Crif hebt Prognose an
Österreich steuert auf bis zu 9.500 Privatkonkurse zu

| Redaktion 
| 05.08.2026

Angesichts hoher Lebenshaltungskosten, steigender Arbeitslosigkeit und anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheit reicht regional die Entwicklung von einem Plus von 16,4 Prozent in Oberösterreich bis zu einem Rückgang um 6,6 Prozent in Kärnten.

In Österreich ist die Zahl der Privatkonkurse im ersten Halbjahr 2026 erneut gestiegen. Insgesamt wurden 4.722 Verfahren registriert. Gegenüber dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres waren das 217 Fälle beziehungsweise 4,8 Prozent mehr. Das geht aus der aktuellen Halbjahresanalyse von Crif hervor. Auf Grundlage dieser Entwicklung hat der Informationsdienstleister seine Prognose für das Gesamtjahr 2026 angehoben. Statt der ursprünglich erwarteten 9.000 Privatkonkurse rechnet das Unternehmen nun mit bis zu 9.500 Verfahren. 

Zweithöchster Wert innerhalb von zehn Jahren möglich

Sollte die neue Prognose eintreffen, würde Österreich den zweithöchsten Stand an Privatkonkursen innerhalb der vergangenen zehn Jahre verzeichnen. Mehr Verfahren gab es in diesem Zeitraum nur 2018. Damals wurden insgesamt 10.062 Privatkonkurse eröffnet. Der Wert aus dem Jahr 2018 sei mit der aktuellen Situation allerdings nur eingeschränkt vergleichbar. Der damalige Höchststand sei maßgeblich auf die Insolvenzrechtsform von 2017 zurückzuführen, die im darauffolgenden Jahr einen deutlichen Nachholeffekt ausgelöst habe. 

Finanzielle Reserven zunehmend erschöpft 

Die zuletzt rückläufige Inflation habe die finanzielle Lage vieler privater Haushalte bislang nicht nachhaltig verbessert. Hohe Lebenshaltungskosten, eine steigende Arbeitslosigkeit und anhaltende wirtschaftliche Unsicherheiten würden zahlreiche Menschen weiterhin unter Druck setzen. "Die Entwicklung der Privatkonkurse ist ein wichtiger Indikator für die finanzielle Situation privater Haushalte", sagt Anca Eisner-Schwarz, Geschäftsführerin von Crif Österreich.

Die aktuellen Analysen würden zeigen, dass viele Menschen trotz einer leicht rückläufigen Inflation weiterhin erheblichen finanziellen Belastungen ausgesetzt seien, steigende Fixkosten und die höhere Arbeitslosigkeit führten laut Eisner-Schwarz dazu, dass vorhandene Rücklagen zunehmend aufgebraucht würden. Unerwartete Belastungen könnten deshalb immer häufiger eine Überschuldung auslösen.

Mehrere Faktoren führen häufig zur Überschuldung 

Die Gründe für Privatinsolvenzen seien vielfältig. Zu den häufigsten Auslösern zählten Arbeitslosigkeit, dauerhaft niedrige Einkommen, eine gescheiterte Selbstständigkeit, gesundheitliche Probleme sowie familiäre Veränderungen wie eine Trennung oder Scheidung. Auch ein langfristig nicht finanzierbares Konsumverhalten könne zu einer Privatinsolvenz führen.

"Eine Privatinsolvenz ist meist nicht die Folge eines einzelnen Ereignisses. Häufig treffen mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig aufeinander", so Eisner-Schwarz. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten fehle vielen Haushalten der finanzielle Spielraum, um solche Entwicklungen rechtzeitig abzufedern.

Oberösterreich weist stärksten Zuwachs auf 

Die Entwicklung fiel in den neun Bundesländern unterschiedlich aus. Den höchsten prozentuellen Anstieg verzeichnete Oberösterreich. Dort nahm die Zahl der eröffneten Privatkonkurse von 664 auf 773 Fälle zu. Das entspricht einem Plus von 16,4 Prozent.

Auch in Niederösterreich erhöhten sich die Fallzahlen deutlich. Die Zahl der Verfahren stieg von 622 auf 708 und damit um 13,8 Prozent. In der Steiermark wurden im ersten Halbjahr 487 Privatkonkurse registriert. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 436 Fälle gewesen. Daraus ergibt sich ein Anstieg um 11,7 Prozent.

Weitere Zuwächse gab es in Vorarlberg mit 10,5 Prozent, im Burgenland mit 7,8 Prozent und in Salzburg mit 7,1 Prozent. Rückläufig war die Entwicklung dagegen in Kärnten, Wien und Tirol. In Kärnten sank die Zahl der Privatkonkurse um 6,6 Prozent. Wien verzeichnete ein Minus von 2,0 Prozent, während die Zahl der Verfahren in Tirol um 0,9 Prozent zurückging.

Wien bleibt bei der absoluten Fallzahl an erster Stelle

Trotz des Rückgangs um 2,0 Prozent entfiel die höchste absolute Zahl an Privatkonkursen weiterhin auf Wien. In der Bundeshauptstadt wurden im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 1.591 Verfahren eröffnet. Dahinter folgten Oberösterreich mit 773 und Niederösterreich mit 708 Fällen.

Zuwächse gab es in Vorarlberg (+10,5 %), dem Burgenland (+7,8 %) und Salzburg (+7,1 %). Rückläufig entwickelte sich die Zahl der Privatkonkurse hingegen in Kärnten (-6,6 %), Wien (-2,0 %) und Tirol (-0,9 %). 

Bundeshauptstadt hat höchste Insolvenzdichte

Auch gemessen an der Bevölkerungszahl lag Wien österreichweit an der Spitze. Auf 100.000 Einwohner:innen kamen in der Bundeshauptstadt 79,3 Privatkonkurse. An zweiter Stelle folgte Vorarlberg mit 61,8 Verfahren je 100.000 Einwohner:innen. Kärnten erreichte einen Wert von 54,5 Fällen. Im österreichweiten Durchschnitt wurden 51,5 Privatkonkurse je 100.000 Einwohner:innen registriert.

Höchste Fallzahl bei den 40- bis 49-Jährigen

Die meisten Privatkonkurse betrafen im ersten Halbjahr 2026 erneut Menschen zwischen 40 und 49 Jahren. In dieser Altersgruppe wurden 1.335 Verfahren registriert. Gegenüber dem Vergleichszeitraum bedeutete das einen Anstieg um 7,2 Prozent.

Bei den 50- bis 59-Jährigen erhöhten sich die Fallzahlen um 6,8 Prozent. In der Gruppe der über 60-Jährigen wurde ein Plus von 6,1 Prozent verzeichnet. Bei den 30- bis 39-Jährigen nahm die Zahl der Privatkonkurse um 2,0 Prozent zu.

Lediglich bei den 18- bis 29-Jährigen ging die Zahl der Fälle zurück. In dieser Altersgruppe betrug das Minus 2,4 Prozent. 

Wirtschaftliche Entwicklung zeigt sich mit Verzögerung

Crif erwartet vorerst keine nachhaltige Entspannung. Privatinsolvenzen würden Veränderungen der wirtschaftlichen Lage häufig erst mit zeitlicher Verzögerung abbilden. Deshalb sei davon auszugehen, dass sich die anhaltenden finanziellen Belastungen auch in den kommenden Monaten in den Insolvenzzahlen niederschlagen würden. "Aus heutiger Sicht sehen wir daher noch keine nachhaltige Entspannung", sagt Eisner-Schwarz.

Crif rechnet für das Gesamtjahr 2026 daher mit bis zu 9.500 Privatkonkursen. Gegenüber der bisherigen Prognose von 9.000 Verfahren bedeutet dies eine Erhöhung um bis zu 500 Fälle.

Entschuldungsdauer steigt von drei auf fünf Jahre

Neben der wirtschaftlichen Situation könnte auch die geänderte Rechtslage Einfluss auf die weitere Entwicklung nehmen. Seit Mitte Juli 2026 gilt bei Privatinsolvenzen wieder eine Entschuldungsdauer von fünf Jahren.

Die zuvor befristete Möglichkeit, sich bereits innerhalb von drei Jahren zu entschulden, ist ausgelaufen. Welche Auswirkungen die Verlängerung um zwei Jahre auf die Zahl der Privatkonkurse haben werde, lasse sich laut Crif derzeit noch nicht abschließend beurteilen.

www.crif.at

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV