Nachfolge noch offen
Nico Marchetti gab Rücktritt als ÖVP-Generalsekretär bekannt

| Larissa Bilovits 
| 06.07.2026

Der Wiener will seine Funktion mit Ende Juli abgeben und sich beruflich neu aufstellen. Sein Nationalratsmandat behält er, die Frage der Nachfolge bleibt vorerst unbeantwortet.

Dienstag, 7. Juli 2026, 17 Uhr: In der Bundes-ÖVP kommt es mitten im Sommer zu einem unerwarteten Personalwechsel an prominenter Stelle. Nico Marchetti legt seine Funktion als Generalsekretär der Volkspartei mit Ende Juli zurück, wie die Partei am Dienstagabend in einer Aussendung bekanntgab. Der Politik bleibt der 36-jährige Wiener dennoch erhalten. Als Nationalratsabgeordneter, Bildungssprecher und Bezirksparteiobmann in Wien-Favoriten will er weiterhin aktiv bleiben.

Ein untypischer Generalsekretär

Seinen Entschluss begleitete Marchetti mit einem Posting in den sozialen Medien, in dem er auf sein politisches Selbstverständnis einging. "Ich bin aus Überzeugung Sachpolitiker, ein Politiker der Mitte und mir liegt die feine Klinge mehr als der Bihänder. In den knapp eineinhalb Jahren habe ich mich als durchaus untypischer Generalsekretär in den Dienst meiner Partei gestellt, weil ich zutiefst von den christlichen, konservativen und liberalen Werten der Volkspartei überzeugt bin", hielt er darin fest. Und weiter: "Die letzten Jahre war ich allerdings ausschließlich Berufspolitiker und ich verspüre den großen Wunsch, mir ein zweites Standbein neben der Politik aufzubauen."

Parteichef und Bundeskanzler Christian Stocker würdigte den scheidenden Generalsekretär via Aussendung "für seine umsichtige Tätigkeit als Generalsekretär in den letzten eineinhalb Jahren". "Insbesondere danke ich ihm für sein Engagement, seine Loyalität und dafür, dass er in einer mehr als herausfordernden Zeit voller Umbrüche und Veränderungen sich dieser Aufgabe mit vollem Einsatz gewidmet hat", so Stocker.

Auch aus den Reihen des Koalitionspartners kamen anerkennende Worte: SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim erklärte, dass "eine Dreierkoalition in herausfordernden Zeiten intensiven Dialog und Kompromissbereitschaft" erfordere. "Auch wenn wir politisch oft unterschiedlicher Ansicht sind, ist der Austausch mit Marchetti stets von Wertschätzung, Respekt und Verlässlichkeit geprägt gewesen", so Seltenheim.

Zuletzt wachsender Druck

Der freundliche Ton nach außen kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Marchetti parteiintern zuletzt zunehmend in die Kritik geraten war. Aufgestiegen war der Wiener im Februar 2025, nachdem Alexander Pröll in die Regierung gewechselt war. Für Unmut sorgte in jüngster Zeit vor allem, dass er sich vor der Kür der ORF-Spitze offen für eine Bewerbung des schließlich erfolgreichen damaligen APA-Geschäftsführers Clemens Pig starkgemacht hatte. Hinzu kam die anhaltende Kritik an den schwachen Umfragewerten der Kanzlerpartei, für die auch der Generalsekretär mitverantwortlich gemacht wurde.

Wer auf Marchetti folgt, ist noch offen. Die Nachfolge werde zeitnah bekanntgegeben, kündigte Stocker an. Als aussichtsreichster Kandidat gilt mehreren Medienberichten zufolge Markus Gstöttner, der unter den Kanzlern Sebastian Kurz, Alexander Schallenberg und Karl Nehammer stellvertretender Kabinettschef war. Im Jänner hatte Stocker ihn zum Sonderbeauftragten für die Reformpartnerschaft bestellt.

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