Die aktuelle Ausgabe von "Peter & Paul" dreht sich um das Thema "Wald, Wild und Wirtschaft – Verantwortung für die Zukunft". Aufgezeichnet wurde die Sendung an zwei unterschiedlichen Schauplätzen. Während Opinion Leaders Network-CEO Paul Leitenmüller den Landesjägermeister von Salzburg und Vorsitzenden der Österreichischen Wildtier-Stiftung, Maximilian Mayer-Melnhof, im imperialen Ambiente der Wiener Hofburg begrüßte, traf er Anton Larcher, Tiroler Landesjägermeister und Präsident von Jagd Österreich, zum Gespräch in der Wiener Gumpendorfer Straße. Gemeinsam widmeten sich beide Gäste dem Hauptthema und zeigten auf, welche Rolle die Jagd heute für Wald, Wild, Natur, Gesellschaft und Wirtschaft spielt. Im Mittelpunkt stehen der Schutz von Lebensräumen, wissenschaftlich fundiertes Wildtiermanagement sowie die Frage, warum eine moderne Jagd weit mehr ist als Tradition.
Dabei machten beide Gesprächspartner gleich zu Beginn deutlich, dass Jagd längst nicht mehr ausschließlich über Tradition definiert werden könne. Vielmehr gehe es darum, Verantwortung für Lebensräume zu übernehmen und unterschiedliche Interessen – vom Naturschutz über die Land- und Forstwirtschaft bis hin zur Freizeitnutzung – in Einklang zu bringen.
Mehr als ein Brauchtum
Für Mayer-Melnhof wird die Jagd in der öffentlichen Wahrnehmung häufig auf das Erlegen von Wild reduziert. Tatsächlich sei sie jedoch wesentlich umfassender. Österreichs Jäger:innen engagieren sich für den Erhalt der Kulturlandschaft, legen Biotope und Hecken an und übernehmen Verantwortung für zahlreiche Wildtierarten. Etwas provokant formulierte er seine Sicht auf die Rolle der Jägerschaft: "Jagd ist Tierschutz." Was auf den ersten Blick widersprüchlich klinge, erkläre sich aus dem Selbstverständnis der Jäger:innen, Lebensräume zu pflegen, Wildbestände nachhaltig zu regulieren und damit zum Erhalt gesunder Populationen beizutragen. "Jagd ist kein Hobby, sondern eine bewusste Entscheidung", betonte Mayer-Melnhof zudem und verwies auf die umfassende Ausbildung und die staatlich anerkannte Prüfung.
Auch Larcher sieht die Jägerschaft als zentrale Akteurin im Natur- und Wildtiermanagement. Österreichweit engagieren sich mehr als 130.000 Jäger:innen, deren Aufgaben weit über die eigentliche Jagdausübung hinausreichen. Besonders erfreulich sei dabei der steigende Frauenanteil: Bei den Jungjäger:innen liege dieser mittlerweile bei rund 30 Prozent.
Wissen schafft Akzeptanz
Ein zentrales Thema der Sendung war die Bedeutung wissenschaftlicher Grundlagen. Sowohl die Österreichische Wildtier-Stiftung als auch Jagd Österreich setzen auf Monitoring und Datenerhebung, um Wildbestände langfristig zu beobachten und nachhaltige Entscheidungen treffen zu können.
Mayer-Melnhof erklärte, dass die Wildtier-Stiftung gegründet wurde, um Forschung und Projekte zum Schutz heimischer Wildtiere stärker zu unterstützen. Die österreichweiten Erhebungen würden nicht nur den Anforderungen der Europäischen Union entsprechen, sondern auch eine wichtige Grundlage für ein nachhaltiges Wildtiermanagement bilden. "Sehr viel Meinung, sehr wenig Wissen", fasste er die öffentliche Debatte zusammen und plädierte dafür, die Arbeit der Jägerschaft transparenter zu machen.
Larcher unterstrich die Bedeutung des Monitorings ebenfalls. Nach seinem Grundsatz "No data, no hunting" seien wissenschaftliche Daten heute Voraussetzung für ein verantwortungsvolles Wildtiermanagement. Sie ermöglichten es, Bestände realistisch einzuschätzen und notwendige Maßnahmen nachvollziehbar zu begründen.
Natur braucht Rücksicht
Beide Landesjägermeister sehen den zunehmenden Nutzungsdruck auf die Natur als eine der größten Herausforderungen. Wandern, Mountainbiken oder andere Freizeitaktivitäten seien selbstverständlich legitim, gleichzeitig brauche es aber mehr Rücksicht auf die Lebensräume der Wildtiere.
Mayer-Melnhof spricht sich für mehr Aufklärung aus. Viele Konflikte entstünden nicht aus Absicht, sondern aus mangelndem Wissen über sensible Zeiten und Lebensräume. Larcher formulierte es ähnlich: "Im Wald ist grundsätzlich für alle Platz – entscheidend sind jedoch klare und faire Spielregeln."
Auch das Thema Wildbret kam zur Sprache. Beide sehen darin ein regionales und hochwertiges Lebensmittel, machten aber gleichzeitig deutlich, dass heimisches Wild nur einen sehr kleinen Teil des gesamten Fleischkonsums in Österreich ausmacht. Dennoch könne es beispielhaft für Regionalität, Nachhaltigkeit und bewussten Konsum stehen.
Mit Demut Verantwortung übernehmen
Zum Abschluss wurde das Gespräch persönlicher. Sowohl Mayer-Melnhof als auch Larcher beschrieben den Wald als Ort der Ruhe und der Erdung. Die Natur lehre Demut und erinnere daran, dass Verantwortung nie abgeschlossen sei, sondern jeden Tag neu übernommen werden müsse.
Mayer-Melnhof richtete einen Appell an alle Jäger:innen, Wissen nicht mit erhobenem Zeigefinger weiterzugeben, sondern mit Respekt und Bescheidenheit. Nur so könne es gelingen, Verständnis für die vielfältigen Aufgaben der Jagd zu schaffen und Brücken zwischen unterschiedlichen Interessen zu bauen.
Was Maximilian Mayer-Melnhof und Anton Larcher zum Thema "Wald, Wild und Wirtschaft – Verantwortung für die Zukunft" noch gesagt haben, sehen Sie im LEADERSNET.tv-Video und hören Sie im Podcast.
Alle "Peter & Paul"-Folgen zum Nachschauen finden Sie hier.
Fotos vom Dreh sehen Sie in der Galerie.
www.jagd-oesterreich.at
www.wildtierstiftung.at
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