Am Bio-Landgut Esterhazy
Jagdsymposium widmete sich der Altersansprache beim Rotwild

| Redaktion 
| 04.06.2026

Rund 200 Fachbesucher:innen diskutierten am Bio-Landgut Esterhazy über aktuelle Methoden, wissenschaftliche Erkenntnisse und rechtliche Rahmenbedingungen bei der Bestimmung des Rotwildalters.

Die Altersansprache von Rotwild zählt zu den anspruchsvollsten Aufgaben in der Jagdpraxis. Genau diesem Thema widmete sich das diesjährige Jagdsymposium der Esterhazy Betriebe und Pannatura in der Schilffabrik am Bio-Landgut Esterhazy. Rund 200 Fachbesucher:innen folgten der Einladung. Durch das Programm führte die ehemalige ORF-Wettermoderatorin (LEADERSNET berichtete) und Präsidentin des Vereins Grünes Kreuz für Jagd und Natur Christa Kummer.

Praxis und Wissenschaft

Eröffnet wurde die Veranstaltung von David Simon, Leiter Naturschutz, Jagd, Fischerei und Forschung bei Pannatura, der betonte: "Gerade bei der Altersansprache ist es entscheidend, Theorie und Umsetzung zusammenzuführen und praxistaugliche Lösungen zu erarbeiten."

Anschließend beleuchtete Revierjagdmeister und Autor Stefan Pfefferle die Altersansprache am lebenden Wild: "Das Ansprechen von Wild ist eine gesetzliche, aber vor allem eine ethische und biologische Verpflichtung, bei der äußere Einflüsse und das Verhalten des Wildes eine große Rolle spielen. Gleichzeitig braucht es eine Abstimmung mit den Behörden auf Augenhöhe, um verantwortungsvolle Entscheidungen im Revier auf realistischer Basis zu ermöglichen."

Andreas Schatz, Gründer des IFAC (Institut für Altersbestimmung von Cerviden) sowie Sachverständiger und Fachgutachter für die Altersbestimmung von Cerviden mittels Zahnschliff, stellte im Anschluss das 1987 von ihm entwickelte "MultiSegment-Verfahren" vor. "Eine Altersschätzung ist keine Altersbestimmung. Herkömmliche Schätzungsmethoden haben nachweislich eine Ungenauigkeit von ein bis drei Jahren", erklärte Schatz.

Zwischen Jagdpraxis und Rechtslage

In der anschließenden Podiumsdiskussion ging es um die Frage, wie verlässlich die Altersansprache beim Rotwild in der Praxis tatsächlich möglich ist. Darüber diskutierten Eva Erlacher, Rechtsanwältin, Autorin und Jägerin, Andreas Schatz, Stefan Pfefferle sowie Matthias Grün, Vorstandsvorsitzender der Esterhazy Betriebe. Thema waren unter anderem die schwierigen Bedingungen im Revier, wissenschaftliche Kontrollmöglichkeiten und rechtliche Konsequenzen bei Fehlabschüssen.

"Die Erfahrung zeigt, dass sich Abweichungen bei der Altersansprache in der Praxis nicht vermeiden lassen. Bei Verwaltungsstrafen für Fehlabschüsse ist daher entscheidend, wie groß die subjektive Vorwerfbarkeit im Einzelfall ist. Zudem ist es in der Regel nicht üblich, dass beim ersten Verstoß das volle Strafmaß verhängt wird", sagte Erlacher.

Zum Abschluss zog Grün Bilanz: "Die Altersschätzung beim Rotwild ist besonders in vielfältigen Lebensräumen wie im Burgenland, wo Winterfütterung nicht notwendig ist, eine große Herausforderung. Nur durch viel Ruhe in den Revieren gelingt es, die Sichtbarkeit des Wilds tagsüber zu steigern und somit bessere Voraussetzungen für die Altersansprache zu schaffen. Doch selbst nach der Erlegung bleibt es eine Schätzung mit naturgemäßen Schwankungen." Zugleich sprach er sich für praktikable, leicht verständliche und kontrollierbare Vorgaben in gesetzlichen Regelungen und deren Auslegung aus.

Ausklang bei Speis und Trank

Beim anschließenden Ausklang mit Wildspezialitäten aus dem Restaurant Zum Gogosch wurde der Austausch in persönlicher Atmosphäre fortgesetzt.

www.pannatura.at

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