Die Schweizer Papierherstellerin Perlen Papier AG ergänzt ihr Angebot in Österreich um faserbasierte Verpackungen. So bietet das Unternehmen hierzulande künftig Flaschen des britischen Verpackungstechnologieunternehmens Pulpex an, die sich vor allem an Markenhersteller und Abfüllbetriebe aus der Getränke-, Lebensmittel- und Kosmetikbranche richten und eine Alternative zu etablierten Verpackungen aus Glas und Kunststoff darstellen sollen.
Perlen Papier und die Muttergesellschaft Perlen Industrieholding AG halten die exklusiven Produktionsrechte für die patentierte Technologie in Österreich, der Schweiz, Italien und Süddeutschland. Die Partnerschaft mit Pulpex war bereits im März 2026 bekannt gegeben worden.
Drei Größen zum Marktstart
Zum Start stehen Standardflaschen mit einem Fassungsvermögen von 300, 500 und 750 Millilitern zur Verfügung. Eine Erweiterung auf Größen zwischen 200 Millilitern und einem Liter ist allerdings geplant, so das Unternehmen. Das Fasergussverfahren soll darüber hinaus individuell entwickelte Flaschenformen ermöglichen. Für Markengestaltung sind Digitaldruck und Etikettierung vorgesehen.
Nach Angaben des Unternehmens eignen sich die Flaschen unter anderem für Wasser und andere stille Getränke, milchbasierte Produkte, Speiseöle, Wein und Spirituosen sowie Kosmetik- und Körperpflegeprodukte. Welche Produkte tatsächlich abgefüllt werden können, hängt von der jeweiligen Barriere und dem Verschluss ab. Unter diesen Voraussetzungen sollen Haltbarkeiten von 24 Monaten möglich sein.
Flaschenform entsteht im Nassformverfahren
Der einteilige Flaschenkörper wird im Nassformverfahren aus Zellulosefasern geformt und anschließend getrocknet. Eine dünne Beschichtung an der Innenseite soll den Inhalt vor Feuchtigkeit und Sauerstoff schützen. Klebstoffe werden für den Flaschenkörper laut Perlen Papier nicht benötigt. Das Unternehmen bezeichnet die Barriereschicht als lebensmittelecht, geruchsneutral und plastikfrei. Pulpex verwendet für Verpackungen mit Lebensmittelkontakt nach eigenen Angaben überwiegend Frischfasern aus zertifizierter nachhaltiger Forstwirtschaft oder aus aufbereitetem
Altpapier.
Die Flaschen sollen darüber hinaus mit gängigen Abfüllverfahren kompatibel sein. Ob vorhandene Anlagen ohne technische Anpassungen genutzt werden können, muss jedoch für den jeweiligen Betrieb und Verschluss geprüft werden.
Recyclingfähigkeit und Laborbedingungen geprüft
Nach Unternehmensangaben wurde die Flasche nach einer von der europäischen Brancheninitiative 4evergreen verwendeten Methode als technisch recyclingfähig eingestuft. Das zugrunde liegende Verfahren untersucht, ob sich papierbasierte Verpackungen unter definierten Laborbedingungen in bestimmte Recyclingprozesse verarbeiten lassen.
Logistikaufwand und Kosten reduzieren
Vorteile verspricht sich Perlen Papier auch beim Transport. Durch das geringe Gewicht sollen sich Logistikaufwand und Kosten gegenüber Glasflaschen reduzieren lassen. In einer sogenannten Cradle-to-Gate-Betrachtung liege der CO₂-Fußabdruck laut Unternehmen rund 90 Prozent unter jenem einer vergleichbaren Glasflasche und rund 30 Prozent unter jenem einer PET-Flasche.
Produktion in der Schweiz wird geprüft
Derzeit kann Pulpex nach eigenen Angaben Testmarkt-Mengen an einem Standort im englischen Sawston herstellen. Eine Produktion in größeren Stückzahlen soll über eine Anlage in Schottland sowie über weitere Produktionspartner aufgebaut werden. Perlen Papier prüft unterdessen, die Faserflasche ab Ende 2027 am Standort Perlen im Schweizer Kanton Luzern herzustellen. Dadurch sollen österreichische Kund:innen künftig aus vergleichsweise kurzer geografischer Distanz beliefert werden.
"Mit der geplanten Produktion in der Schweiz schaffen wir zudem kurze Wege und können Kund:innen insbesondere in Österreich künftig direkt aus der Region beliefern", erklärt Florian Geiger, CEO der Perlen Papier AG und der Perlen Industrieholding AG.
Weitreichende Unternehmensgeschichte
Der Einstieg in die Flaschenproduktion ist Teil eines breiteren Ausbaus des Verpackungsgeschäfts. Perlen Papier produziert seit 1873 Zeitungs- und Magazinpapier und investiert inzwischen auch in Anlagen für dreidimensionale Faserverpackungen. In Österreich war das Unternehmen bisher vor allem als Lieferant grafischer Papiere vertreten.
www.perlen.ch
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