Traditionsbetrieb kämpft um Rettung
Millionenpleite eines Druckerei-Riesen: 160 Jobs wackeln

| Tobias Seifried 
| 31.05.2026

Ein traditionsreicher Druckerei- und Kunststoffverarbeitungsbetrieb hat zum zweiten Mal ein Sanierungsverfahren beantragt. Gestiegene Rohstoffkosten, geopolitische Krisen und ein Nachfrageeinbruch bringen das Unternehmen in Not.

Schwerer Schlag für den Wirtschaftsstandort Niederösterreich: Die im Jahr 1980 gegründete Ing. H. Gradwohl GmbH hat beim zuständigen Landesgericht ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Das namhafte Unternehmen, das neben dem Hauptsitz in Melk auch Betriebsstätten in Wimpassing an der Pielach unterhält, ist in den Bereichen Druckerei sowie Kunststoffverarbeitung tätig. Von der Pleite sind rund 160 Dienstnehmer:innen – darunter fünf Lehrlinge – direkt betroffen.

Laut Angaben der Gläubigerschutzverbände KSV1870 und AKV belaufen sich die Verbindlichkeiten der Gesellschaft auf rund 2,61 Millionen Euro. Dem stehen kurzfristig liquide Mittel von etwa 490.000 Euro gegenüber. Die Gesamtzahl der betroffenen Gläubiger:innen liegt je nach Anmeldeverzeichnis zwischen 75 und 120 (exklusive der Mitarbeiter:innen). Für die Belegschaft gibt es zumindest eine temporäre Entwarnung. So wurden die Löhne und Gehälter bis einschließlich April 2026 ordnungsgemäß ausbezahlt.

Einbruch nach erfolgreicher Konsolidierung

Das Unternehmen musste bereits im Jahr 2023 ein Insolvenzverfahren durchlaufen. Dieses konnte damals mit einem Sanierungsplan erfolgreich beendet werden - sämtliche Quoten wurden laut Kreditschützern vollständig und ordnungsgemäß erfüllt. Nach einer Phase der wirtschaftlichen Stabilisierung geriet der Betrieb nun jedoch erneut in einen folgenschweren Abwärtsstrudel.

Geopolitik, Inflation und Nachfrageflaute 

Die Ursachen für den akuten Liquiditätsengpass sind vielschichtig. Die Geschäftsführung führt das Abgleiten in die Insolvenz im Eröffnungsantrag auf einen drastischen Nachfragerückgang zurück, der insbesondere Point-of-Sale-Produkte (POS) und strukturelle Veränderungen in den klassischen Abnehmerbranchen betrifft.

Zusätzlich belasteten massiv gestiegene Rohstoff- und Energiekosten die Bilanz. Auch die jüngsten kollektivvertraglichen Lohnerhöhungen setzten der Kostenstruktur stark zu. Externe, geopolitische Entwicklungen – namentlich im Zusammenhang mit dem eskalierenden Iran-Konflikt – verschärften die Situation auf den Beschaffungsmärkten zusätzlich. Aufgrund des intensiven Wettbewerbsdrucks konnten diese Mehrkosten nicht an die Endkunden weitergegeben werden. Intensive Verhandlungen über eine Fortführungsfinanzierung blieben letztlich erfolglos.

Fortbetrieb und Sanierungsplan im Fokus

Trotz der dramatischen Entwicklung wird eine Schließung des Traditionsbetriebs vorerst abgewendet. Das Unternehmen strebt eine geordnete Fortführung an. Den Gläubiger:innen wird im Rahmen des Sanierungsplans die gesetzliche Mindestquote von 20 Prozent angeboten, zahlbar innerhalb von 24 Monaten ab der Annahme.

Die dafür notwendigen Mittel sollen durch tiefgreifende Restrukturierungsmaßnahmen direkt aus dem operativen Fortbetrieb erwirtschaftet werden. Peter Stromberger vom KSV1870 kündigte an, dass der Gläubigerschutzverband in den kommenden Wochen intensiv prüfen werde, ob dieses Sanierungsangebot für die Gläubigerseite sowohl angemessen als auch wirtschaftlich erfüllbar ist.

www.ksv.at

www.akv.at

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV