Digitalisierung im Handel
Warum der klassische Barcode bald Gesellschaft bekommt

| Wolfgang Zechner 
| 07.06.2026

Ab 2028 sollen Händler in der Lage sein, neben klassischen Strichcodes auch moderne 2D Codes an der Kassa zu verarbeiten. Für Handel und Industrie eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten. GS1-Experte Christian Lauer erklärt, warum der herkömmliche Barcode trotzdem noch lange nicht ausgedient hat.

Seit mehr als 50 Jahren begleitet der klassische Strichcode den Handel. Milliardenfach wird er täglich gescannt und sorgt dafür, dass Produkte an der Kassa eindeutig erkannt werden. Doch hinter den Kulissen arbeitet die Branche längst an der nächsten Evolutionsstufe: den sogenannten 2D Codes. Dazu zählen etwa der GS1 DataMatrix oder QR Codes mit GS1 Digital Link. Sie können deutlich mehr Informationen speichern als ein herkömmlicher EAN-Code und eröffnen neue Möglichkeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. "Die wichtigste Botschaft lautet: 2D kommt und bleibt", sagt Christian Lauer, Bereichsleiter und 2D-Experte bei GS1 Austria im Gespräch mit KEYaccount/LEADERSNET. Gleichzeitig räumt er mit einem weitverbreiteten Missverständnis auf: "Es ist keine Ablöse des klassischen Barcodes geplant. Wer keinen zusätzlichen Informationsbedarf hat, kann auch künftig beim linearen Strichcode bleiben."

Mehr Informationen auf weniger Platz

Der wesentliche Vorteil der neuen Codes liegt in ihrer Datenkapazität. Während der klassische EAN-Code nur die Artikelnummer transportiert, können 2D Codes zusätzlich Informationen wie Chargennummern, Mindesthaltbarkeitsdaten oder Gewichtsangaben speichern. Gleichzeitig benötigen sie deutlich weniger Platz auf der Verpackung und sind robuster gegenüber Beschädigungen.

Genau deshalb setzt zum Beispiel Metro Österreich bereits auf die GS1 DataMatrix im Frischebereich. Das Unternehmen konnte die Fehlerquote beim Scannen um rund 40 Prozent reduzieren und erreicht mittlerweile eine Lesbarkeit von 98,3 Prozent an den Kassen. "Der GS1 DataMatrix speichert im Grunde die gleichen Informationen wie der GS1-128, bietet aber zusätzliche Vorteile. Es passen mehr Daten auf weniger Raum und sie können schneller sowie zuverlässiger gelesen werden", heißt es von Metro. Lauer erklärt den Unterschied so: "Bei Metro haben wir im Grunde nur den Datenträger getauscht. Die Informationen blieben dieselben, aber die Lesbarkeit wurde deutlich besser."

QR-Code wird zur digitalen Brücke

Noch spannender wird die Entwicklung beim QR-Code mit GS1 Digital Link. Hier dient der Code nicht nur dem Kassiervorgang, sondern gleichzeitig als Schnittstelle zum Konsumenten. Per Smartphone gelangen Kund:innen direkt zu Produktinformationen, Herkunftsnachweisen, Rezepten oder Marketingaktionen.

"Der QR-Code mit GS1 Digital Link verbindet erstmals die Anforderungen des Handels mit jenen der Konsument:innen", sagt Lauer. Während die Kassa weiterhin die Produktdaten erkennt, können Hersteller parallel digitale Inhalte bereitstellen und laufend aktualisieren. Ein prominentes Beispiel liefert derzeit Deutschland. Dort testet dm gemeinsam mit Beiersdorf die Nutzung von QR-Codes auf Produkten der Deo-Marke 8x4. Die Codes führen Konsument:innen zu digitalen Produktinformationen und bleiben gleichzeitig an der Kassa lesbar.

Spanien zeigt, wohin die Reise gehen könnte

Wie weit die Möglichkeiten reichen, zeigt die spanische Handelskette Mercadona. Der Marktführer nutzt QR-Codes mit GS1 Digital Link bereits bei gewichtsvariablen Produkten. Darüber werden nicht nur Herkunftsinformationen für Konsument:innen bereitgestellt. Auch interne Prozesse wie Bestandsmanagement, Rabattierungen kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums oder Rückverfolgbarkeit werden damit unterstützt.

"Enorme Möglichkeiten"

Bis Ende 2027 müssen bei Produkten mit 2D Code zusätzlich weiterhin klassische EAN-Barcodes angebracht werden. Erst ab 2028 sollen Händler flächendeckend in der Lage sein, auch ausschließlich 2D Codes an der Kassa zu verarbeiten. Für Lauer steht fest, dass die Zukunft nicht in einem einzigen Code liegen wird: "Wenn kein zusätzlicher Nutzen vorhanden ist, bleibt der klassische Barcode völlig ausreichend. Aber überall dort, wo mehr Informationen beispielsweise aufgrund regulatorischer Anforderungen, Prozessoptimierungen oder neue Services gefragt sind, bieten 2D Codes enorme Möglichkeiten."

Mehr zu 2D Codes: www.gs1.at/2d-codes

Praxisbeispiele zur Anwendung von 2D Codes: www.gs1.at/2d-praxis

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