Der angekündigte Stellenabbau bei Lenzing wird ausgeweitet. Neben den bereits bekannten Einsparungen von 600 Arbeitsplätzen (LEADERSNET berichtete) im Verwaltungsbereich sollen im Zuge der strategischen Neuausrichtung weitere Stellen wegfallen. Im Burgenland läuft die Faserproduktion in Heiligenkreuz bis Ende 2026 aus, das Werk soll verkauft werden. Am Standort Grimsby in England läuft die Faserproduktion bis Ende 2027 aus. Insgesamt sollen bis Ende 2027 weltweit rund 2.000 Stellen wegfallen.
Verkauf des Werks geplant
Wie das Unternehmen mitteilte, wird die Produktion in Heiligenkreuz bis Ende 2026 fortgeführt. Anschließend soll das Werk verkauft werden. Für die rund 300 Beschäftigten gilt ein bestehender Sozialplan. Auch der Standort Grimsby ist von den Maßnahmen betroffen, dort läuft die Faserproduktion bis Ende 2027 aus.
Lenzing-CEO Georg Kasperkovitz erklärte laut Medienberichten, Ziel sei es, für das Werk in Heiligenkreuz eine:n neue:n Eigentümer:in zu finden. "Lenzing wird sich aus Heiligenkreuz zurückziehen und versuchen, dass der Standort mit einem:r neuen Eigentümer:in weiter besteht", so Kasperkovitz. Die Suche nach einem:r Käufer:in beginne umgehend und könne seiner Einschätzung nach innerhalb weniger Monate abgeschlossen werden. Aus Grimsby werde sich der Konzern hingegen zurückziehen.
Rund 2.000 Stellen weniger weltweit
Die Zahl der Beschäftigten soll von zuletzt rund 7.700 Vollzeitäquivalenten (Ende 2025) bis Ende 2027 deutlich sinken. Kasperkovitz sprach von rund 2.000 Stellen, die weltweit wegfallen sollen. Dabei handle es sich seinen Angaben zufolge nicht um ein reines Spar- oder Schließungsprogramm, sondern um Maßnahmen im Rahmen der strategischen Neuausrichtung. Gleichzeitig werde der Hauptsitz in Lenzing in Oberösterreich gestärkt.
Bis zu 600 Millionen Euro für die Neuausrichtung
Die strategische Neuausrichtung wird von den Hauptaktionären B&C-Gruppe und Suzano sowie der Oberbank unterstützt. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben eine umfassende Refinanzierungsvereinbarung mit den wesentlichen Kreditgebern abgeschlossen.
Geplant sei eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten von bis zu 300 Millionen Euro, über die eine außerordentliche Hauptversammlung entscheiden soll. Weitere Finanzierungsvereinbarungen sollen bis zu 300 Millionen Euro bringen. Insgesamt stehen damit bis zu 600 Millionen Euro für die Neuausrichtung zur Verfügung. Zudem wurden die Laufzeiten bestehender Verbindlichkeiten bis 2030 verlängert.
Betriebsrat spricht von Schock
Für die Belegschaft kam die Entscheidung laut Medienberichten überraschend. Betriebsratsobmann Philipp Perl sagte, man habe nach den bereits im Frühjahr angekündigten Veränderungen zwar mit Anpassungen gerechnet, mit dieser Entscheidung habe jedoch niemand gerechnet.
Land Burgenland kündigt Unterstützung an
Wie das Land Burgenland in einer Aussendung mitteilte, bezeichnete Landeshauptmann Hans Peter Doskozil die Entscheidung als schmerzhafte Entwicklung für das Südburgenland. Diese sei der strategischen Neuausrichtung des Konzerns geschuldet und politisch nicht zu beeinflussen.
"Das Land wird den Standort und die Mitarbeiter des Lenzing-Werks in Heiligenkreuz mit Sicherheit nicht im Stich lassen", so Doskozil.
Nach einem Gespräch mit Lenzing-CEO Georg Kasperkovitz sei ihm zugesichert worden, dass die Produktion jedenfalls bis Jahresende gesichert sei und bei Bedarf auch darüber hinaus fortgeführt werden könnte, sofern dies einen geordneten Übergang zu einem neuen Eigentümer erleichtere, hieß es in der Aussendung.
Doskozil verwies zudem darauf, dass in den vergangenen Monaten eine neue Produktlinie in Heiligenkreuz etabliert und in das Heizkraftwerk investiert worden sei. Laut der Geschäftsführung vor Ort seien die langfristigen Perspektiven positiv und die Auslastung gut. Das operative Ergebnis sowie der Free Cashflow des Werks hätten sich im ersten Halbjahr 2026 nach zuvor negativen Werten ins Positive entwickelt.
Gemeinsam mit dem Management und weiteren Experten wolle das Land nun an einer nachhaltigen Zukunftslösung arbeiten. Ziel sei es, den Produktionsstandort langfristig zu sichern und möglichst viele der rund 300 Arbeitsplätze zu erhalten. Doskozil verwies dabei auf frühere Lösungen wie jene bei Sanochemia in Neufeld.
www.lenzing.com
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