Bislang folgt der Einkauf im Netz meist demselben Muster. Konsument:innen suchen Produkte, vergleichen Preise, lesen Bewertungen und schließen letztendlich den Kauf ab. Teile dieses Ablaufs an Künstliche Intelligenz (KI) zu übergeben, ist technisch längst möglich, und dürfte künftig sogar noch einfacher werden. Zahlungsdienstleister, Banken und Plattformbetreiber arbeiten bereits intensiv an entsprechenden Lösungen. Wie stark KI-Agenten das Online-Shopping in den kommenden Jahren verändern dürften, zeigt nun der Mastercard-Report "A Short History of the Future of Shopping and Payments", für den vier renommierte Zukunftsforscher:innen aus den USA, Europa und Asien befragt wurden (siehe Infobox). Demnach wird bis 2030 mehr als jede:r zehnte Online-Shopper:in regelmäßig einen KI-Agenten mit Einkäufen beauftragen.
Wenn Software eigenständig verhandelt und bezahlt
Die befragten Expert:innen zeichnen Szenarien, in denen KI-Systeme Preise selbstständig aushandeln, Smartwatches oder Ringe nach dem Kauf Rückmeldung zur Produktqualität geben und physische Agenten irgendwann sogar selbst in Geschäften unterwegs sind. Den Anfang dürften jene Bereiche machen, in denen wenig auf dem Spiel steht und sich Abläufe ohnehin wiederholen: Lebensmittel, Medikamente oder laufende Abonnements gelten demnach als die ersten Kategorien, die Konsument:innen aus der Hand geben werden.
"Einkaufen und Shoppen werden bis 2030 zwei unterschiedliche Dinge sein. Den Einkauf im klassischen Sinn übernehmen KI-Agenten. Shopping bleibt das, was wir aus Freude, Neugier oder zur Inspiration selbst tun", ist etwa Zukunftsforscher Magnus Lindkvist überzeugt.
Jugendliche vertrauen der Technologie mehr als ihren Freund:innen
Wie realistisch diese Prognosen sind, lässt sich an einer begleitenden Umfrage (siehe Infobox) ablesen, die der Zahlungsdienstleister parallel durchführen ließ. Befragt wurden 13.000 Teenager zwischen 13 und 18 Jahren und deren Eltern (insgesamt 26.000 Personen) in 13 Ländern. Jugendliche greifen demnach bei Kaufentscheidungen bereits doppelt so oft zu KI wie ihre Eltern. 62 Prozent von ihnen rechnen damit, dass sich die Art, wie ihre Generation einkauft, dadurch spürbar verändern wird. Auch bei der wöchentlichen Preisrecherche liegen die Jüngeren mit 18 Prozent, gegenüber zehn Prozent der Eltern, klar vorn.
Bemerkenswert ist vor allem das Ausmaß des Vertrauens. Fast ein Drittel der Jugendlichen (31 %) misst einer Produktempfehlung durch KI mehr Gewicht bei als einer solchen aus dem Freundeskreis, 23 Prozent stellen sie zudem über den Rat der eigenen Eltern. 27 Prozent könnten sich überdies vorstellen, einen vollständig autonomen Einkaufsassistenten zu nutzen, der nach selbst gesetzten Regeln auswählt und bestellt, bei den Eltern sind es 16 Prozent. Dass die Entwicklung nicht an einer einzelnen Altersgruppe hängt, zeigt ein Blick in die Elterngeneration selbst, wo 18- bis 34-Jährige häufiger mit KI recherchieren als über 55-Jährige (14 % vs. 10 %). 67 Prozent der Eltern gehen davon aus, dass KI-gestütztes Einkaufen die Generation ihrer Kinder prägen wird, für die eigene Generation sehen das nur fünf Prozent so.
Was das für Zahlungsdienstleister und Händler bedeutet
Für die Zahlungsbranche entsteht daraus eine neue Ausgangslage, weil nicht mehr der Mensch jede einzelne Transaktion freigibt, sondern ein System, das in seinem Auftrag handelt. Die dafür nötige Infrastruktur wird bereits aufgebaut. Laut Michael Brönner, Country Manager Mastercard Österreich, bleibe die Aufgabe, Möglichkeiten zur unkomplizierten und sicheren Zahlung zu schaffen, auch bestehen, während sich der Handel so grundlegend verändere wie seit der Erfindung des Geldes nicht mehr: "Künstliche Intelligenz unterstützt heute schon viele Kaufentscheidungen. In Zukunft wird sie diese zunehmend auch selbst umsetzen. Lösungen wie Agent Pay legen den Grundstein dafür, dass Maschinen im Auftrag von Menschen sicher Transaktionen durchführen können." Der nun veröffentlichte Report soll Konsument:innen wie Unternehmen dazu anregen, "sich schon jetzt mit konkreten Schritten auf diese Entwicklung vorzubereiten", so Brönner.
Für Händler:innen ist der KI-Agent ein Gegenüber, das sich grundlegend anders verhält als bisherige Kundschaft. Er wertet Produktdaten in Sekunden aus, prüft Angaben auf Konsistenz und gleicht Bewertungen ab, bevor überhaupt eine Entscheidung fällt. Emotionale Kaufimpulse, aufwendige Bildwelten oder klassische Rabattlogiken greifen bei einem solchen Gegenüber nicht. Die Zukunftsforscher:innen leiten daraus konkreten Handlungsbedarf ab: Loyalitätsprogramme, Kundenbeziehungen und digitale Angebote müssten neu gedacht werden, Produktinformationen und Zertifizierungen so aufbereitet sein, dass Maschinen sie zuverlässig auslesen und verifizieren können.
Eine Frage der Kontrolle
Ob sich Agentic Commerce durchsetzt, entscheidet sich dem Report zufolge aber weniger an der Technik als an der Frage, wie viel Kontrolle Menschen abzugeben bereit sind. Wer eine Maschine nicht nur um Rat fragt, sondern sie handeln lässt, braucht verbindliche Antworten darauf, wer haftet, wer autorisiert und wie sich Zustimmung und Identität nachweisen lassen. Auch der Gesetzgeber dürfte nachziehen, die Fachleute erwarten bis 2030 offizielle Richtlinien zur Registrierung und Kontrolle von KI-Agenten in mindestens drei G20-Staaten. Eine zentrale Rolle spielt dabei die dokumentierte Absicht der Kund:innen, einen Kauf tatsächlich delegieren zu wollen. Sie muss nachvollziehbar festgehalten sein, bevor die Transaktion startet, und wird damit ähnlich wichtig wie die Zahlung selbst.
Mehr Informationen zur Studie finden Sie hier.
www.mastercard.com
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