Fotos vom Smatrics E-Mobility Talk
Elektroautos könnten Benziner bald überholen

Bei der neunten Ausgabe des E-Mobility Talks diskutierten Expert:innen über den Stand der Elektromobilität in Österreich. Unser Land sei mit 300.000 reinen Stromern zwar auf Kurs – jetzt rücke aber die Regulierung in den Fokus.

Beim mittlerweile neunten E-Mobility Talk von Smatrics sprachen Vertreter:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Regulierung und Verwaltung über den Stand der heimischen Elektromobilität sowie die Herausforderungen der kommenden Jahre. Einig waren sich die Teilnehmer:innen, dass die Technologie ihre Marktreife erreicht habe und der weitere Ausbau nun vor allem von politischen und regulatorischen Entscheidungen abhänge.

"Für eine gelungene Transformation braucht es ein gemeinsames Zielbild, das Mobilität und Energie noch stärker zusammenführt", sagte Hauke Hinrichs, CEO von Smatrics.

300.000 E-Autos und 40.000 öffentlichen Ladepunkte

Aktuellen Marktdaten zufolge ist mittlerweile jeder 20. Pkw im österreichischen Fahrzeugbestand elektrisch unterwegs. Im April 2026 war jeder vierte neu zugelassene Pkw batterieelektrisch, in Oberösterreich sogar jeder Dritte. Laut Philipp Wieser, Leiter der Österreichischen Leitstelle für Elektromobilität, dürfte im Sommer 2026 die Marke von 300.000 reinen Stromern und 40.000 öffentlichen Ladepunkten erreicht werden. Wieser erwartet zudem, dass E-Autos im Jahr 2028 bei den Neuzulassungen die Benziner überholen könnten – das hatte er bereits beim Branchentalk der Wiener Elektro Tage prophezeit (LEADERSNET berichtete). Danach könnte die Elektrifizierung des Pkw-Bestands deutlich an Dynamik gewinnen. 

Auch beim Ausbau der Ladeinfrastruktur verzeichnet Österreich Fortschritte. Besonders stark wachse der Bereich der Ultraschnellladepunkte. Österreich liege hier europaweit auf Platz drei. Rund 58 Prozent der öffentlichen Ladeleistung entfallen mittlerweile auf diesen Bereich.

Nicht alles eitel Wonne

Trotz positiver Entwicklung sieht Hinrichs weiteren Handlungsbedarf. Zu den offenen Themen zählten die Standardisierung von Netzanschlüssen, die Digitalisierung sowie steigende Netzentgeltkosten. Diese seien in den vergangenen Jahren um 30 bis 50 Prozent gestiegen. Die E-Mobilität brauche keine dauerhafte Förderung, so Hinrichs. Gleichzeitig sei es jedoch kontraproduktiv, den Umstieg auf klimafreundliche Antriebe zusätzlich zu verteuern.

Aus Sicht der Umweltökonomin Sigrid Stagl steht die Notwendigkeit der Mobilitätswende nicht mehr zur Debatte. Entscheidend sei vielmehr die Frage, wie die Transformation gestaltet werde. Sie verwies darauf, dass die Kosten eines verzögerten Klimaschutzes Schätzungen zufolge drei- bis fünfmal höher ausfallen als jene einer frühzeitigen und gesteuerten Umstellung.

Zudem verwies Stagl auf erhebliche finanzielle Mittel, die weiterhin in fossile Energieträger fließen. Die Reduktion klimaschädlicher Subventionen sei daher ein naheliegender erster Schritt. Elektromobilität ermögliche es, Mobilität mit deutlich geringerem Energieeinsatz bereitzustellen und klimapolitische Ziele kosteneffizient zu erreichen.

Regulierung als entscheidender Faktor

Auch die Regulierungsbehörde E-Control sieht Österreich bei der öffentlichen Ladeinfrastruktur gut aufgestellt. "Aktuell schreitet der Ausbau der Ladeinfrastruktur in gleichem Maße voran, wie die Anzahl der E-Fahrzeuge zunimmt", erklärte E-Control-Experte Daniel Hantigk. Im ersten Quartal 2026 wurden österreichweit 6,9 Millionen Stunden an öffentlichen Ladepunkten geladen. Die Auslastung lag je nach Bundesland zwischen sieben und 19 Prozent.

Für viele Nutzer:innen bleibt der Preis das wichtigste Kriterium bei der Wahl eines Ladevertrags. Laut E-Control nutzen 84 Prozent der E-Mobilist:innen Ladekarten oder Ladeverträge, während der Anteil der Ad-hoc-Ladevorgänge seit Jahren konstant bei 13 Prozent liegt.

Hans-Jürgen Salmhofer vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur bezeichnete die Regulierung weiterhin als entscheidenden Faktor für die Entwicklung der Elektromobilität. Die Transformation werde stattfinden, entscheidend sei jedoch, ob Europas Industrie davon profitieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern könne. Nun komme es darauf an, die Rahmenbedingungen so auszugestalten, dass der Wandel verlässlich und wirtschaftlich umgesetzt werden könne.

LEADERSNET war beim neunten Smatrics E-Mobility Talk. Fotos sehen Sie in unserer Galerie.

www.smatrics.com

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