Vier Tage lang Musik für Generationen
Chopin-Festival: Musik als verbindende Sprache über alle Grenzen hinweg

Mit musikalischen Darbietungen auf höchstem Niveau begeisterte das 42. Chopin-Festival in Scheibbs, Gaming und Lunz am See. 

Drei außergewöhnliche Spielstätten und Begegnungen weit über die Musik hinaus: Das 42. Chopin-Festival machte das Mostviertel von 13. bis 16. August 2026 zum Treffpunkt von Kunst, Kultur und Politik. Vom festlichen Auftakt in der Pfarrkirche Maria Magdalena in Scheibbs über die barocke Pracht der Kartause Gaming bis zum Finale auf der Seebühne in Lunz am See zeigte sich eindrucksvoll, wie selbstverständlich internationale Hochkultur und persönliche Begegnung nebeneinander Platz haben können.


V.l.n.r.: Jimmy Chiang, Donka Angatscheva, Lidia Baich und Andreas Schager © Sebastian Kocon

Premiere für die neue Präsidentin

Für Donka Angatscheva waren die Festivaltage zugleich die Feuertaufe als neue Präsidentin der Internationalen Chopin-Gesellschaft Wien – und ein Einstand nach Maß. Die weltberühmte Pianistin zeigte sich nicht nur als großartige Künstlerin – sie absolvierte während des Festivals selbst vier Konzerte – sondern vor allem als charmante Gastgeberin.

Ihr Vorgänger, Festivalgründer und Altpräsident Theodor Kanitzer, der heuer seinen 100. Geburtstag feierte, erinnerte daran, dass Frieden, Freiheit und Völkerverständigung heute wichtiger denn je seien. Kartausen-Direktor Edgar Bauer und Bürgermeister Andreas Fallmann überraschten den Jubilar mit einer persönlichen Würdigung, einer Parkbank am "Theodor-Kanitzer-Platzerl".

Großes Staraufgebot 

In der Pfarrkirche Maria Magdalena in Scheibbs, dem "Dom des Erlauftals", eröffneten Kammersängerin Ildikó Raimondi, die polnische Organistin Zuzanna Mika und der Chor Resonans con tutti das Festival. Anschließend öffnete sich in der Kartause Gaming die gesamte Bandbreite des Festivals. Orchesterkonzerte in der Kartausenkirche, internationale Solist:innen und schließlich das traditionsreiche "Nocturno" bei Kerzenlicht in der Barockbibliothek.

Einen weiteren Höhepunkt brachte die Festmatinee am Sonntag in der Kartausenkirche. Der aus Waidhofen an der Ybbs stammende Weltklasse-Bass Günther Groissböck hatte quasi ein Heimspiel, er brillierte gemeinsam mit der international gefeierten Pianistin Rachel Cheung, Natalia Rehling sowie dem Pianisten Manfred Wagner-Artzt und dem Motus Quartett. Das junge Streichquartett sorgte für frischen Wind und zeigte exemplarisch, was zu den Anliegen der neuen Festivalleitung gehört: etablierte Weltstars mit einer neuen Generation zusammenzubringen. 

Apropos Stars aus dem Mostviertel: Startenor Andreas Schager nutzte eine kurze Pause von den Bayreuther Festspielen für einen Abstecher ins Ötscherland, um an der Seite seiner Ehefrau Lidia Baich dem Festival beizuwohnen. Die Stargeigerin war einer der umjubelten Stars am Eröffnungstag des Festivals.

Vielfalt der Kunst

Es gab auch eine bemerkenswerte Premiere: Erstmals trat das neu gegründete Chopin Festival Orchester unter der Leitung von Jimmy Chiang auf. Das von Cellistin Teodora Miteva gemeinsam mit Donka Angatscheva ins Leben gerufene Ensemble vereint 20 Musiker:innen – zwölf Streicher:innen und acht Bläser:innen – unterschiedlicher Nationalitäten und musikalischer Biografien. 

Zu den außergewöhnlichsten Programmpunkten zählte die Matinée "Chopin – wenn Musik Bilder malt" mit Computerpionier und Künstler Peter Kotauczek, die Musik, bildende Kunst und Künstliche Intelligenz miteinander in Dialog brachte. 

V.l.n.r.: Donka Angatscheva, Ferry Janoska und Sandra Pires am Lunzer See © Sebastian Kocon

Nach barocker Pracht und großen klassischen Momenten wechselte die Stimmung am letzten Festivaltag in Lunz am See noch einmal ganz bewusst. Auf der Seebühne direkt am Wasser klang das Festival mit Sandra Pires und Ferry Janoska aus – sommerlich, launig und mit jener Ungezwungenheit, die diese Tage geprägt hatte. Gefeiert wurde der Erfolg anschließend gemeinsam und ausgiebig in der Lunzer Schlosstaverne.

Unter den Festivalgästen befanden sich unter anderem der österreichische Europaabgeordnete Lukas Mandl, der Botschafter der Republik Polen in Österreich Zenon Kosiniak-Kamysz, die Bürgermeister Andreas Fallmann aus Gaming und David Pöcksteiner aus Scheibbs sowie Johann Seper, Bezirkshauptmann Scheibbs. Auch Charity-Mastermind Gery Keszler und sein Partner Michael Verberic genossen die Festivaltage, ebenso pharma&-Unternehmer Elmar Zagler, der die Eröffnung im Dom des Erlauftals unterstützte.

Erschöpft aber glücklich

"Ich glaube, ich bin in diesen vier Tagen in jeder Hinsicht über meine Grenzen gegangen", resümiert Donka Angatscheva, "jetzt bin ich erschöpft, aber vor allem sehr, sehr glücklich." Im nächsten Augenblick ist davon nichts mehr zu spüren, wenn die Präsidentin bereits fürs nächste Jahr plant. 2027 soll das Festival um ein exklusives Konzert mitten in unberührter Natur erweitert werden. Wo, bleibt vorerst ein Geheimnis, nur so viel: Die Musik soll die Aufmerksamkeit bewusst auf die Kostbarkeit von Wasser und Wäldern lenken. Natur und Kultur sollen auf diese Weise noch stärker miteinander verbunden werden.

Chopin-Gala im Wiener Musikverein

Als nächstes großes Projekt wartet die Chopin-Gala im Wiener Musikverein. Auch dafür wurde beim Festival bereits ein erster prominenter Mitwirkender präsentiert: Schauspieler Wolfgang Cerny. Mit ihm erhält das Konzert eine zusätzliche dramaturgische Dimension, die Musik und Schauspielkunst miteinander verbindet.

Bilder vom 42. Chopin-Festival finden Sie in unseren Galerien hier und hier.

www.chopin.at

leadersnet.TV