29 Insolvenzen pro Werktag
Firmenpleiten in Österreich verharren auf Rekordniveau

Im ersten Halbjahr gab es 29 Insolvenzen pro Werktag. Besonders betroffen sind Wien sowie kostenintensive Branchen wie Bau, Transport und Tourismus. Für die zweite Jahreshälfte wird keine grundlegende Trendwende erwartet.

Die Insolvenzzahlen österreichischer Unternehmen haben sich im ersten Halbjahr 2026 auf hohem Niveau eingependelt. Nach der aktuellen Halbjahresstatistik von Creditreform wurden 3.443 Unternehmensinsolvenzen verzeichnet und damit um 1,6 Prozent weniger Fälle als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Den leichten Rückgang bewertet Creditreform zwar als positives Signal, von einer nachhaltigen Entspannung könne angesichts der weiterhin angespannten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen jedoch keine Rede sein. Durchschnittlich mussten auch in den ersten sechs Monaten dieses Jahres an jedem Werktag rund 29 Unternehmen Insolvenz anmelden.

Konsolidierung statt Entwarnung

"Der leichte Rückgang ist zweifellos ein positives Signal. Von einer nachhaltigen Entspannung kann jedoch keine Rede sein. Die österreichische Wirtschaft befindet sich weiterhin in einer Phase der Konsolidierung. Viele Unternehmen kämpfen nach wie vor mit schwacher Nachfrage, hohen Personal- und Energiekosten sowie einer insgesamt angespannten Ertragslage", sagt Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer des Gläubigerschutzverbandes Österreichischer Verband Creditreform.

Nach Einschätzung von Creditreform zeige die aktuelle Entwicklung, dass sich viele Unternehmen zunehmend an die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen angepasst hätten. Gleichzeitig würden aber weiterhin jene Betriebe aus dem Markt ausscheiden, deren Eigenkapitalbasis durch die Krisen der vergangenen Jahre nachhaltig geschwächt worden sei. 

"Die Zahl der Insolvenzen sinkt zwar leicht, bewegt sich aber weiterhin auf einem Niveau, das deutlich über dem langjährigen Durchschnitt der Vor-Pandemiejahre liegt. Von einer Insolvenzwelle kann man heute nicht mehr sprechen – wohl aber von einem dauerhaft erhöhten Insolvenzgeschehen", so Weinhofer.

Wien weist weiterhin die höchste Insolvenzquote auf

Laut Creditreform zeigen sich regional nach wie vor deutliche Unterschiede. Mit 1.313 Unternehmensinsolvenzen entfiel mehr als ein Drittel aller Firmeninsolvenzen in Österreich auf Wien. Die Bundeshauptstadt verzeichnet trotz eines leichten Rückgangs gegenüber dem Vorjahr mit 15,9 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen weiterhin die höchste Insolvenzquote des Landes. 

In mehreren Bundesländern nahm die Zahl der Unternehmensinsolvenzen hingegen zu. Kärnten registrierte ein Plus von 13,3 Prozent, Vorarlberg sogar von 37,5 Prozent. Auch in Niederösterreich stiegen die Fallzahlen um 5,8 Prozent und in Oberösterreich um 3,9 Prozent. Rückläufig entwickelte sich das Insolvenzgeschehen dagegen in Tirol mit einem Minus von 39,9 Prozent sowie in Salzburg, wo 17,9 Prozent weniger Unternehmensinsolvenzen verzeichnet wurden. 

"Die regionalen Unterschiede spiegeln die jeweilige Wirtschaftsstruktur wider. Ballungsräume weisen naturgemäß höhere Insolvenzraten auf als ländlich geprägte Regionen. Auffällig bleibt jedoch, dass einzelne Bundesländer trotz schwieriger Konjunktur wieder sinkende Insolvenzzahlen verzeichnen", fasst Weinhofer den Bundesländertrend zusammen.

Bauwirtschaft bleibt Sorgenkind

Die Branchenstatistik bestätigt laut Creditreform, dass vor allem die Bauwirtschaft weiterhin unter erheblichem wirtschaftlichem Druck steht. Mit 458 Insolvenzen entfiel nach dem Handel und den unternehmensbezogenen Dienstleistungen erneut die höchste Zahl aller Verfahren auf die konjunkturabhängige Branche. Die Insolvenzquote lag dort bei 19 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen und zählt damit weiterhin zu den höchsten aller Wirtschaftsbereiche.

Auch das Beherbergungs- und Gaststättenwesen entwickelte sich neuerlich negativ. Dort nahm die Zahl der Insolvenzen um 5,7 Prozent zu. Trotz einer guten Auslastung würden steigende Personal-, Energie- und Finanzierungskosten zahlreiche Betriebe belasten.

Demgegenüber verzeichneten mehrere Branchen rückläufige Insolvenzzahlen. In der Sachgütererzeugung beziehungsweise Industrie gingen die Verfahren um 9,9 Prozent zurück, im Handel um 11,2 Prozent, bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen um 4,7 Prozent sowie im Kredit- und Versicherungswesen um 23,4 Prozent. Das höchste Insolvenzrisiko weist laut Creditreform allerdings weiterhin der Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung auf. Dort kamen 23,3 Insolvenzen auf 1.000 Unternehmen.

"Vor allem Branchen mit hoher Kostenbelastung und geringem Preissetzungsspielraum stehen weiterhin unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Das gilt insbesondere für Bau, Transport und Teile des Tourismus", sagt der Experte.

GmbHs dominieren das Insolvenzgeschehen

Die meisten Insolvenzverfahren entfielen auch im ersten Halbjahr 2026 auf Gesellschaften mit beschränkter Haftung. Insgesamt wurden 1.532 GmbH-Insolvenzen registriert. Weitere 1.338 Verfahren betrafen nicht protokollierte Gewerbebetriebe, 184 Insolvenzen entfielen auf Einzelunternehmen.

Während die Zahl der GmbH-Insolvenzen um 3,9 Prozent zurückging, nahm sie bei nicht protokollierten Gewerbebetrieben um 5,1 Prozent zu. Deutlich rückläufig entwickelte sich das Insolvenzgeschehen bei Einzelunternehmen mit einem Minus von 15,6 Prozent sowie bei GmbH & Co KGs, wo ein Rückgang um 42,4 Prozent verzeichnet wurde.

Erstmals scheinen auch Insolvenzen der neuen Flexiblen Kapitalgesellschaft (FlexKapG) in der Statistik auf. Zwar stieg die Zahl der Verfahren um 350 Prozent, aufgrund der insgesamt erst neun registrierten Insolvenzen lasse sich daraus laut Creditreform jedoch noch kein belastbarer Trend ableiten. Gläubiger:innen seien dennoch gut beraten, bei Geschäftspartner:innen dieser Gesellschaftsform Vorsicht walten zu lassen, da diese über ein geringeres Stammkapital und damit einen kleineren Haftungsfonds verfügten.

Großinsolvenzen prägen die öffentliche Wahrnehmung

Österreich verzeichnete auch im ersten Halbjahr 2026 mehrere bedeutende Unternehmensinsolvenzen. Gemessen an der Anzahl der betroffenen Beschäftigten war die Insolvenz der Wollsdorf Leder Schmidt & Co. Ges.m.b.H. mit 361 Arbeitnehmer:innen die größte des Beobachtungszeitraums. Hinsichtlich der Höhe der Verbindlichkeiten lag hingegen die Laura Privatstiftung mit Passiva von rund 1,07 Milliarden Euro an der Spitze der Insolvenzstatistik.

"Großinsolvenzen prägen regelmäßig die öffentliche Wahrnehmung. Tatsächlich besteht das Insolvenzgeschehen aber überwiegend aus kleinen und mittleren Unternehmen, deren wirtschaftliche Schwierigkeiten oftmals weit weniger öffentlich wahrgenommen werden", analysiert Weinhofer.

Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau erwartet

Für das zweite Halbjahr rechnet Creditreform mit keiner grundlegenden Veränderung des Insolvenzgeschehens. Zwar dürfte sich die Konjunktur langsam stabilisieren, gleichzeitig würden hohe Finanzierungskosten, die zurückhaltende Investitionsbereitschaft und geopolitische Unsicherheiten die Unternehmen weiterhin belasten.

"Wir rechnen für das Gesamtjahr 2026 mit einer Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau. Die österreichischen Unternehmen haben ihre Widerstandsfähigkeit erhöht, gleichzeitig bleibt das wirtschaftliche Umfeld anspruchsvoll. Eine Rückkehr auf das (niedrige) Insolvenzniveau der Vor-Krisenjahre ist derzeit nicht in Sicht", so Weinhofer abschließend. 

www.creditreform.at

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