"Niemand interessiert sich mehr für die Oper" – mit diesem Satz zog Hollywood-Star Timothée Chalamet vor wenigen Monaten den Zorn der weltweiten Kulturszene auf sich. Hätte der Filmstar am 11. Juni 2026 jedoch einen Blick in die Wiener Staatsoper geworfen, hätte er sein Urteil wohl rasant revidiert. Denn bei der ersten reinen U27-Vorstellung von Georges Bizets Klassiker Carmen zeigte ein komplett junges Auditorium, wie viel Leidenschaft, Emotionen und moderne Energie in diesem vermeintlich alten Genre stecken können.
Ausverkaufte Ränge
Über 2.000 junge Erwachsende füllten das Haus am Ring. Für viele von ihnen war es der erste Opernbesuch, was der allgemeinen Stimmung jedoch keinen Abbruch tat. Ganz im Gegenteil. Das heranwachsende Publikum verfolgte den rund dreistündigen Opernklassiker mit großer Aufmerksamkeit und belohnte das Ensemble mit reichlich Jubel und Standing Ovations.
"Die Idee des Abends ist, dass jede:r eine Möglichkeit bekommt, am eigenen Leib zu spüren, was die Kraft der Oper ist und warum die Menschen aus aller Welt nach Wien kommen, um in diesem Saal zu sitzen", erklärte Staatsoperdirektor Bogdan Roščić die Idee unter der U27-Vorstellung.
Zudem bot sich den Besucher:innen ein kostenloses Begleitprogramm. Unter anderem sorgten zwei Ensembles des Bühnenorchesters der Wiener Staatsoper für ein musikalisches Warm-up, während ein Carmen-Fotospot im Foyer zu Erinnerungsfotos einlud. Darüber hinaus erhielten alle Gäste einen Welcome-Drink von Sarti und ein eigens gestaltetes Programmheft. Ergänzt wurde die Aufführung durch ein begleitendes Vermittlungsangebot. Kurze Führungen durch das Opernhaus und eine Einführung in das Werk erleichterten insbesondere Erstbesucher:innen den Zugang zu Bizets Oper. Im Anschluss an die Vorstellung bot ein Meet & Greet im Operncafé zudem die Gelegenheit, persönliche Eindrücke im direkten Dialog mit den Mitwirkenden zu vertiefen.
Junge Stimmtalente
Ein stimmliches Highlight des Abends war Elmina Hasan. Die 26-jährige Künstlerin aus Aserbaidschan knüpfte nahtlos an ihr umjubeltes Debüt am Haus vor wenigen Tagen an und faszinierte das junge Publikum in der Rolle der Carmen. Gemeinsam mit einem spielfreudigen Ensemble – darunter Freddie De Tommaso (Don José), Christian Van Horn (Escamillo) und Anna Bondarenko (Micaëla) – brachte sie Georges Bizets Drama zum Leuchten. Dirigent Asher Fisch führte das Orchester präzise und voller Energie durch die berühmte Partitur.
"Es ist einfach unglaublich überwältigend für mich vor so einem jungen Publikum zu singen, die ohne Vorbehalt herkommen, nicht urteilen oder kritisieren, sondern einfach alles aufsaugen und auch so viele Emotion zu uns auf die Bühne zurückgeben. Dadurch entsteht eine Augenhöhe zwischen Bühne und Zuschauerraum. Es könnte nicht schöner sein!", so Hasan.
Prominente Opernbesucher:innen
Einen Platz in den Rängen hatte auch das diesjährige österreichische ESC-Gesicht Benjamin Gedeon, besser bekannt als Cosmó, eingenommen. Weiters unter den Gästen befanden sich das vom Opernball bekannte "Ich bin O.K."-Paar Holly Hurtig und Tobias Cinibulk sowie Jungdesigner Nicolas Dudek.
"Oper ist für alle, Musik ist für alle, genauso für junge Menschen, das hat man heute wirklich gespürt. Menschen kamen heute zusammen und haben die Musik gefeiert. Auch die Inszenierung war beeindruckend: eine Mischung aus einer modernen Interpretation, die aber auch die Liebe zum Stück und der Musik sowie den Respekt gegenüber dem Komponisten zeigt. Das hat man im Publikum wirklich ganz stark gespürt, und das fand ich sehr, sehr cool", fasst Gedeon den Abend zusammen.
Dudek ergänzte: "Bieitos Carmen ist leidenschaftlich und visuell atemberaubend. Als Designer hat mich vor allem das Bühnenbild gefesselt – und das Gefühl, dass Oper hier wirklich für meine Generation geöffnet wird."
Einen Eindruck von der Vorstellung können Sie sich zudem mittels Galerie verschaffen.
www.wiener-staatsoper.at
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