wirtschaft und Finanzwelt ein.
Unter dem Leitgedanken "Unternehmen wir Zukunft" lud die Erste Bank am 19. Oktober zum Erste Future Summit in die Grand Hall am Erste Campus in Wien. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Österreich und die Frage, wie Unternehmen angesichts geopolitischer Veränderungen, wirtschaftlicher Unsicherheiten und des rasanten technologischen Wandels langfristig wettbewerbsfähig bleiben können.
Führungskräfte aus Wirtschaft, Finanzwelt und Technologie kamen zusammen, um über Zukunftsperspektiven, Innovation und Wachstum zu diskutieren. Besonderes Augenmerk galt dabei den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die einerseits mit steigender Komplexität und Unsicherheit konfrontiert sind, andererseits aber einen wesentlichen Beitrag zur heimischen Wertschöpfung leisten. Moderiert wurde der Summit von Birgit Fenderl.
Mit Zuversicht auf wirtschaftliche Herausforderungen reagieren
Für Daniel Rath, Unternehmenskundenvorstand der Erste Bank, ist gerade die aktuelle Situation ein Grund, den Dialog über die wirtschaftliche Zukunft Österreichs zu intensivieren. Viele Unternehmen und insbesondere KMU seien täglich mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Umso wichtiger sei es, ihnen Perspektiven aufzuzeigen und sie bei ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen. "Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ist es entscheidend, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Unsere Unternehmer:innen glauben an ihre eigene Stärke und ihre Zukunft. Diesen Mut wollen wir als Erste Bank unterstützen und gemeinsam mit ihnen vorangehen", erklärte Rath gegenüber LEADERSNET.tv.
Auch Andreas Rohringer, Bereichsleiter Unternehmenskunden der Erste Bank, unterstrich den Mehrwert des branchenübergreifenden Austauschs. Während Unternehmer:innen die Entwicklungen in ihrem eigenen Markt meist gut einschätzen könnten, fehle häufig der Blick auf das wirtschaftliche Gesamtbild. "Gerade für KMU ist es wertvoll, über die Grenzen der eigenen Branche hinauszublicken, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und voneinander zu lernen. Der Austausch mit anderen Unternehmen und Vertreter:innen aus der Politik eröffnet neue Möglichkeiten, gemeinsam etwas zu bewegen", so Rohringer.
Einen weiteren Schwerpunkt bildeten die geopolitischen Veränderungen und ihre Auswirkungen auf international tätige Unternehmen. Keynote-Speaker Ansgar Baums machte deutlich, dass die zunehmenden politischen und wirtschaftlichen Spannungen weit über einzelne Märkte oder Lieferbeziehungen hinausreichen. "Internationale Geschäftstätigkeit wird künftig anspruchsvoller. Geopolitische Entwicklungen beeinflussen mittlerweile sämtliche Unternehmensbereiche – von Lieferketten und Marketing bis hin zu Regulierung und technischen Standards. Unternehmen müssen daher gezielt Kompetenzen aufbauen, um diese Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen", erklärte Baums. Damit werde der professionelle Umgang mit geopolitischen Risiken zunehmend zu einer unternehmerischen Kernkompetenz. Unternehmen müssten entsprechende Entwicklungen frühzeitig erkennen und in ihre strategischen Entscheidungen einbeziehen.
Diversifizierung und Investitionen als Erfolgsfaktoren
Wie sich Unternehmen in einem zunehmend unsicheren Umfeld behaupten können, erläuterte Angelika Sommer-Hemetsberger, Vorstandsdirektorin der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB). Österreichische Betriebe hätten in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie auch unter schwierigen Rahmenbedingungen erfolgreich wirtschaften können. "Entscheidend sind ein professioneller Umgang mit Risiken, eine breite Diversifizierung und eine solide Finanzierungsbasis. Gleichzeitig müssen Unternehmen weiterhin gezielt investieren, wenn sich wirtschaftlich sinnvolle Chancen bieten, anstatt sich von Unsicherheiten bremsen zu lassen", betonte Sommer-Hemetsberger. Neben einer vorausschauenden Unternehmensführung seien damit insbesondere finanzielle Stabilität und die Bereitschaft, neue Geschäftsmöglichkeiten wahrzunehmen, wesentliche Voraussetzungen für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit.
Dass die wirtschaftliche Stimmung differenzierter ausfällt, als es die allgemeine Krisenberichterstattung vermuten lässt, zeigte sich auch in den Gesprächen mit den anwesenden Unternehmer:innen.
Michael Schranz, Geschäftsführer der Handler Holding, verwies auf eine Erkenntnis aus den Impulsvorträgen des Abends: Während in der öffentlichen Wahrnehmung häufig von einer wirtschaftlichen Krise gesprochen werde, zeigten Untersuchungen auf Unternehmensebene durchaus ein anderes Bild. "Besonders interessant war für mich die Erkenntnis, dass trotz der angespannten wirtschaftlichen Gesamtsituation in vielen Unternehmen eine ausgeprägte Aufbruchsstimmung und großer Optimismus herrschen", sagte Schranz.
Einen konkreten Handlungsbedarf ortete hingegen Miriam Zauner-Brutter, Geschäftsführerin der Molin GmbH & Co. KG, bei den bürokratischen Rahmenbedingungen. Österreichische Unternehmer:innen würden investieren, Arbeitsplätze schaffen, Mitarbeiter:innen ausbilden und damit wesentlich zur Wertschöpfung beitragen. Überbordende Verwaltungsanforderungen würden jedoch wertvolle Ressourcen binden. "Österreichs Unternehmer:innen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Wertschöpfung, investieren und schaffen Arbeits- sowie Ausbildungsplätze. Die zunehmende Bürokratie kostet jedoch viel Zeit und Energie. Wir müssen Prozesse vereinfachen und beschleunigen, damit aus guten Ideen rascher konkrete Projekte werden können", forderte Zauner-Brutter.
Zuversicht allein reicht nicht
Der erste Erste Future Summit machte deutlich, dass Österreichs Unternehmen trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen optimistisch in die Zukunft blicken. Um ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern, braucht es jedoch mehr als Zuversicht: Entscheidend sind Investitionsbereitschaft, der gezielte Umgang mit Risiken, weniger Bürokratie und der Austausch über Branchengrenzen hinweg. Gerade für KMU können daraus neue Perspektiven und konkrete Chancen entstehen.
Interview-Partner:innen
Was Daniel Rath, Andreas Rohringer, Ansgar Baums, Angelika Sommer-Hemetsberger, Michael Schranz sowie Miriam Zauner-Brutter über die Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Österreich, die Bedeutung des branchenübergreifenden Austauschs und die Zukunft heimischer KMU beim Erste Future Summit noch sagten, sehen Sie im LEADERSNET.tv-Video.
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