Fotos des Projekts
Street Art auf Zeit verändert die Post City Linz

Vier Fassaden, eine interaktive Lichtinstallation und ein Areal vor dem Umbau: Die Österreichische Post und Calle Libre nutzen das frühere Linzer Verteilzentrum als öffentlich zugängliche Kunstfläche.

Wo früher Briefe und Pakete für Oberösterreich verteilt wurden, bestimmen nun organische Formen, leuchtende Farben und eine interaktive Installation das Bild. Grund dafür ist ein neues Projekt der Österreichischen Post. Gemeinsam mit dem Urban-Art-Kollektiv Calle Libre hat diese vier Fassaden der Post City Linz von internationalen Künstler:innen gestalten lassen (LEADERSNET berichtete). Die Arbeiten umfassen nach Unternehmensangaben insgesamt 2.235 Quadratmeter, erstrecken sich über fast 150 Meter und erreichen eine Höhe von bis zu 15 Metern. 

Unter dem Leitmotto "Addressing Tomorrow" beschäftigten sich Manuel Skirl und Linda Steiner aus Österreich, JahOne aus Bulgarien sowie Spidertag aus Spanien mit Zukunft, Natur, Technologie, Zeit und Veränderungen des urbanen Raums. Nach Angaben der Post handelt es sich um das größte Street-Art-Ensemble Österreichs. 

Vier Perspektiven, eine gemeinsame Zukunft

Den größten Teil der Fassade gestaltete der Wiener Künstler Manuel Skirl. Seine abstrakten, organischen Formen erinnern an Pflanzen, Triebe und Wachstumsprozesse. Die Arbeit verbindet damit die geradlinige Architektur des ehemaligen Logistikgebäudes mit Motiven aus der Natur. Linda Steiner hinterfragt dafür in ihrem Werk "Unter Brennnesseln", wie Menschen auf jene Bereiche der Natur reagieren, die sich nicht kontrollieren oder nach ästhetischen Vorstellungen ordnen lassen. Brennnesseln und ein Skorpion stehen dabei für Bestandteile natürlicher Systeme, die häufig störend wahrgenommen werden, zugleich aber zur biologischen Vielfalt beitragen.

Der bulgarische Künstler JahOne setzt sich unter dem Titel "Balance" wiederum mit persönlicher und gesellschaftlicher Verantwortung in Zeiten des Wandels auseinander. Im Zentrum steht eine Frauenfigur, die von Symbolen wie Sonne, Windrad, Blume und geometrischen Formen umgeben ist. Am Uhrturm ergänzt schließlich Spidertag das Fassadenensemble – und zwar um eine Lichtinstallation. Besucher:innen können diese über einen QR-Code beeinflussen und unter anderem Farben oder Animationen verändern. Damit wird der Turm selbst zum Teil einer Arbeit über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. 

"Linz ist eine Stadt im Wandel, und genau deshalb passt ein Projekt wie 'Addressing Tomorrow' sehr gut zu uns. Die Post City Linz zeigt, wie ein Ort mit Geschichte neu gedacht und für die Menschen geöffnet werden kann. Dass hier auf mehr als 2.000 Quadratmetern Kunst im öffentlichen Raum entsteht, macht Stadtentwicklung sichtbar und erlebbar. Besonders freut mich, dass dieses Kunstwerk nicht hinter Museumstüren stattfindet, sondern mitten in der Stadt und für alle frei zugänglich ist", so Dietmar Prammer, Bürgermeister der Stadt Linz.

Kunst begleitet Übergangsphase des Areals

Die Wahl des Standorts verleiht dem Motiv eine zusätzliche Ebene. Das frühere Verteilzentrum beim Linzer Hauptbahnhof wurde jahrzehntelang für die Postlogistik genutzt, ehe das Logistikzentrum 2014 nach Allhaming übersiedelte. Gleichzeitig steht das Areal selbst vor Veränderungen. Für die Post City ist langfristig eine gemischte Nutzung mit Gewerbe, Handel, Hotel und Wohnungen vorgesehen. Die konkrete Entwicklung soll nach Angaben von Post-Generaldirektor Walter Oblin in den kommenden ein bis zwei Jahren festgelegt werden. Ein:e Investor:in werde noch gesucht. Das Street-Art-Ensemble ist daher nicht auf Dauer angelegt. Laut Calle Libre sollen die Werke so lange erhalten bleiben, wie sich das Gebäude in seinem gegenwärtigen Zustand befindet. Die Kunst begleitet damit jene Übergangsphase, die sie inhaltlich zum Thema macht.

"Die Post City Linz bietet die besondere Möglichkeit, zeitgenössische urbane Kunst an einem Ort sichtbar zu machen, den täglich sehr unterschiedliche Menschen passieren. Gerade diese Verbindung von bestehender Infrastruktur, Kunst und Öffentlichkeit macht das Projekt spannend und schafft Zugänge weit über die klassische Kunstszene hinaus", erklärt Jakob Kattner, Kurator und Vorstandsvorsitzender von Calle Libre.

Calle Libre kommt erstmals nach Linz

Am 18. und 19. September 2026 wurde die Post City zum Schauplatz eines zweitägigen Calle Libre Festivals. Das Wiener Street-Art-Kollektiv, das nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren mehr als 200 Wände in Wien gestaltet hat, brachte sein Festival damit erstmals nach Linz. Bei freiem Eintritt standen Führungen zu den Fassadenarbeiten, Live-Painting, Workshops, eine Druckstation und Gespräche mit den beteiligten Künstler:innen auf dem Programm. Beim Live-Painting mit Coins konnten Besucher:innen die Entstehung einer Arbeit verfolgen. Mit Noel Art und Mario Naise waren auch zwei Vertreter:innen der Linzer Street-Art-Szene eingebunden.

Das Musikprogramm setzte am Freitag auf ein von Frauen getragenes Line-up, während am Samstag DJs aus der lokalen Szene übernahmen. Zudem gestaltete Manuel Skirl im Rahmen des Festivals den ersten Street-Art-Container der Post. 

Ein Mural soll zur Briefmarke werden

Über Linz hinaus soll das Projekt 2027 sichtbar werden. Nach Ankündigung der Österreichischen Post steht Street Art im kommenden Jahr im Mittelpunkt der seit 1956 herausgegebenen Serie "Europa-Briefmarke". Eines der Werke aus der Post City soll als österreichisches Briefmarkenmotiv ausgewählt werden. Welches Kunstwerk dafür vorgesehen ist und wann die Marke erscheinen wird, gab das Unternehmen noch nicht bekannt.

Für die Post ist "Addressing Tomorrow" zugleich Teil ihrer Markenkommunikation. Das Unternehmen will damit insbesondere jüngere Zielgruppen außerhalb seiner klassischen Kontaktpunkte erreichen. Bereits 2025 ließ es im Rahmen von "Reif für die Gallery" neun Briefkästen künstlerisch gestalten (LEADERSNET berichtete) und arbeitete für eine limitierte Bekleidungskollektion sowie eine Veranstaltung mit dem Wiener Musiker Bibiza zusammen (LEADERSNET berichtete). Mit der Post City überträgt das Unternehmen diesen Ansatz nun auf eine wesentlich größere, öffentlich sichtbare Fläche.

"Die Post ist eine starke, etablierte Marke – und gerade deshalb ist es wichtig, immer wieder neue Berührungspunkte mit unterschiedlichen Zielgruppen zu schaffen. Kunst und Kultur eröffnen Perspektiven, bringen unterschiedliche Menschen zusammen und ermöglichen Begegnungen mit unserer Marke in einem neuen Kontext. Mit 'Addressing Tomorrow' führen wir diesen Weg konsequent weiter und schaffen gemeinsam mit Calle Libre etwas, das weit über die Post City Linz hinaus Wirkung entfaltet", so Oblin abschließend.

Einen Eindruck vom Projekt können Sie mittels Galerie gewinnen. 

www.post.at

www.callelibre.at

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