Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 sorgt in Österreich bereits im Vorfeld für hohe Aufmerksamkeit. Im Rahmen einer Marketagent-Umfrage unter 1.000 Personen (siehe Infobox) geben 63 Prozent an, sich für das Turnier in Kanada, den USA und Mexiko zu interessieren. Damit liegt das Interesse deutlich über jenem der WM 2022 in Katar, für die sich vorab lediglich 37 Prozent begeistern konnten.
Großes Interesse
Auch die Übertragungszeiten dürften viele Fans nicht abschrecken. Insgesamt wollen 67 Prozent die Weltmeisterschaft zumindest gelegentlich verfolgen, während 21 Prozent möglichst viele Spiele sehen möchten. Ein bewusster Boykott spielt dieses Mal nur für eine kleine Minderheit eine Rolle. Lediglich fünf Prozent planen, auf die WM zu verzichten. Bei der WM 2022 lag dieser Wert noch bei 24 Prozent.
Nationalteam steht im Mittelpunkt
Besonders groß ist das Interesse an den Spielen der österreichischen Nationalmannschaft. Unter den Personen, die die WM verfolgen wollen, interessieren sich 74 Prozent speziell für die Auftritte Österreichs. Danach folgen Halbfinale und Finale mit 53 Prozent sowie Begegnungen sympathischer Mannschaften mit 42 Prozent.
Auch emotional steht das Nationalteam im Vordergrund. 31,7 Prozent verbinden mit der WM vor allem Stolz auf die österreichische Mannschaft, 29,5 Prozent nennen Vorfreude als dominierende Emotion.
Bei den sportlichen Erwartungen zeigt sich ein differenziertes Bild. Drei von zehn Befragten rechnen mit einem Aus im Achtelfinale, 19 Prozent erwarten den Einzug ins Viertelfinale. Elf Prozent trauen Österreich sogar den Weltmeistertitel zu. Gleichzeitig gehen 15 Prozent von einem Ausscheiden in der Gruppenphase aus, weitere 18 Prozent erwarten das Ende im Sechzehntelfinale.
Wohnzimmer bleibt wichtigste Fan-Zone
Die Mehrheit der Fans wird die Spiele auch 2026 zu Hause verfolgen. 79,8 Prozent der WM-Interessierten wollen die Begegnungen überwiegend im Wohnzimmer im Fernsehen ansehen. 26,2 Prozent schauen gemeinsam mit Freund:innen oder Bekannten, 17,1 Prozent nutzen Livestreams. In der Generation Z liegt dieser Wert bei 26 Prozent.
Zu einem typischen WM-Abend gehören für viele Snacks und Knabbereien. 44 Prozent nennen diese als festen Bestandteil, 34 Prozent das gemeinsame Mitfiebern und Diskutieren. 27 Prozent verfolgen die Spiele gemeinsam mit anderen. Alkoholische Getränke spielen vor allem bei Männern eine Rolle: 33 Prozent der männlichen Befragten nennen dies als Teil des WM-Abends, bei Frauen sind es 17 Prozent. Zudem platzieren 15 Prozent Wetten rund um die Spiele.
Kritik an FIFA und Kommerzialisierung bleibt groß
Trotz der Vorfreude sehen viele Befragte die Entwicklung des internationalen Fußballs kritisch. 56,4 Prozent stören sich an politischer Einflussnahme und Instrumentalisierung, 48,9 Prozent nennen Korruption und mangelnde Transparenz. 39,8 Prozent kritisieren den Weltfußballverband FIFA, 37,2 Prozent die starke Kommerzialisierung. Auch Umwelt- und Klimabelastungen werden von 32,9 Prozent als negativer Aspekt von Fußball-Großereignissen genannt.
Negative Aspekte von Fußball-Großereignissen © Marketagent
"Die Faszination Fußball ist ungebrochen, aber sie ist nicht mehr naiv. Viele Menschen freuen sich auf die Spiele, fiebern mit der österreichischen Nationalmannschaft mit und machen die WM zu einem Gemeinschaftserlebnis. Gleichzeitig wird das Umfeld des Weltfußballs deutlich kritischer betrachtet. Die Fans schauen heute nicht mehr nur auf den Ball, sondern auch auf Machtstrukturen, wirtschaftliche Interessen und politische Botschaften rund um das Turnier", sagt Thomas Schwabl, Gründer und Geschäftsführer von Marketagent.
Die Skepsis gegenüber der FIFA bleibt insgesamt hoch. Nur 26 Prozent der Österreicher:innen vertrauen dem Weltfußballverband zumindest eher, während 74 Prozent Misstrauen äußern. 87 Prozent sehen die FIFA zu stark von wirtschaftlichen Interessen geprägt, 84 Prozent halten sie für zu mächtig im internationalen Fußball und 83 Prozent sprechen sich für stärkere Regulierung aus. Zudem empfinden acht von zehn Befragten die Entscheidungen der FIFA als schwer nachvollziehbar. Auch der Vergabeprozess von Weltmeisterschaften wird kritisch gesehen: 59 Prozent halten ihn für eher unfair oder nicht objektiv.
Nordamerika als Gastgeber wird unterschiedlich bewertet
Die Austragung der WM in Kanada, den USA und Mexiko wird zwar positiver beurteilt als die WM 2022 in Katar, stößt aber dennoch nicht auf uneingeschränkte Zustimmung. 44 Prozent bewerten die Entscheidung für Nordamerika positiv, 56 Prozent sehen sie eher kritisch.
31 Prozent nehmen die WM 2026 positiver wahr als das Turnier in Katar. Für 52 Prozent unterscheiden sich die beiden Weltmeisterschaften kaum, während 17 Prozent die aktuelle Austragung sogar negativer beurteilen.
Innerhalb der drei Gastgeberländer wird Kanada am besten bewertet. 61 Prozent halten das Land für einen attraktiven Austragungsort, 57 Prozent erwarten positive Imageeffekte durch die WM. Mexiko liegt im Mittelfeld. Die USA schneiden hingegen deutlich schlechter ab: Nur 27 Prozent bewerten die Vereinigten Staaten als attraktiven Gastgeber.
"Nach der stark umstrittenen WM in Katar scheint die Weltmeisterschaft 2026 wieder stärker in der Mitte der Bevölkerung anzukommen. Trotzdem ist das Mega-Event kein unbeschwertes Sommermärchen: Die FIFA bleibt ein zentraler Vertrauensbremsklotz. Wenn nur rund jede:r Vierte dem Weltfußballverband vertraut, zeigt das: Sportliche Großereignisse brauchen heute nicht nur starke Bilder und spannende Spiele, sondern vor allem nachvollziehbare Entscheidungen, Transparenz und Glaubwürdigkeit", so Andrea Berger, Research und Communications Manager bei Marketagent.
www.marketagent.com
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