Nachhaltiger Gemüsebau im Fokus
Wien setzt auf innovative Landwirtschaft mit weniger Ressourcenverbrauch

| Redaktion 
| 15.07.2026

Eine Biomasse-Heizanlage sowie eine Carbon-Capture-Anlage ermöglichen die Wiederverwendung von CO₂ und unterstützen eine nachhaltigere Gestaltung landwirtschaftlicher Produktionsprozesse.

Wie nachhaltige Lebensmittelproduktion, technologische Innovation und Klimaschutz zusammenwirken können, zeigte die Stadt Wien gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Wien bei einem Besuch eines modernen Gemüsebetriebs. Im Mittelpunkt stand eine Anlage, die abgeschiedenes CO₂ wieder nutzbar macht und damit erstmals in Österreich im industriellen Maßstab eingesetzt wird. 

Das Beispiel verdeutliche, wie landwirtschaftliche Betriebe durch neue Technologien Ressourcen sparen, Emissionen reduzieren und gleichzeitig einen Beitrag zur regionalen Versorgung leisten könnten.

Wien verfolgt den Weg zur zirkulären Stadt

Klimastadtrat Jürgen Czernohorszsky verwies auf die Bedeutung eines verantwortungsvollen Umgangs mit natürlichen Ressourcen. "Ein gutes Leben in unserer Stadt hat auch viel damit zu tun, wie wir mit unseren Lebensgrundlagen umgehen. Unser Ressourcenverbrauch hat Auswirkungen auf Umwelt und Klima. Wien als Stadt ohne Verschwendung zu organisieren, stärkt uns daher nicht nur in der Klimakrise, sondern erhöht auch unsere Versorgungssicherheit und schafft langfristig Lebensqualität", sagte Czernohorszky mit Bezug auf die Strategie "Zirkuläres Wien – Eine runde Sache".

Die Strategie soll den Wandel Wiens hin zu einer stärker kreislauforientierten Stadt unterstützen. Dabei stehen Maßnahmen zur Ressourcenschonung und zur Förderung nachhaltiger Wirtschaftsweisen im Mittelpunkt. Viele Möglichkeiten, Material- und Energieeinsatz effizienter zu gestalten, würden laut Czernohorszky im Einflussbereich der Stadt liegen. Besonders auf regionaler Ebene könne dadurch ein Beitrag zum Schutz der Umwelt und zur Sicherung der Versorgung geleistet werden. Die Stadt setze daher gemeinsam mit der Stadtlandwirtschaft auf nachhaltige Lebensmittelproduktion und unterstütze regionale Betriebe unter anderem durch die öffentliche Verpflegung.

"Wien hat sich mit der Klimaneutralität bis 2040 das ambitionierte Ziel gesetzt, produktionsbasierte Treibhausgas-Emissionen auf Netto-Null zu reduzieren", erklärte Czernohorszky. Das vorgestellte Projekt zeige, wie aus CO₂ ein nutzbarer Rohstoff entstehen könne und damit ein geschlossener Kreislauf geschaffen werde.

Technische Entwicklungen ermöglichen neue Kreisläufe

Norbert Walter, Präsident der Landwirtschaftskammer Wien, betonte die Rolle moderner Technologien für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. In der Vergangenheit hätten externe Energiequellen, häufig fossilen Ursprungs, zunehmend menschliche Arbeitskraft ersetzt und damit zur Leistbarkeit von Lebensmitteln beigetragen. Heute würden technische Innovationen neue Möglichkeiten eröffnen, Produktionskreisläufe wieder stärker zu schließen. Der präsentierte Gemüsebaubetrieb mit Biomasseheizung und Carbon-Capture-Technologie sei dafür ein Beispiel. 

Walter zufolge befinde sich die Wiener Stadtlandwirtschaft mit professioneller Beratung sowie gezielter Unterstützung durch EU, Bund und Stadt Wien auf dem Weg zu geschlossenen Produktionskreisläufen. Die Landwirtschaftskammer Wien biete dafür verschiedene Beratungsangebote an, die Betriebe unter anderem bei betriebswirtschaftlichen, ökologischen und ressourcenbezogenen Fragestellungen unterstützen. Ein besonderer Schwerpunkt sei der Ressourcen-Check "Kreislaufwirtschaft". Mit diesem Instrument könnten Unternehmen ihre Energie-, Wasser- und Stoffströme analysieren und Möglichkeiten zur besseren Nutzung vorhandener Ressourcen erkennen.

"Unsere Berater:innen unterstützen die Betriebe dabei, Ressourcen zu schonen, Abhängigkeiten von externen Inputs zu verringern und die ökologische Stabilität zu fördern, ohne aber die wirtschaftliche Rentabilität der Unternehmen zu gefährden", erklärte Walter. Dadurch könne eine moderne und klimafreundliche Stadtlandwirtschaft entstehen, die gleichzeitig die Ernährungssicherheit stärkt.

Auch beim Thema Energie zeigt sich laut Landwirtschaftskammer ein Wandel. Bereits 47 Prozent der Wiener Gartenbaubetriebe würden Fernwärme nutzen, weitere zehn Prozent setzten auf biogene Brennstoffe wie Pellets oder Hackschnitzel. Walter betonte, dass nachhaltige Energienutzung und Energieeffizienz im Gartenbau zunehmend an Bedeutung gewinnen würden.

Gemüsebetrieb ersetzt fossile Energie durch regionale Lösungen

Der besuchte Betrieb von Martin Merschl zählt zu den leistungsfähigsten Gemüsebetrieben Wiens, so die Landwirtschaftskammer Wien. Auf einer Gewächshausfläche von rund 70.000 Quadratmetern würden jährlich etwa 3.000 Tonnen Paradeiser produziert und über die Marke "LGV Gärtnergemüse" regional vermarktet werden.

Damit trage der Familienbetrieb wesentlich zur Versorgung Wiens mit frischem Gemüse bei. Gleichzeitig stehe das Unternehmen mit seiner über hundertjährigen Geschichte für Innovation und Weiterentwicklung.

Martin Merschl erklärte: "Mit einer modernen Biomasse-Heizanlage plus einer Carbon Capture Anlage, der ersten im industriellen Maßstab in Österreich überhaupt, haben wir ganz im Sinne der zirkulären Stadt die Kreisläufe wieder geschlossen. Wir haben die Produktionsprozesse neu gedacht, haben fossiles Gas durch regionale Energie ersetzt und aus dem Problemstoff CO₂ einen wertvollen Rohstoff gemacht."

Das abgeschiedene CO₂ wird direkt am Standort weiterverwendet, unter anderem zur Unterstützung des Pflanzenwachstums in den Gewächshäusern. Dadurch werde sichtbar, wie Kreislaufwirtschaft praktisch umgesetzt werden könne: Emissionen würden nicht nur vermieden oder reduziert, sondern in ein bestehendes System integriert.

"Hier wird sichtbar, was Kreislaufwirtschaft bedeutet: Emissionen werden nicht nur reduziert, sondern Teil eines funktionierenden Systems", so Merschl.

Zusammenarbeit als Grundlage für nachhaltige Entwicklung

Für Czernohorszky zeigt das Projekt, dass Kreislaufwirtschaft nur durch Zusammenarbeit verschiedener Bereiche erfolgreich umgesetzt werden könne. "Kreislaufwirtschaft ist keine isolierte Fachdisziplin. Ihre Entwicklung, Erprobung und Umsetzung erfordern eine umfassende Zusammenarbeit", erklärte der Klimastadtrat. Die Kooperation mit der Stadtlandwirtschaft könne dazu beitragen, bestehende Wirtschafts- und Lebensweisen weiterzuentwickeln.

Wien verbinde Ressourcenschonung mit Klimaschutz und Klimaanpassung und schaffe damit Voraussetzungen, um die hohe Lebensqualität der Stadt auch für kommende Generationen zu erhalten, so Czernohorszky abschließend.

www.wien.gv.at

www.wien.lko.at

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV