Video von den Austrian Space Days
700 Fachleute berieten am Flughafen Wien über Europas Chancen im All

Die ersten Austrian Space Days brachten eine Förderzusage über 9,6 Millionen Euro und große Wachstumspläne für die heimische Raumfahrt. LEADERSNET.tv war beim Auftakt dabei und fragte die Verantwortlichen, wie Österreich im Geschäft mit dem All durchstarten will.

Rund 700 Fachleute aus Forschung, Raumfahrt und Industrie kamen vergangene Woche, am 14. und 15. Oktober, zu den ersten Austrian Space Days an den Flughafen Wien-Schwechat. Zwei Tage lang ging es bei dem internationalen Vernetzungstreffen um die Industrialisierung der Raumfahrt und um Kooperationen über Länder- und Branchengrenzen hinweg. Zur Eröffnung lud der Flughafen Wien gemeinsam mit dem Land Niederösterreich und der Europäischen Weltraumorganisation ESA in die Produktionsräume des Raumfahrtunternehmens Gate Space. 

Space Hub soll weiter wachsen

Der Austragungsort der ersten Austrian Space Days war bewusst gewählt, denn in der Airport City hat sich mit dem Space Hub in den vergangenen Jahren ein eigener Standort für Unternehmen der Weltraumbranche etabliert (LEADERSNET berichtete). Eine Idee, die laut Günther Ofner, Vorstand der Flughafen Wien AG, auf "sehr fruchtbaren Boden gefallen" sei, wie er in seiner Eröffnungsrede betonte. Gegenüber LEADERSNET.tv ergänzte er: "Unsere Airport City wächst und entwickelt sich weiter. Die Weltraumwirtschaft ist ein ganz wichtiger Zukunfts- und Wachstumsbereich. Inzwischen haben sich zehn Unternehmen hier angesiedelt, und es werden in den nächsten Jahren noch mehr werden. Es ist also eine richtige Dynamik da, die uns sehr freut."

Gemeinsam mit der ESA, dem Land Niederösterreich, dem Bund und weiteren Partnern arbeite man daran, "ein perfektes Umfeld für die Unternehmen zu bieten", so Ofner. Dafür wird auch die Infrastruktur am Standort laufend ausgebaut: So wurde erst vor wenigen Monaten die Space Factory eröffnet, die jungen Space-Tech-Unternehmen neue Möglichkeiten bietet, um Hardware zu entwickeln, zu testen und zur Marktreife zu bringen (LEADERSNET berichtete). Der nächste Wachstumsschritt hängt nun an einem weiteren Bauprojekt in der Airport City. Sobald der Office Park 4 Next (LEADERSNET berichtete) fertiggestellt ist, "wird der gesamte Office Park 2 für den Space Hub zur Verfügung stehen", kündigte Ofner an.

9,6 Millionen Euro für das ESA-Phi-Lab Austria

Für das ESA-Phi-Lab Austria, das vor rund zwei Jahren gestartet ist, steht die Finanzierung nun bis 2031, wie Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner im Rahmen der Eröffnung ankündigte. "Es ist uns gelungen, die Finanzierung für das ESA-Phi-Lab Austria bis zum Jahr 2031 garantieren zu können, dafür werden insgesamt 9,6 Millionen Euro für die nächste Förderperiode von 2028 bis Ende 2031 zur Verfügung gestellt." Niederösterreich steuert davon 4,4 Millionen Euro bei, die übrigen 5,2 Millionen Euro kommen von der ESA über den Bund. "Das sind um 400.000 Euro mehr als in der ersten Förderperiode. Jede Investition ist eine Entwicklung nach vorne", so Mikl-Leitner.

Warum das Land Niederösterreich in den Weltraumsektor investiert, erklärte die NÖ-Landeshauptfrau im LEADERSNET.tv-Interview: "Gerade Raumfahrttechnologie ist ein Zukunftsbereich, bringt Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Wir wissen, dass alte Technologien absterben und damit auch neue hinzukommen – und gerade die Raumfahrttechnologie ist einer der weltweit am stärksten wachsenden Bereiche." Mit der Initiative "Space Region Lower Austria" wolle das Land "die Standorte weiter vernetzen und ein klares Zeichen nach außen setzen – von Seibersdorf über Wiener Neustadt bis hier zum Flughafen Wien-Schwechat", erklärte Mikl-Leitner und betonte, dass man mit der Investition "die Basis für zukunftsträchtige Arbeitsplätze" schaffe.

"Die Verlängerung des ESA-Phi-Lab ist wichtig, um zu zeigen, dass wir auch in angespannten Budgetzeiten in Zukunftstechnologien investieren", hob wiederum NÖ-Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf hervor. Die Weltraumforschung sei relevant, weil "es sich um eine Schlüsseltechnologie handelt – etwa im Defense-Bereich, in der Erdbeobachtung, in der Klimaforschung oder im Katastrophenschutz". Besonders beeindruckt zeigte er sich im Gespräch mit LEADERSNET.tv davon, dass es an diesem Standort eine derart große Innovationsbereitschaft gebe: "Produkte, die hier von österreichischen Forscher:innen entwickelt werden, gehen in die ganze Welt und den Weltraum hinaus. Und dementsprechend werden wir das notwendige Geld auch in Zukunft garantieren – ebenso wie die notwendige Freiheit, um forschen und entwickeln zu können."

Europa braucht Raumfahrt in Serie

ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher lobte in seiner Ansprache vor allem die Dynamik der heimischen Szene. "Niederösterreich, aber auch Österreich sind sehr vorausschauend. Das Phi-Lab ist eines von zehn, mit einem Standort, an dem Innovationen vorangetrieben werden", sagte Aschbacher und betonte, dass aus den Phi-Labs der ESA neue, große Unternehmen hervorgehen würden.

Dass die Raumfahrt den Schritt von der wissenschaftlichen Nische zur industriellen Serienproduktion schaffen muss, ist für Aschbacher auch eine Frage der europäischen Unabhängigkeit im All. Als Maßstab nannte er die USA: "Wir sehen das natürlich gerade sehr stark in Amerika. SpaceX demonstriert, wie man Tausende von Satelliten – in diesem Fall von Starlink – in den Weltraum bringen kann. Die produzieren 50 Satelliten pro Woche. Das heißt, da ist die Industrialisierung vollständig eingetreten. Wenn man also am Weltmarkt konkurrieren und europäische Lösungen anbieten will, die eine Alternative sind oder auch ein Marktsegment aufmachen, dann brauchen wir ebenfalls Industrialisierung", erläuterte Aschbacher gegenüber LEADERSNET.tv.

Unsere Interviewpartner:innen

LEADERSNET.tv holte Günther Ofner (Vorstand Flughafen Wien AG), Johanna Mikl-Leitner (Landeshauptfrau Niederösterreich), Stephan Pernkopf (LH Stellvertreter, Niederösterreich) und Josef Aschbacher (Generaldirektor Europäische Weltraumorganisation ESA) vor die Kamera.

www.viennaairport.com

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