Als sich nach dem letzten Ton der Vorhang senkte, hielt es das Premierenpublikum nicht mehr auf den Sitzen. Minutenlange Standing Ovations begleiteten die erste Aufführung von "Wiener Blut" auf Schloss Tabor – ein Zeichen dafür, dass die ungewöhnliche Idee aufging.
Regisseurin Rita Sereinig verabschiedet sich konsequent vom historischen Wien und verlegt den Operettenklassiker auf ein Kreuzfahrtschiff. Dort wird aus Graf Balduin Zedlau ein Kapitän, aus höfischen Intrigen werden Urlaubsliebschaften und aus gesellschaftlichen Konventionen die kleinen und großen Absurditäten einer modernen Reisegesellschaft. Das Ergebnis ist keine bloße Aktualisierung, sondern eine eigenständige Leseart, die den Humor des Originals bewahrt und gleichzeitig neue Akzente setzt.
Frauen übernehmen das Kommando
Besonders im Schlussbild entfernt sich die Produktion bewusst von bekannten Operettentraditionen. Während in klassischen Inszenierungen meist die Harmonie siegt, dürfen dieses Mal die Frauen das Steuer übernehmen, während die Männer sich in einem Rettungsboot auf offener See wiederfinden.
"Wir haben das Stück lediglich ins Heute versetzt und zeigen, was passieren könnte, wenn einmal die Frau das Ruder übernimmt", beschreibt Generalintendant Alfons Haider den Gedanken hinter dem ungewöhnlichen Finale. Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgte der letzte Bühneneffekt des Abends. Eine riesige goldene Krake erhebt sich aus den Tiefen und begleitet das Ensemble zum Schlussapplaus.
Musikalisch hohes Niveau
Unverändert geblieben ist dagegen die Kraft der Musik von Johann Strauss. Unter der Leitung von Peter Sommerer musizierte die Junge Philharmonie Brandenburg mit Leichtigkeit und Präzision, während der von Sascha Nader einstudierte Chor den großen Ensembleszenen klangliche Dichte verlieh.
Auch optisch setzt die Produktion auf großes Theater. Hans Kudlich verwandelt die Bühne, wie bereits erwähnt, in ein luxuriöses Kreuzfahrtschiff. Julia Klug stattet das Ensemble wiederum mit mehr als 160 detailreichen Kostümen aus und Sabine Artholds Choreografien sorgen dafür, dass auf der "MS Wiener Blut" ständig Bewegung herrscht.
Starke Ensembleleistung
Den größten Eindruck hinterließen jedoch die Solist:innen. Vor allem Friederike Meinke überzeugte als Gabriele Zedlau mit ausdrucksstarker Stimme und großer Bühnenpräsenz. Michael Heim gab den Kapitän Balduin Zedlau als charmanten Frauenhelden, während Lena Stöckelle, Verena Barth-Jurca, Martin Mairinger, Horst Lamnek und Christian Tschelebiew die turbulente Handlung mit Spielfreude und komödiantischem Gespür vorantrieben.
"Operette lebt von Emotionen, Humor und wunderbarer Musik. Genau das wollten wir mit unserer Wiener Blut vermitteln – frisch, überraschend und voller Lebensfreude", sagte Generalintendant Alfons Haider nach der Premiere. Der begeisternde Premierenabend sei vor allem dem Ensemble sowie dem Kreativteam vor und hinter der Bühne zu verdanken.
Große Nachfrage bestätigt den Erfolg
Unter den Ehrengästen befand sich auch Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Er bezeichnete Schloss Tabor als wichtigen Kulturstandort des Landes: "Schloss Tabor zeigt Jahr für Jahr, welchen Stellenwert Kunst und Kultur im Burgenland haben" Die Auslastung liege bereits bei rund 85 Prozent, zudem seien schon jetzt mehr Eintrittskarten verkauft worden als im gesamten Vorjahr. Ziel seien heuer 8.500 Besucher:innen.
Nach diesem erfolgreichen Auftakt bleibt Wiener Blut noch bis Mitte August auf Schloss Tabor zu sehen. Für 2027 steht mit Emmerich Kálmáns "Die Csárdásfürstin" bereits die nächste Operettenproduktion fest.
Prominente Gästeschar
Im Publikum gesehen wurden neben Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und Ehefrau Julia unter anderem die Geschäftsführerin der KBB – Kultur-Betriebe Burgenland GmbH Claudia Priber, der Kommunikationsexperte der Landesholding Burgenland Martin Hollweck, Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner, der Protokollchef des Landes Burgenland Rainer Winter, Landesrat Leonhard Schneemann und Ehefrau Karin, Bühnenbauer Manfred Waba, Schauspielerin Konstanze Breitebner, Neuhaus am Klausenbach Bürgermeisterin Monika Pock, Mühlgrabens Bürgermeister Fabio Halb, Königsdorf Bürgermeister Mario Trinkl, Jennersdorf Bürgermeister Reinhard Deutsch, Landeshauptmann außer Dienst Hans Niessl, Künstlermanager Christoph Waltenberger sowie Schauspieler Christoph Krutzler und viele mehr.
Einen Eindruck von der Premiere können Sie zudem mittels Galerie gewinnen.
www.schlosstabor.at
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